Das habe ich in charismatischen Kreisen erlebt

Die folgende Schilderung von Erfahrungen in schwärmerisch-katholischen Gruppen stammt von einer Familienmutter und Leserin aus dem Münsterland, die unserer Redaktion seit langem persönlich bekannt ist:

Meine Erfahrungen, die ich in einigen „neuen geistlichen Gemeinschaften“ machte, haben mich dazu veranlasst, diese Bewegungen wieder zu verlassen. Das Lesen kritischer Bücher und dieses CHRISTLICHE FORUM hat mich dann in dieser Entscheidung weiter bestärkt.

Was mich sehr stark gestört hat, war vor allem die fehlende Bereitschaft, vernünftig mit Einwänden und skeptischen Fragen umzugehen. Man wird in dieser Szene, wenn man etwas kritisch hinterfragt – z.B. Medjugorje und die „Marienerscheinungen“ dort – oft schon beim ersten Gespräch mit dem Teufel in Verbindung gebracht.

Kritik wird als ein Angriff des Satans ausgelegt, der es darauf abgesehen hat – so heißt es – den Skeptiker zu Fall zu bringen. Manche haben mir, als ich mich allmählich von Medjugorje abwandte, vorgeworfen, ich würde die „Gottesmutter verraten“ . Man wird aufgefordert, dieser Versuchung aus der Hölle auf keinen Fall nachzugeben.

Wenn ich Schriften zur Aufklärung angeboten habe, wurde das rundweg abgelehnt. Selber hinterfragen diese Erscheinungssüchtigen nur wenig. Das ist klar, sie wollen ja nicht dem „Teufel“ auf den Leim gehen.

EIne weitere nervige Erfahrung ist das unentwegte Leistungsbeten mit lautem Lobpreis und endloser Nachtanbetung besonders auf Fahrten und Seminaren von Charismatikern.

Morgens früh geht es bei Pilgerreisen schon los mit lautem Trommel-Lobpreis. Mein Sohn hat das selber auf einer Fahrt nach Medjugorje erlebt und ist bis heute abgeschreckt davon. Er sagte mir: „Wir bekamen keine Ruhezeiten, immer wieder Lobpreis, Rosenkranzbeten, Trommeln bis in die Nacht.“ – Das war in den 90er Jahren bei einer Medju-Fahrt mit „Totus tuus“.

Von Medjugorje bin ich nicht zuletzt durch das Buch „Der Medjugorje-Betrug“ aus dem Verax-Verlag abgekommen. Die vielen Beweise gegen die Echtheit dieser Erscheinungen haben mir die Augen geöffnet.

Bei der charismatischen „Gemeinschaft der Seligpreisungen“, die ebenfalls für Medjugorje wirbt, erlebte ich außerdem den Versuch, die Gläubigen sozusagen auszuhorchen – natürlich unter einem frommen Vorwand.

Oftmals standen die Mitglieder der Gemeinschaft bei ihren Anbetungsandachten mit bis zu drei Personen um einen herum und wollten fürbittend für die Anliegen beten, die man denen erzählen konnte.

Verpackt wurde dieses „Aushorchen“ als Seelsorge und Fürbitt-Gebet im Kirchenraum. Das war nicht weit entfernt von einer Art „Laienbeichte“ (allerdings ohne Beichtgeheimnis-Verpflichtung).

Zudem hat diese Kummerkasten-Methode manche Besucher von dem Gang zur Beichte abgehalten, denn sie hatten ja schon ihre „Seelsorge“ erfahren.

Unmöglich übergriffig wurde es dann in einer charismarischen Gruppenfahrt bei einem indischen Priester, der mich während der Beichte ständig am Arm streichelte.

Meine Freundin hat sich vor Jahren von dem „Heilungsprediger“ Alan Ames trotz meiner Warnung per Handauflegung segnen lassen. Seitdem ist sie oft erschöpft und längst nicht mehr so leistungsfähig, wie ich sie vorher kannte.

Man kann vor diesen Handauflegungen durch Charismatiker nur warnen. Viele bekommen hinterher echte psychische und physische Beschwerden. Ich bin solchen Betroffenen mehrmals begegnet, auch bei Seminaren und Freizeiten in Klöstern.

Ich bin damals, als ich noch in dieser Szene zugange war, spontan zur „Gemeinschaft der Seligpreisungen“ nach Warstein gefahren. Ich stand dort abends an der Tür, die von ein paar Mitgliedern der Gemeinschaft geöffnet wurde. Das übliche Programm war diesmal ausgefallen. Ich bat um Aufnahme für eine Nacht und darum, in der Kirche still beten zu können, um die Fahrt zu denen nicht vergeblich gemacht zu haben.

Sie sagten mir, sie müssen erst ihren Diakon Karl fragen und ihm meinen Namen nennen. Er könne durch seine besonderen Gnadengaben erkennen, ob Gott wolle, dass ich dort bleiben könne. 10 Minuten später bekam ich den Eintritt, weil Diakon Karl mitteilen ließ: Ja, diese Dame darf herein.

Ähnliches erlebte ich auf einer Wallfahrt nach Wigratzbad, das damals noch sehr charismatisch geprägt war (später änderte sich das erfreulicherweise durch den neuen Direktor Meier).

Auch wurde erst eine Art „Seherin“ befragt, die angeblich mit den Schutzengeln in Kontakt steht, ob ich mitfahren darf. Ich musste ein paar Tage warten, bis die Engelsdame ihr o.k gab. Ich war dann richtig glücklich. Inzwischen sehe ich es als psychisches Spielchen an, das die Leute zum Aberglauben (ver)führt.

Dann fragte ich die Engelsdame auf der Pilgerfahrt neugierig nach dem Schutzengel-Namen meines Patenkindes. Sie sagte mir einen Namen. Später fragte ich noch einmal nach, dann nannte sie mir aber einen anderen Namen des Schutzengels.

Als ich stutzig wurde, weil zwei verschiedene Namen im Raum standen, erwiderte die „begnadete“ Frau: „Manche Menschen haben mehrere Schutzengel.“ Somit war ich erst einmal zufrieden gestellt. Jedenfalls meine ich, dass solche Damen nicht leicht zu entlarven sind, wenn sie so geschickt daherreden.

Wenn man richtig „drin“ ist, fällt es schwer, aus der Charismatik wieder herauszukommen, weil man tatsächliche „Wunder“ erlebt, wie es scheint. Ich bin froh, ausgestiegen zu sein. Auch dafür einen herzlichen Dank an dieses CHRISTLICHE FORUM und Frau Küble, die mich durch viele Informationen auf einen guten und nüchteren Glaubensweg geführt hat.

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„Rachemadonna“: Merkmal der Falschmystik

Von Felizitas Küble

Das Prinzip Zuckerbrot und Peitsche“ ist ein häufiges Kennzeichen irrgeistiger „Offenbarungen“. In den entsprechenden Botschaften werden die Seher (meist sind des freilich Seherinnen) von himmlischen Gestalten – oft Jesus oder Maria – über den grünen Klee gelobt, ihre Vorzüglichkeit gepriesen, ihre besondere Sendung und Einzigartikeit verkündet und vielfach bedankt sich die Erscheinung auch bei den „Begnaden“ für ihren eifrigen Einsatz bei der Verbreitung der angeblichen Aufrufe „von oben“.

Auch in Medjugorje bedankt sich die „Madonna“ ständig bei den Visionären, daß sie „ihrem Ruf gefolgt“ seien etc.

Dieses (un)geistliche Zuckerbrot ist nichts Neues in der Kirchengeschichte. Die hl. Teresa von Avila, die selber als große Mystikerin gilt, warnte vor dieser religiösen Sentimentalität:

„Schwer täuschen sich jene, die meinen, die Vereinigung mit Gott bestehe in Ekstasen, Verzückungen und geistlichen Tröstungen. Sie besteht allein in der vollkommenen Übergabe unseres Willens an Gott.“

Das zweite typische Kennzeichen der Pseudo-Mystik ist die „Peitsche“ – natürlich an jene gerichtet, welche die „Botschaften“ nicht annehmen. Ob Sievernich oder Eisenberg (Rasenkreuz), ob Amsterdam oder Garabandal, ob Medjugorje oder die Visionen der Antonie Rädler von Wigratzbad: Stets gibt es eine „Rachemadonna“, die den Skeptikern den Marsch bläst, auch wenn es sich dabei um die kirchliche Obrigkeit handelt, die ja bekanntermaßen mit derartigen Phänomenen sehr vorsichtig ist – immerhin beruht diese Haltung aus einer Erfahrung von 2000 Jahren.

Ganz typisch sind also Drohbotschaften für jene, die nicht spuren, die Zweifel an der Echtheit äußern oder sich sogar dagegen aussprechen.

Fall-Beispiel SIEVERNICH

So erklärte die Erscheinungs-Maria von Siervernich am 4. Juni 2005, derjenige werde sich „vor ihrem Sohn verantworten müssen“, der in das Rohr zum Brunnen „etwas hineinwirft“. (Es ging um eine erfolgte Bohrung für ein angebliches „Heilungswasser“.)

Einen Tag später wiederholt das Phantom ihre Drohung: „Mein Kind, bete und tue alles, was ich Dir sage. Wer auf mein Wort nicht hört, wird dies vor meinem Sohn verantworten müssen.“

Bereits zwei Jahre zuvor, am 14. Juli 2003, wurden jene Geistlichen, die nicht an die Visionen von Manuela Strack glauben, ebenfalls in ein schiefes Licht gerückt:

„Viele Priester glauben nicht an mein Kommen und verleugnen meinen Sohn. Sie sind gegen dich, weil sie auch wider meinen Sohn sind. Sie verwunden täglich mein Herz.“ 

Am 1. März 2004 sandte die angebliche Gottesmutter folgende Kundgabe an Manuelas Verehrerschar: „So wird alles, was sich euch entgegenstellt, wie ein Windhauch vergehen.“

Da kann es manchem Erscheinungsbewegten warm ums Herz werden!

Fall-Beispiel RÄDLER in WIGRATZBAD

Das bischöfliche Ordinariat Augsburg wirft dem Buch „Sieg der Sühne“ von Alfons Sarrach vor, daß es Kritikern der Wigratzbader Privatoffenbarungen von Antonie Rädler mit Unheil und Tod drohe.

Tatsächlich äußert sich der Verfasser – ein allseits bekannter Propagandist von Medjugorje – teilweise eher makaber – vor allem ab Seite 107:

Dort wird ausführlich geschildert, wie es dem Bürgermeister von Hergatz ergangen sei (der als Widersacher der „Seherin“ Rädler vorgestellt wird): Dieser NS-hörige Bürgermeister sei – politisch bedingt – durch Befehl eines SS-Kommandanten aufgehängt und dann „verscharrt“ worden.

Danach heißt es auf S. 108 weiter:
„Übrigens haben die größten Feinde Antonies einen tragischen Tod gefunden. Zu ihnen gehörte auch der Kreisleiter der Partei aus Lindenberg. Er wurde von befreiten Polen aus dem Auto geholt, zu Tode getrampelt und unter die Erde gebracht.“

Auf S.67 wird von einer Marienvision berichtet, die eine Bekannte von Antonie Rädler erlebt haben will. Dabei soll die „Erscheinung“ gesagt haben: „Ich kann die zerschmettern, die gegen diese Sache sind.“ (Gemeint ist der Kapellenbau in Wigratz.)

Ähnlich heißt es auf S. 89 aus dem Munde der „Seherin“ Antonie selbst: „Maria kann alle zerschmettern, die ihr widerstehen.“ – Ob das Geist und Ausdrucksweise der wirklichen Gottesmutter ist? – Gewiß nicht, denn die Mutter des HERRN ist keine „Rache-Madonna“.

Derartige Ausführungen erwecken den Eindruck einer irrgeistigen „Frömmigkeit“, die sich mit dem christlichem Glauben und einer bodenständigen, biblisch orientieren Marienverehrung nicht vereinbaren läßt.

Dabei kann die Ablehnung von Erscheinungen ohnehin kein Anlaß für eine „Strafe Gottes“ sein, zumal Privatoffenbarungen für die Gläubigen grundsätzlich nicht verbindlich sind – noch viel weniger, wo es sich in all dieen Fällen nicht einmal um kirchlich anerkannte Botschaften handelt.

Fall-Beispiel HIGGINSON:

Einige Hinweise aus der „Haupt-Christi“-Verehrung der englischen Visionärin Teresa Higginson (die auch in traditionalistischen Kreisen verbreitet ist):

Zum Zuckerbrot der Heilsgewißheit für Fans ihrer Haupt-Christi-Spezialandacht gehört auch die Peitsche der Verwünschungen für „Übeltäter“, die diese offenbar heilsnotwendige Sonderverehrung nicht pflegen oder sie gar  „behindern“, was wie eine Freveltat bewertet wird.

Derart blutrünstige Bannflüche gegen Skeptiker wie hier liest man freilich recht selten in irrgeistigen „Botschaften“.

Hier folgen ein paar handfeste Drohungen gegen Kritiker:

„Was jene anbelangt, die durch Wort oder Werk versuchen, diese Andacht zu verhindern oder zu verwerfen, werden sie wie zu Boden geworfenes Glas sein oder wie ein gegen eine Mauer geschleudertes Ei, d.h. sie werden in Stücke geschlagen und vernichtet; sie werden verdorren und verwelken wie das Gras auf den Dächern.“ 

„Andererseits läßt Er mich erschaudern vor Schrecken angesichts der furchtbaren Strafgerichte, die das Los jener sein werden, die den Fortschritt dieser himmlischen Andacht hindern oder zu verhindern suchen werden… Sie werden gebrochen und vernichtet  werden.“

Sodann folgt ein „Gebet“, das der „Herr“ seiner „Leidensbraut“ Higginson offenbart haben soll:  „O Heiligstes Haupt, möge Deine Weisheit uns immer lenken… Mögen wir niemals die Verwünschungen vernehmen, die gegen jene ausgesprochen wurden, welche diese Andacht behindern oder verachten werden.“  – 

Sogar im Gebet hat der „Andächtige“ also die Angst im Nacken. Soll so etwa die freiwillige Gottesliebe geweckt werden?  Stattdessen ein System von Fluch und Angst, wie man es sonst nur aus dem finstersten Heidentum kennt.


Allgäu: Gebetsstätte Wigratzbad bald mit neuer Leitung durch die „Familie Mariens“

Von Felizitas Küble

Die erscheinungsbewegte Gemeinschaft „Familie Mariens“ wird ab 1. September 2021 die Leitung und Pilger-Seelsorge an der Gebetsstätte Wigratzbad (siehe Foto) im Allgäu übernehmen, wie das Bistum Augsburg sowie die charismatische Nachrichtenseite „Kath.net“ vor fünf Tagen berichter hat: https://www.kath.net/news/74939

Für „Kath.net“ ist diese Meldung zweifellos höchst erfreulich, was sich auch in den Leserkommentaren zeigt, die sich fast alle in Begeisterung wiegen und diese bischöfliche Entscheidung großartig bis „überfällig“ finden.

Der Hintergrund ist hierbei folgender:

Vor zehn Jahren wollte der damalige Augsburger Bischof Konrad Zdarsa den zunehmenden schwarmgeistigen Umtrieben in Wigratzbad Einhalt gebieten.

Einige der dortigen Seminare und Veranstaltungen mit selbsternannten Sehern, Stigmatisierten, „Sühneseelen“, Heilungspriestern, indischen Wanderpredigern und sonstigen „Begnadeten“ uferten immer mehr aus. Dabei wurde fleißig der charismatische „Hammersegen“ verteilt, also das „Ruhen im Geist“ (Rückwärtsfallen in Trance). Die psychischen Folgen dieses Phänomens erfahre ich seit langem durch Kontakte mit Aussteigern und Geschädigten.

Das bischöfliche Ordinariat kritisierte zudem, etliche Referenten kämen ohne Anerkennung ihres Herkunftsbistums als Exerzitienleiter nach Wigratzbad.

In jener schwarmgeistigen Phase erhielt ich teils erschütternde Erlebnisberichte von Gläubigen, die in Wigratzbad Opfer geistlicher Übergriffe wurden.

Betroffen war davon z.B. unsere CF-Autorin Cordula Mohr, eine Familienmutter aus Rheine, die im Herbst 2005 dort in einer Beichte bei einem indischen Pater sogar sexuelle Belästigungen erfuhr und die diesen Vorfall später der Mißbrauchsstelle des Bistums Münster anzeigte. (Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/01/31/missbrauch-der-beichte-was-ich-einst-im-zimmer-eines-indischen-paters-erlebte/)

Zudem gab es ein diözesanes Verbot des Buches „Sieg der Sühne“. In diesem Werk des erscheinungsbegeisterten Publizisten Alfons Sarrach wurde manches aus der Wigratzbader Entstehungsgeschichte sehr dick aufgetragen oder verstiegen interpretiert.

(Siehe zu den damaligen Vorgängen unsere Stellungnahmen: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/08/alfons-sarrach-und-wigratzbad/ und hier: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/05/neues-uber-wigratzbad/)

Um die wundersüchtigen Spektakel in dieser diözesanen Gebetsstätte einzugrenzen, wurde der damalige Direktor Thomas Maria Rimmel im Frühjahr 2011 abgelöst. An seine Stelle berief Bischof Zdarsa einen bodenständigen Pfarrer namens Nikolaus Maier.

Der neue Leiter sorgte für eine gediegene Pilger-Pastoral, würdige Meßfeiern und solide Exerzitien, Andachten, Wallfahrten, Seminare usw.

Auch der überlieferten Liturgie steht der 52-jährige Geistliche wohlwollend gegenüber. Direkt neben der Wallfahrtsstätte befindet sich das traditionsorientierte Priesterseminar St. Petrus, das die „alte Messe“ zelebriert. Organisatorisch sind beide Werke aber jeweils selbständig – sie befinden sich lediglich auf einem benachbartem Gelände.

Inzwischen waltet im südbayerischen Bistum Augsburg ein neuer Bischof seines Amtes, nämlich Bertram Meier, der bislang auch durch reformfreudige Vorschläge (etwa zur Einführung von „Diakoninnen“) aufgefallen ist.

Umso erstaunlicher wirkt nun seine jetzige Personalentscheidung in Wigratzbad, denn liberale Oberhirten haben mit Erscheinungen, Visionen und Charismatik normalerweise nichts am Hut dies ist eher eine typische Gefährdung für das konservative bis traditionalistische Spektrum.

Als wäre es nicht schon merkwürdig genug, der seriösen Arbeit von Direktor Maier in der Gebetsstätte „Maria vom Sieg“ ein Ende zu setzen, erscheint der Führungswechsel noch rätselhafter angesichts der Tatsache, daß ausgerechnet die kuriose Gemeinschaft „Familie Mariens“ mit der künftigen Leitung betraut wird.

Die 1968 gegründete Vereinigung, die aus Priestern und Nonnen besteht, wurde zwar im Jahre 2008 von der römischen Kleruskongregation anerkannt, allerdings unter der Voraussetzung, daß sie ihren Namen ändert: So wurde aus der „Familie Mariens, der Miterlöserin“ die Kurzform „Familie Mariens“.

Den früheren Namen hat der leitende Pater Paul M. Sigl in einem seiner älteren Bücher verwendet: „Die Frau aller Völker – Miterlöserin, Mittlerin, Fürsprecherinherausgegeben von der Familie Mariens der Miterlöserin – Der wohl ziemlich leichtgläubige Geistliche war einst dem straffällig gewordenen Sektierer Seidnitzer auf den Leim gegangen (Näheres dazu hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Gebhard_Paul_Maria_Sigl).

Der usprüngliche Titel dieser Kommunität kommt nicht von ungefähr, sondern von den Amsterdamer Erscheinungen, in welchen die angebliche Madonna bereits in den 50er Jahren vom Papst verlangte, ein neues Dogma zu verkünden, wonach sie Fürsprecherin, Mittlerin und Miterlöserin sei.

Diesem verstiegenen Ansinnen ist seitdem kein Papst nachgekommen (woran sich aus theologischen Gründen auch in Zukunft nichts ändern wird), was mit dem kirchlich umstrittenen Titel „Miterlöserin“ zusammenhängt. Hingegen würde „Fürsprecherin“ dogmatisch keinerlei Probleme aufwerfen; der Ausdruck „Mittlerin“ wäre – je nach Auslegung – zumindest erklärungsbedürftig. (Einer unserer Artikel zur „Miterlöserin“ hier: https://charismatismus.wordpress.com/2012/02/11/papst-titel-miterloserin-fur-maria-verdunkelt-den-wesentlichen-vorrang-christi/)

Auf dem Amsterdamer „Gnadenbild“ sieht man die sog. „Frau aller Völker“, wie sie sich direkt vor das Kreuz stellt und damit Christus buchstäblich verdeckt; bekanntlich stand die echte Gottesmutter tapfer und treu u n t e r dem Kreuz unseres Erlösers.

Allerdings existierte in Wigratzbad seit Jahrzehnten eine seltsame Neigung zu eben jenen Erscheinungen der „Frau aller Völker“ (FaV). Schon in den 70er und 80er Jahren wurde unter Anleitung von Pater Johannes Schmid – der auch selber Visionen bzw. Privatoffenbarungen gehabt haben will – gerne eben jene Anrufung nach Rosenkränzen und Andachten gebetet, in welcher von der „Frau aller Völker, die einst Maria war“ die Rede ist.

Bekanntlich hat die Glaubenskongregation jenen Text korrigiert, so daß seitdem statt zur FaV zur „seligen Jungfrau Maria“ gebetet werden soll – doch manche hartnäckigen Anhänger von Amsterdam halten sich nicht an diese kirchliche Vorgabe. Bisweilen werden die gedruckten Gebetszettel sogar handschriftlich verschlimmbessert, was man auch hier im hohen Norden bei diversen Gebetsgruppen erleben kann. Abgesehen davon hat der Vatikan die Amsterdamer Privatoffenbarungen sowieso nie gebilligt.

Der internationale Leiter jener „Familie Mariens“, die demnächst in Wigratzbad das Sagen hat, ist nach wie vor Pater Paul Maria Sigl. Neuer Direktor der Gebetsstätte wird sein Mitbruder Pater Florian M. Kerschbaumer, der dabei von Ordensschwestern – ebenfalls aus der „Familie Mariens“ – unterstützt werden soll.

Besagte Gemeinschaft konzentriert sich zwar auf die Amsterdamer Erscheinungen, steht aber auch Medjugorje sehr nahe – und überdies dem charismatischen Seminarhaus St. Ulrich in Hochaltinge ebenfalls; dort haben die Patres Sigl und Kerschbaumer von der „Familie Mariens“ seit Jahren ihre Exerzitien durchgeführt.

Zudem gehört P. Kerschbaumer zur Anhängerschar der skurrilen „Liebesflammen“-Visionen aus Ungarn. Die italienische „Mystikerin“ Luisa Piccarreta mit ihren Privatoffenbarungen in 36 Bänden (!) steht bei der „Familie Mariens“ ebenfalls in hohen Ehren.

Dazu kommen die Auftritte Kerschbaumers im charismatischen Umfeld von Haus „Maria Trost“, wobei sich die Frage stellt, ob die Leitung dort noch bei Trost ist angesichts etlicher Enthusiasten wie z.B. Mija Barada unter den Referenten – oder auch die kirchlich nicht anerkannte Exerzitienleiterin Sr. Margarita Valappila (Bistum Fulda): https://www.gg-immanuel.de/events-mehr/

Damit schließt sich der Kreis bzw. die Umarmung zwischen Pseudo-Mystik einerseits und katholisch gestricktem Schwärmertum andererseits, eine kirchengeschichtlich neue Kombination, die vor allem durch Medjugorje und charismatische Heilungsprediger – die häufig aus Südindien (Kerala) stammen – immer weitere Kreise gezogen hat.

Als wäre all dies nicht schon bedenklich genug, stützt sich die vom Bischof künftig mit der Pilgerleitung beauftragte „Familie Mariens“ mit ihrem Kult um die Frau aller Völker ausgerechnet auf jene Erscheinungen, zu denen der Vatikan noch unlängst erneut seine eindeutige Distanz betont hat:



Missbrauch der Beichte: Was ich einst im Zimmer eines indischen Paters erlebte

Von Cordula Mohr

Es war im Oktober des Jahres 2005. Ich war eine Familienmutter mit drei Kindern, darunter ein Säugling.

Damals bewegte ich mich in der charismatischen Szene, die ich etwa ein Jahr später endgültig verlassen habe, worin mich Felizitas Küble bestärkte. Ich war hinterher froh, ein bodenständiges, nüchternes und trotzdem glaubensfrohes Christentum zu leben, was sich bis heute nicht geändert hat.

Als ich noch regelmäßig Medjugorje-Gruppen und die charismatische „Gemeinschaft der Seligpreisungen“ besuchte, erlebte  ich folgendes:

Eine erscheinungsbewegte Frau organisierte ein Pilgerbusfahrt nach Wigratzbad im Allgäu, das damals in dieser Szene sehr beliebt war (später kam eine neue Wallfahrtsleitung und dann war Schluss mit den „Schwärmerseminaren“).

Damals wollte ich einen jungen Bekannten besuchen, der Kandidat im Priesterseminar St. Petrus war und heimlich nach Medjugorje fuhr (sein Regens durfte das nicht wissen).

Die Pilger-Leiterin fragte erst eine „begnadete Seele“, ob es in Ordnung sei, daß ich mit zweien meiner Kinder nach Wigratzbad mitfahre. Erst als die „Seherin“ ihre Zustimmung gab, wurde mir das Einverständnis zur Mitfahrt übermittelt. Ich war damals in meiner schwärmerischen Naivität ganz „gerührt“ davon, dass ich von dieser „Begnadeten“ grünes Licht für eine Teilnahme erhalten habe. Heute lache ich natürlich darüber!

BILD: Cordula Mohr als Helferin an unserem Infostand beim Kongreß „Freude am Glauben“

Doch was ich dann im Wallfahrtsbetrieb von Wigratzbad (der aber nichts mit dem Priesterseminar St. Petrus zu tun hat) erlebt habe, verstört und erschüttert mich im Grunde noch heute:

Ein indischer Pater Paul M., der in einer westfälischen Stadt promovierte, war der geistliche Pilgervater von uns und fuhr im Bus mit. 

Er bekam dann in Wigratzbad ein Pilgerzimmer zugewiesen, das auch für Beichtgespräche verwendet wurde. Ich ging zu ihm zur Beichte, weil ich Rücksicht auf meinen Säugling und seine Schlafzeiten nehmen wollte und von daher nicht gut zu den fest ausgeschriebenen Terminen in der Kirche beichten konnte.

Ich war schon seltsam gestimmt, als mir beim Eintreten klar wurde, dass es sich um sein Schlafzimmer handelte. Zudem wurde der Geistliche immer aufdringlicher. Ich konnte es noch halbwegs einordnen, daß er das Rollo vom Fenster herunterließ und bezog dies auf die Privatsphäre der Beichte.

Ich hätte es auch noch verkraftet, wenn er meine auf dem Tisch liegende Hand kurz berührt hätte, aber er hat ständig an mir herumgefingert bis an den Oberarm herauf. Ich beschwerte mich und sagte, ich wolle das nicht und könne mich zudem unter diesen Umständen nicht auf die Beichte konzentrieren.

Er stellte sich dumm: „Nix verstehen – was sagst Du?“ 

Dann wollte er mich hinter sein Bett lotsen unter dem Vorwand, man wolle gemeinsam zum dortigen Kreuz hingehen. Aber auch dort wollte er mir immer näher kommen. Ich habe mir dann noch die Lossprechung geholt und bin ganz schnell aus dem Zimmer herausgelaufen.

Die restlichen drei Tage war ich in Wigratzbad innerlich völlig geschockt von diesem entsetzlichen Erlebnis, das mir nicht mehr aus dem Kopf ging. Mir wurde immer klarer, dass dieser Pater die Beichte für seine sexuellen Anwandlungen mißbraucht hat – und mich sowohl in geistlicher wie in menschlicher Hinsicht  beeinträchtigt hat.

Seitdem gehe ich nur noch in einen Beichtstuhl mit Gitter.

Als ich mich bei einer Bekannten über diese Erfahrung beschwerte, erklärte sie mir, das wisse sie, er habe auch sie angebaggert, doch sie meinte nur beschwichtigend: „So sind eben diese Inder!“

Von einem  befreundeter Klosterbruder, bei dem ich mich aussprach, erfuhr ich, er wisse von einer Frau aus Münster, daß diese dasselbe bei diesem Priester erlebt hat. 

Der Pater hat mich hinterher sogar noch angerufen und mich allen Ernstes nach Indien eingeladen. Er hatte die Liste der Teilnehmer und daher auch meine Telefonnummer. Ich habe natürlich sofort abgelehnt, zumal ich noch zuhause wochenlang unter einem inneren Schock stand.

Ich konnte kaum noch schlafen und hatte Probleme mit dem Beten. Das befremdliche Erlebnis konnte ich nicht einfach wegstecken.

Ich wandte mich einige Zeit später  – als ich schon aus der Charismatik raus war  –  an Felizitas Küble, die mir sagte, das sei ein Missbrauch der Beichte und man solle einen solchen Vorgang der kirchlichen Obrigkeit melden. Soviel sie wisse, werde man auch im Kirchenrecht dazu aufgefordert. Sie wolle aber noch mit einem promovierten Kirchenrechtler sprechen, den sie gut kenne –  und ihn um Rat fragen. Später sagte sie mir, dieser Priester habe empfohlen, den Vorgang beim Bischof anzuzeigen.

Ich sagte, ich sei bereit dazu, damit der indische Pater nicht weiter sein Unwesen treiben kann, ich würde aber noch etwas Zeit benötigen, um innerlich mit der schrecklichen Erfahrung klarzukommen.

Doch einige Wochen später erfuhr ich, dass dieser Pater sich auch bei einem Nonnenkloster in einer westfälischen Großstadt übergriffig verhalten habe, vor den Bischof von Münster bestellt worden sei und dann nach Indien zurückgeschickt wurde. Damit hatte sich eine Anzeige für mich erledigt, obwohl ich diese Art der „Problemlösung“ seitens der Bistumsleitung unzureichend finde. Meine seelische Verstörung war damit sowieso noch lange nicht beendet.


Pfingstlerische Erweckungs-Lehre widerspricht der Bibel und kirchl. Tradition

Pfr. Lochners Buch „Charismatische Erneuerung“ betreibt Endzeitschwärmerei

Unter der Leitung des (mittlerweile vom Augsburger Bischof Konrad Zdarsa versetzten) Pfr. Thomas Maria Rimmel konnten sich in der Allgäuer Gebetsstätte „Maria vom Sieg“ in Wigratzbad immer mehr charismatische Schriften und Exerzitien ausbreiten. 

Zudem betreibt Pfr. Rimmel gerne Reklame für die Bücher charismatischer Autoren und Seminarleiter in seiner Monatszeitschrift „Kirche heute“. Hierzu ein Beispiel aus der April-Ausgabe 2011, Seite 19:

Dort findet man eine begeisterte Ankündigung des Buches „Charismatische Erneuerung“ von Pfr. Hansmartin Lochner, der in Wigratzbad entsprechende Seminare leitete und Teilnehmern den „Hammersegen“ erteilte, so daß diese dann „im Geist ruhten“ (trance-artig rückwärtsfielen).

Pfr. Rimmel wirbt wie folgt für Pfr. H. Lochners Buch:

„Dieses engagierte Zeugnis öffnet die Augen für den dramatischen Umbruch, den die Kirche in unseren Tagen erlebt. Überzeugend stellt Lochner dar, wie Gott selbst, der die schwere Krise vorausgesehen hat, seit über 100 Jahren eine neue Ausgießung des Hl. Geistes vorbereitet.“

Aufschlußreich ist, daß hier von „seit über 100 Jahren“ die Rede ist, denn Anfang des 20. Jahrhunderts entstand im Protestantismus die schwärmerische Pfingstbewegung.

Davon distanzierten sich bibelgeprägte, nüchterne Evangelikale (Pietisten, Allianzleute, „Gemeinschaftsleute“ bzw. Gnadauer) in der „Berliner Erklärung“ von 1909. Dort wird der Pfingstlerszene wörtlich ein „Geist von unten“ vorgehalten.

Katholischerseits entstand Ende der 60er Jahre die charismatische „Gemeinde-Erneuerung“, die sich in der äußeren Form zurückhaltender gibt als die protestantische Pfingstlerbewegung,  was aber nur einen graduellen Unterschied ausmacht.

Diesen Enthusiasten ist über Konfessionsgrenzen hinweg eines gemeinsam: sie erwarten  –  siehe auch die Buch-Reklame von Pfr. Rimmel  –  eine weltweite Erweckung, eine kommende „Ausgießung des Heiligen Geistes“, ein „zweites Pfingsten“, mitunter auch „Spätregen“ genannt (das apostolische Pfingsten war demzufolge der „Frühregen“).

Solche Zukunftsvorstellungen sind aber unnüchtern und unbiblisch, denn das Neue Testament lehrt, daß dem Ende der Zeiten alles andere als eine weltweite Erweckung vorausgeht, sondern vielmehr ein allgemeiner Glaubensabfall:

„Wenn ich wiederkomme, werde ich noch Glauben finden auf Erden?“, fragt Christus  selbst (Luk 18,8)

Was den Menschen am Ende der Zeiten vor der Wiederkunft Christi blüht, ist kein christliches „Friedensreich“ bzw ein eben falsches: das des Antichristen nämlich:

Hierzu erklärt Paulus in 2 Thess 2,1 ff:
„Brüder wir schreiben euch über die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus! … Laßt euch nicht irreführen und nicht aus der Fassung bringen, wenn in einem prophetischen Wort… oder in einem Brief, der angeblich von uns stammt, behauptet wird, der Tag des Herrn sei schon da… Denn zuerst muß der Abfall kommen und der Widersacher, der Mensch der Gesetzlosigkeit, offenbar werden.   Jesus, der Herr, wird ihn durch den Hauch seines Mundes töten und durch seine Ankunft und Erscheinung vernichten…“

Ähnlich heißt es in 1 Tim 4,1, daß „in den letzten Zeiten einige vom Glauben abfallen und verführerischen Geistern und satanischen Lehren anhängen.“

Abfall vom Glauben setzt aber den Glauben voraus, also geht es hier nicht um die „gottlose“ Welt, sondern um den Abfall innerhalb der Christenheit!

Also von wegen „weltweite Erweckung“ und „Ausgießung des Heiligen Geistes“  – auch diese Charismatiker-Erwartung widerspricht der Heiligen Schrift!

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster


Alfons Sarrachs Buch über Antonie Rädler und die Visionen von Wigratzbad

Pressemeldung des Christoferuswerks vom 24.3.2011

Sieg der Vernunft über den „Sieg der Sühne“?

Ordinariat Augsburg verbietet Alfons Sarrachs Buch über Wigratzbad

Ein Dekret des bischöflichen Ordinariats Augsburg vom März 2011 schlug hohe Wellen im Blätterwald und in „marianischen“ Kreisen, hatte die kirchliche Amtsstube doch ein weiteres Erscheinen des Buches „Sieg der Sühne“ von Alfons Sarrach im Verlag „Kirche heute“ untersagt.

Darin geht es um die südbayerische Gebetsstätte „Maria vom Sieg“ in Wigratzbad (Allgäu), um ihre Entstehung und um „mystische“ Ereignisse, die mit der Gründerin Antonie Rädler und ihren Visionen verknüpft sind.

Ein solch amtliches „Bücherverbot“ fällt in der nachkonziliaren Kirche, die keinen „Index“ mehr kennt, stark aus dem Rahmen des Üblichen. Insofern erstaunt es wenig, wenn Sarrach-Anhänger in erscheinungsmarianischen Web-Portalen wie etwa „Kath.net“ darauf verweisen, daß das Augsburger Ordinariat  keine Verbote gegenüber fragwürdigen Werken modernistischer Theologen ausspreche; dadurch sieht man den Gleichheitsgrundsatz verletzt.

Freilich wundern sich auch weltliche Zeitungen über das Augsburger Dekret; so schreibt etwa die „Schwäbische Zeitung“ hierzu: „Das ist ein einzigartiger Vorgang. Üblicherweise beschränkt sich die Kirche auf die Warnung vor bedenklichen Schriften.“ – Wobei genau genommen auch dies eher selten geschieht.

Das bischöfliche Ordinariat begründet seine Verbotsverfügung damit, daß Sarrachs Deutung der Entstehungsgeschichte von Wigratzbad eine ungesunde Legendenbildung und Wundersucht fördere – und daß die Schrift überdies den Kritikern dieser Privatoffenbarung mit Unheil und Tod drohe: „Aus pastoraler Sicht ist äußerst bedenklich, dass Gegnern von Wigratzbad ein schlimmer Tod verheißen wird.“

„Viele Gläubige“ würden durch Sarrachs Schrift „verunsichert und in die Irre geführt“, erläuterte Pressesprecher Markus Kremser, zumal der Autor die Gründerin Antonie Rädler als Seherin vorstelle, „durch die der Himmel in die Weltgeschichte eingegriffen hat“. – In der schriftlichen Erklärung des Bistums wird darauf hingewiesen, daß Privatoffenbarungen – selbst dann, wenn sie kirchlich „anerkannt“ wären – niemals verpflichtender Inhalt des Glaubens sind. Dies gilt erst recht für Erscheinungen ohne kirchliche Approbation (Genehmigung).

Die Visionen der Antonie Rädler, von Autor Alfons Sarrach als „begnadete Charismatikerin“ bezeichnet, wurden nie amtlich anerkannt. Daher ist Wigratzbad zwar als diözesane „Gebetsstätte“ errichtet worden, aber nicht als Erscheinungsort bestätigt – im Unterschied etwa zu Lourdes, Fatima oder anderen anerkannten Privatoffenbarungen, die jedoch für katholische Gläubige ebenfalls nicht verbindlich sind, da eine kirchliche Anerkennung kein Gebot, sondern lediglich eine Erlaubnis darstellt, die es Katholiken freistellt, daran zu glauben (oder nicht) – es ist ihnen also „gestattet“.

Alfons Sarrach, ein laisierter Priester und Witwer (seine Frau verstarb 2009), verfaßte eine Reihe von Schriften, die sich begeistert für einige „Marienerscheinungen“ aussprechen, die von der Kirchenleitung strikt abgelehnt wurden (Heroldsbach) bzw. denen ausdrücklich die Anerkennung versagt wurde (Marpingen, Marienfried, Medjugorje). Im Fall von Wigratzbad bleibt die Frage der „Echtheit“ in der Schwebe, da nie eine kirchliche Untersuchungskommission eingerichtet wurde und somit kein amtliches Urteil vorliegt.

Bekannt ist freilich, daß die zuständigen Augsburger Bischöfe den Visionen der Antonie Rädler zunächst jahrzehntelang distanziert gegenüberstanden. Dies änderte sich erst mit Bischof Josef Stimpfle, der rein persönlich von der Glaubwürdigkeit der „Seherin“ und der von ihr berichteten „mystischen“ Ereignisse überzeugt war.

Bischof Stimpfle, der am 12. September 1963 sein Amt als Oberhirte von Augsburg antrat, sorgte dafür, daß die Wigratzbader Kapelle „Maria vom Sieg“   im selben Jahr für den öffentlichen Gottesdienst geöffnet wurde. Vorher waren in dem Kirchlein lediglich private Gebete und Andachten gestattet. Diese bischöfliche Erlaubnis war ein Entgegenkommen für die Anhänger von Wigratz, bedeutete aber keine amtliche Anerkennung der „Privatoffenbarungen“ von Antonie Rädler.

Alfons Sarrach beruft sich in seinem Buch „Sieg der Sühne“ auf den Wunsch des 1996 verstorbenen Bischofs Stimpfle, der ihn eindringlich darum gebeten habe, die Entstehungsgeschichte von Wigratzbad zu veröffentlichen. 2009 erschien sein Buch im Verlag „Kirche heute“, der von Wallfahrtsdirektor Dr. Thomas Maria Rimmel geleitet wird.

Wenn das bischöfliche Ordinariat sich nun gegen die Schrift „Sieg der Sühne“ wendet, beinhaltet dies nicht zwingend eine Ablehnung der Privatoffenbarungen von Antonie Rädler, da unklar ist, ob der zur Euphorie neigende Autor die bereits 1991 verstorbene „Seherin“ in allen Punkten richtig verstand und korrekt auslegte, zumal das Buch erst 18 Jahre nach ihrem Tod erschien.

Da Sarrachs Schrift weder Fußnoten enthält noch über eine Liste der verwendeten Literatur verfügt, fehlt auch die Möglichkeit, die Aussagen des Autors wissenschaftlich mit den Quellen zu vergleichen. Insofern berührt eine kritische Analyse des Sarrach-Buches nicht unbedingt die eigentlichen Vorgänge in und um Wigratzbad.

FRAGWÜRDIGE RACHE-MADONNA

Das Ordinariat Augsburg wirft dem Sarrach-Buch vor, daß es Kritikern der Wigratzbader Privatoffenbarung mit Unheil und Tod drohe.

Tatsächlich äußert sich der Verfasser teilweise auf eher makabre Weise, die einer solchen Auslegung durchaus Anhaltspunkte liefert – vor allem ab Seite 107:

Dort wird ausführlich geschildert, wie es dem Bürgermeister von Hergatz ergangen sei (der als Widersacher von Antonie Rädler vorgestellt wird): Dieser NS-hörige Bürgermeister sei – politisch bedingt – durch Befehl eines SS-Kommandanten aufgehängt und dann „verscharrt“ worden.

Danach heißt es auf S. 108 weiter:
„Übrigens haben die größten Feinde Antonies einen tragischen Tod gefunden. Zu ihnen gehörte auch der Kreisleiter der Partei aus Lindenberg. Er wurde von befreiten Polen aus dem Auto geholt, zu Tode getrampelt und unter die Erde gebracht.“

Auf S.67 wird von einer Marienvision berichtet, die eine Bekannte von Antonie Rädler erlebt haben will. Dabei soll die „Erscheinung“ gesagt haben: „Ich kann die zerschmettern, die gegen diese Sache sind.“ (Gemeint ist der Kapellenbau in Wigratz.)

Ähnlich heißt es auf S. 89 aus dem Munde der „Seherin“ Antonie selbst: „Maria kann alle zerschmettern, die ihr widerstehen.“ – Ob das Geist und Ausdrucksweise der wirklichen Gottesmutter ist? – Gewiß nicht, denn die Mutter des HERRN ist keine „Rache-Madonna“.

Derartige Ausführungen erwecken den Eindruck einer irrgeistigen „Frömmigkeit“, die sich mit dem christlichem Glauben und einer bodenständigen, biblisch orientieren Marienverehrung nicht vereinbaren läßt. Dabei kann die Ablehnung von Erscheinungen ohnehin kein Anlaß für eine „Strafe Gottes“ sein, zumal Privatoffenbarungen nicht verbindlich sind – noch dazu, wo es sich hier nicht einmal um kirchlich anerkannte Visionen handelt.

Als auffällig erweisen sich in Sarrachs Buch „Sieg der Sühne“ auch die zahlreiche Seitenhiebe gegen die „vorkonziliare“ Kirche. Selbstverständlich gab es auch vor dem 2. Vatikanischen Konzil eine Reihe Mißstände und Fehlentwicklungen in der Kirche – wie zu allen Zeiten.

Daß der Verfasser mit seinem „Miesreden“ der vorkonziliaren Kirche allerdings gehörig übertreibt, zeigt sich deutlich auf den Seiten 119 bis 124: Hier behauptet Sarrach, es habe für Antonie Rädler vor allem drei Hürden gegeben, weshalb ihren „Privatoffenbarungen“ von den Bischöfen in Augsburg jahrzehntelang die Anerkennung versagt geblieben sei:
1. weil sie eine Frau ist
2. weil sie dem Laienstand angehört
3. weil sie ein Charisma empfing.

Erst durch das 2. Vatikanum seien Frauen, Laien und Träger von Charismen ins wahre Licht gerückt worden etc. – Dies trifft freilich gerade hinsichtlich „Privatoffenbarungen“ durchaus nicht zu, wie kirchlich längst anerkannte Erscheinungen (z.B. Lourdes, Fatima, Banneux) zeigen, wobei die Betreffenden stets Laien, Empfänger von Charismen und in der Regel weiblichen Geschlechts waren – für die Kirchenleitungen stellte das nie ein Problem dar.

SAH SICH DIE „SEHERIN“ ALS „HIMMELSKÖNIGIN“…?

Manche der von Sarrach geschilderten „mystischen Erlebnisse“ der „Charismatikerin“ Antonie Rädler hinterlassen sehr wohl theologische Fragezeichen, wobei offen bleiben mag, ob der Autor ihre Visionen immer vollständig richtig wiedergibt.

So berichtet Sarrach auf S. 26 über Antonie Rädler, die eine relig. Traumvision erlebt hatte: „Das bewegte sie zu solch tiefer Reue, daß sie bereit war, viele Male ihr Leben hinzugeben, um die Sünden der Welt zu sühnen.“

Dies ist theologisch falsch: Wir Menschen könnten tausend Tode sterben, aber damit gewiß nicht „die Sünden der Welt sühnen“. – Um dies zu erlangen, genügte ein einziges Opfer, ein vollkommenes nämlich: das des Gottmenschen selbst, der am Kreuz ein immer gültiges, vollendetes Erlösungsopfer darbrachte für das Heil der Welt.

Freilich können Gläubige sich als „Mitarbeiter der Wahrheit“ erweisen (so lautete einst der bischöfliche Wahlspruch Ratzingers) – und sie sollen sich am Heilswirken Christi und der Kirche beteiligen. Doch das eigentliche Erlösungs- und Sühnewerk bleibt dem Gottmenschen Jesus Christus vorbehalten, denn „in seinem Namen ist das Heil – und es ist den Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den sie selig werden.“ (Apg. 4,12)

Auf S. 27 schildert Sarrach folgende Vision von Antonie Rädler:
„In der Nacht stand plötzlich die Gottesmutter vor ihr, legte ihr in überströmender Liebe die Hände aufs Haupt und sagte: „Nimm Deine Zuflucht allein zu mir. Komm und diene mir!“

Sollen wir unsere Zuflucht tatsächlich „allein“ zur Gottesmutter nehmen – und nicht auch und vor allem zum göttlichen Erlöser?

Sarrach betrachtet folgendes Ereignis als eine „mystische Vermählung“ der Seherin Antonie mit Christus (S. 29): er berichtet über ein visionäres „Christuserlebnis“ während einer hl. Messe in der Stadtpfarrkirche von Wangen:

„Ich sah mich auf einem Weg vorwärts schreiten. Plötzlich stand ein König vor mir in wunderbarem Licht und großer Majestät. Er legte mir die Hand aufs Haupt mit den Worten: „Sei mein! Ich will dich mir vermählen!“ und küßte mich auf die Stirn. – Erst dachte ich, ein irdischer König werbe um meine Hand. Plötzlich aber erkannte ich in ihm Jesus, den König der Könige.“

Die Vision setzt sich sodann folgendermaßen fort (S.30):
„Plötzlich stand der Heiland in unbeschreiblicher Schönheit vor mir, küßte mich mit den Worten auf die Stirn „Sei mein und bleibe mein!“. Dann führte er mich an seiner Seite in himmlische Regionen mit unzähligen mannshohen Lilien, wie ich sie auf Erden noch nie gesehen hatte. Eine unübersehbare Menschenmenge schloß sich uns an und sang in tausend Chören, von herrlicher Musik begleitet „Heil dem König und der Königin!“ – Wir nahten uns einem Schloß, dessen Tore sich uns öffneten. Der himmlische Vater winkte uns in überströmender Freude zu und hieß uns willkommen.“

Diese merkwürdige „Schauung“ wirft eine Menge theologischer Fragezeichen auf, sieht sich die „Seherin“ doch als eine Art Gemahlin Christi, gar als himmlische Königin, der die Heiligen zujubeln – und die der göttliche Erlöser selbst „an seiner Seite“ (!) durch himmlische Regionen geleitet – wobei „König und Königin“ von Gott-Vater empfangen werden, der sie in „überströmender Freude“ herbeiwinkt und willkommen heißt.

Zeigt sich hier nicht ein irrgeistiger Hochmut, eine verstiegene Anmaßung, die der wahren Demut und dem christlichem Realismus widerspricht?

Felizitas Küble, Vorsitzende des Christoferuswerks in Münster