Endzeitschwärmerei: „Aufbruch der Kirche in eine neue Zeit“…?

Als bibel- und kirchentreue Katholiken wollen wir uns vor zwei Extremen sorgsam hüten: einerseits vor Endzeitpanik und andererseits vor Endzeitschwärmerei.

Während Endzeitpanik zB. seit Jahrzehnten von Claus P. Clausen aus Lippstadt betrieben wird (er ist Herausgeber der erscheinungsseligen Zeitung „Mystik“ und ehem. Chef des „Schwarzen Briefs“), blüht und gedeiht in charismatischen Kreisen vor allem die Endzeitschwärmerei; sie geht davon aus, daß vor der Wiederkunft Christi eine Art „goldenes Zeitalter“ für die Kirche beginne, ein weltweites christliches Friedensreich, ein herrlicher Durchbruch des Heiligen Geistes usw.

Hierzu ein aktuelles Beispiel:

Die erscheinungsfromme Monatszeitschrift „Kirche heute“ trägt bereit einen passenden Untertitel, nämlich: „Aufbruch der Kirche in eine neue Zeit.“

Welche neue Ära mag das sein? Leben wir  – nüchtern betrachtet –  etwa nicht in einer Zeit des Werteverfalls und des zunehmenden Glaubensabfalls, vor allem im einstmals „christlichen“ Abendland?

Schon auf der zweiten, der vierfarbigen Umschlag-Seite der jüngsten Ausgabe (Nr. 4/2012) werden zwei dem Leitwort entsprechende Bücher bilderstark präsentiert:

1. Buch:  „Das Unbefleckte Herz Mariens. Unsere Zuflucht und unser Weg“ von Pater Johannes Schmid CP, dem Mitbegründer und zeitweiligen geistlichen Leiter der Pilgerstätte „Maria vom Sieg“ in Wigratzbad im Allgäu.

Die Verehrung des makellosen Herzens der Gottesmutter hat ihren berechtigten Platz innerhalb der katholischen Frömmigkeit, wenngleich die Kirche niemanden zu dieser Andachtsform verpflichtet.

Was freilich an diesem Buch aufhorchen läßt, ist die Ankündigung eines „marianischen Zeitalters“, in dem die „Apostel der Endzeit“, wie sie wörtlich genannt werden, „auftreten“ werden. (Diese Voraussage wird auch dadurch nicht richtiger, daß man sich hierbei auf den bekannten Marienverehrer Grignion von Monfort beruft.)

2. Buch: „Charismatische Erneuerung. Ein Weg der Neuevangelisierung“ von P. Hansmartin Lochner. Diese Schrift wird wie folgt angepriesen:

„Das Büchlein vermittelt auf einzigartige Weise den Hintergrund und die Bedeutung der „Charismatischen Erneuerung“. Das engagierte Zeugnis öffnet die Augen für den dramatischen Umbruch, den die Kirche in unseren Tagen erlebt. Überzeugend stellt H. Lochner dar, wie Gott selbstseit über hundert Jahren eine neue Ausgießung des Heiligen Geistes vorbereitet.“

Wie die Heilige Schrift und die Kirche bezeugt, geht der Wiederkunft Christi keineswegs ein glorreiches Zeitalter der Kirche voraus, sondern das genaue Gegenteil: ein umfassender Glaubensabfall mit falschgeistigen „Zeichen und Wundern“.

Daher hat das kirchliche Lehramt sich mehrfach gegen endzeitschwärmerische Bewegungen geäußert, etwa im Zusammenhang mit der Bewegung um den mittelteralterlichen Mönch Joachim von Fiore, der ein „Zeitalter des Hl. Geistes“ ankündigte, aber auch bei der Verurteilung der „Visionen“ von Vassula Ryden durch die Glaubenskongregation unter Kardinal Joseph Ratzinger.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster