Ist Kardinal Müller eine „störrische Brut“?

Von Felizitas Küble

Das kirchenamtliche Kölner Domradio ist seit vielen Jahren auf einem linksprogressiven Kurs. Das zeigte sich wieder einmal beim Wochenkommentar von Ingo Brüggenjürgen:  https://www.domradio.de/video/papst-heiratet-wuppertal-maria-20

Wenn der Chefredakteur des Papstes umstrittene Äußerung, Kardinal Müller habe gute Absichten, sei aber „wie ein Kind“, ganz toll findet („was für ein wunderbarer Satz“), so kann er das halten wie ein Dachdecker bzw. wie einen Blumenstrauß, also egal, ob so herum oder anders herum.

Doch danach wird es merkwürdig. Zunächst informiert Brüggenjürgen seine Hörer und Leser darüber, daß Müller einer der „mächtigsten Männer der Weltkirche war“ (was auch zutrifft) und zudem „als konservativer Hardliner gilt“ – und das läßt dann wohl Schlimmstes befürchten?

Genau!

Der Domradio-Chef lobt Franzisus, weil er Müller von seinem Posten als oberster Glaubenswächter „souverän abservierte“.  Was daran „souverän“ sein soll, einen theologisch hochkompetenten Gelehrten loszuwerden, nur weil er nicht völlig stromlinienförmig mitschwimmt, erschließt sich nicht ohne weiteres.

Doch für Brüggenjürgen ist der „verdiente große Kurienkardinal“ immer noch für „verrückte Schlagzeilen“ gut und gibt sich „stur und trotzköpfig“. Klar doch: Was bei linken Zeitgenossen Beweis für einen herrlich kritischen, unabhängigen Geist ist, das gerät bei Konservativen ins Zwielicht.

Noch einmal lobt er das Papst-Zitat („herrlich“) – und fügt dann hinzu:

„Der Papst als Papa, der seine störrische Brut nicht vom Hof jagt, sondern – nun ja – liebevoll den Spiegel vorhält.“

Ob es wirklich sonderlich „liebevoll“ ist, eine theologische Kapazität wie Müller öffentlich lächerlich machen zu wollen („wie ein Kind“), sei dahingestellt. Daß es aber unverfroren ist, den einstigen Chef der Glaubenskongregation nur seiner kritischen Gedanken wegen als „störrische Brut“ zu bezeichnen, liegt auf der Hand.

Ja, so sieht sie aus – die besondere „Toleranz“ der Reformkatholischen!


Schriftstellerin Cora Stephan kritisiert Medien und Politik in puncto Chemnitz

Die Krimi- und Buch-Autorin Cora Stephan gehörte einst zum rotgrünen Milieu, war Mitarbeiterin beim radikalen „Pflasterstrand“, später beim „Spiegel“. Im Laufe der Zeit vertrat sie aber zunehmend klassisch-liberale bis bürgerlich-konservative Positionen.

In der gegenwärtigen aufgeheizten Debatte um die Vorgänge in Chemnitz mahnt sie Vernunft und Besonnenheit an, warnt zudem vor Hysterie und voreiligen Schuldzuweisungen.

Ihr Gastbeitrag erschien unter dem Titel „Wie weiter nach Chemnitz“ am heutigen 2. September als „Wochenkommentar“ im NRD: https://www.ndr.de/info/sendungen/kommentare/Wie-weiter-nach-Chemnitz,chemnitz168.html

Darin heißt es z.B.: „Ist der Kampf gegen rechts wirklich das, was am wichtigsten ist in unserem Land? Dieses von Politik und Medien gepflegte Narrativ hat nicht erst seit Chemnitz Schaden genommen. Viele glauben längst, dass damit von anderem abgelenkt werden soll – insbesondere von den Kollateralschäden der deutschen Migrationspolitik.“

Die Autorin beklagt zudem: „Wo sonst geradezu penetrant zu „Besonnenheit“ aufgerufen wird, wusste man bei Chemnitz, einer Stadt in „Dunkeldeutschland“, in Windeseile Bescheid: Nicht das Niederstechen dreier Chemnitzer durch Zugewanderte war Thema empörungsbereiter Politiker und Journalisten, sondern die „Aufmärsche“ Rechtsradikaler, die Menschenjagd mit Pogromcharakter veranstaltet hätten.“

Zudem weist Stephan darauf hin, „das Gerücht, die Polizei habe die Kontrolle über die Geschehnisse in Chemnitz verloren, ist im Unterschied zu den G20-Krawallen in Hamburg 2017 für Chemnitz nicht zu belegen. Wird hier mit zweierlei Maß gemessen?“ 

Die Verfasserin kritisiert linke Aufrufe zur Gewalt: „Da wird schon mal getwittert: „Ich will Bomben auf Ostdeutschland.“ Oder: „Bomber Harris, hilf uns doch, Chemnitz gibt es immer noch.“ Oder gar: „Mauer um Sachsen, AfD rein, Dach drüber, Napalm und Tür zu.“

Auch die Asylpolitik der Kanzlerin sieht die Autorin skeptisch: „Die Einwanderung seit 2015 erfolgte überwiegend unkontrolliert – und vor allem ungeplant und unorganisiert. Die dafür nötigen Strukturen waren und sind nicht vorhanden, eine Überforderung der Sozialsysteme und des Rechtsstaats zeichnet sich längst ab.“

Abschließend schreibt sie, der unsachliche, einseitige Umgang mit der Causa Chemnitz „treibt die Spaltung in diesem Land voran“ – und fügt hinzu: „…womöglich sind es gerade die propaganda-erfahrenen Ostdeutschen, die darauf am empfindlichsten reagieren. Bei manchen Linken hat man langsam das Gefühl, sie nehmen den Ossis noch immer übel, dass sie ihre DDR nicht behalten wollten.“

 


Causa Limburg: Martin Lohmann würdigt die päpstliche Entscheidung

Dieser hier gekürzt dokumentierte „Wochenkommentar“ des katholischen Publizisten und K-TV-Chefredakteurs Martin Lohmann (siehe Foto) ist in Radio Horeb am morgigen Samstag, den 26. Oktober, um 12:15 Uhr vollständig zu hören:

Liebe Hörerinnen und Hörer,

kein anderes Thema hat im Blick auf die Kirche in den vergangenen Wochen so sehr die Gemüter bewegt wie der Fall Limburg. Jeder und jede hat mitdiskutiert, gewertet, sich empört und seine mehr oder weniger fairen oder barmherzigen Urteile gefällt   –  na ja, fast jeder. (…) PICT0101

Mitten in dieser Woche kam dann die für viele totale Überraschung aus Rom: Der Papst folgt der medialen Entrüstung und den gleich mitgelieferten Aburteilungen nicht und trifft eine kluge und weise Entscheidung. Ganz ruhig, ganz nüchtern, ganz klar:

Tebartz-van Elst wird nicht geköpft, sondern aus der Schusslinie geholt. Es werden Räume geöffnet, die eine ruhige Aufarbeitung und Klärung der Vorwürfe erlauben. Und das für manche buchstäblich geradezu Unerhörte: Franziskus, den man doch so wunderbar gegen den Limburger Bischof instrumentalisieren konnte, stellt sich hinter seinen Mitbruder aus deutschen Landen.

Und weil die Absetzung eben nicht stattfand, verkünden manche Medien trotzig vom Olymp ihrer Selbstgerechtigkeit sofort: Der Papst suspendiert den Limburger Bischof. Total falsch, aber es passt in die eigene und selbstbetriebene Dauerhetzgeschichte gegen einen ungeliebten Kirchenmann, der Fehler machte und der einfach nur weg sollte. (…)

Der Bischof, daran möchte ich keinen Zweifel lassen, muss zu seiner Verantwortung stehen. Er darf und kann seine Fehler, die zu benennen sind, nicht wegdrücken oder vernebeln. Alles andere wäre völlig unglaubwürdig. Und Glaubwürdigkeit wurde wahrlich mehr als genug beschädigt! In und von der Kirche. In und von den Medien. Und in und von den Herren des Domkapitels in Limburg, deren Spezialbegabung wohl darin besteht, anderen in den Rücken zu fallen. (…)

Foto: PRO

Foto: Medienmagazin PRO

Wie manche Mitbrüder und Mitschwestern mit anderen Mitbrüdern und Mitschwestern öffentlich umgehen, wie man zum Beispiel ungerührt einer regelrechten Menschenjagd und Verspottung eines Bischofs zusieht oder diese noch befeuert, gehört in eine mutige Gewissenserforschung und dann in den Beichtstuhl. Und da kommen wir zum nächsten Wort, der Frage nach der Verantwortung der Medien. (….)

Dass der Papst sich von solchen Kampagnen und den so deutlich vorgeschlagenen Maßnahmen gegen seinen bischöflichen Mitbruder nicht beeindrucken lässt, finde ich wunderbar. Und die Verunsicherung derer, die monatelang ihre eigenen Projektionen an diesen Pontifex wie an eine selbstgebaute Litfaßsäule klebten, um dann jetzt überrascht erkennen zu müssen, dass Franziskus sich die „Dreistigkeit“ erlaubt, sich und seiner katholischen Botschaft treu zu bleiben, ist mehr als bemerkenswert.

Beschämende Pressekonferenz des Domkapitels

Wer am vergangenen Mittwoch die Pressekonferenz der Domkapitulation, pardon, der Limburger Domkapitulare verfolgen konnte, der konnte Zeuge einer sehr aufschlussreichen und sicher unfreiwilligen Hintergrunderklärung für den Limburger Fall werden:

Sie fielen reihenweise ihrem Bischof und dem Papst in den Rücken. Sie dokumentierten Sauersein, dass der Bischof noch Bischof ist und ihre eigenen Spielchen offenbar keinen Erfolg hatten. In den Gesichtern zeigte sich Abscheu, aber sie waren spurenfrei gereinigt von Barmherzigkeit, Priesterlichkeit, Fairness und Friedfertigkeit. 

Und letztlich erwiesen sie ihrem Bischof, den sie doch mit so viel Energie über die Finanzen stolpern sehen wollten, einen wunderbaren Dienst. Denn jeder konnte sehen, wer wohl dort wie falsch gespielt hatte. Jeder konnte spüren, es ging nicht nur um Geld. Es ging und geht auch um ein Kirchenbild. Es geht um die Kirche von heute und morgen. Und nun war ihnen ihr Kronzeuge gegen den romtreuen Bischof, der Papst selbst, abhanden gekommen. Was für ein Drama!

Ein Freund postete mir: Ich hätte diese Pressekonferenz auch bei Tonausfall verstanden. Stimmt. Die Gesichter der Beleidigten, aber keineswegs souverän wirkenden Herren im Priesterrock oder Pullover über Holzfällerhemd wirkten auch ohne Worte  –  und sprachen eine erkennbare Sprache. Leider keine gute.

Fazit: In Limburg muss sehr viel Sumpf trockengelegt werden. Die Kirche muss viel tun für ihre Glaubwürdigkeit und braucht ehrliche Transparenz nicht nur in Finanzfragen.

Und schließlich das beste Fazit: Nicht die Medien und jene, die sie missbrauchen, entscheiden über einen Bischof, sondern letztlich der Papst. Und das soll auch so bleiben.

KRITIK am Limburger Domkapitel äußert zudem ein  –  auch sonst aufschlußreicher  –  Artikel der Tageszeitung DIE WELT: http://m.welt.de/print/die_welt/politik/article121240208/Grabenkaempfe-wegen-Tebartz-van-Elst.html

1379664_608386099224567_62236136_nQuelle für diese Wowereit-Karikatur: Facebook bzw. http://richelieussammelsurium.blogspot.de/2013/10/wann-trifft-es-endlich-auch-den.html


Heutiger Wochenkommentar von Martin Lohmann in Radio Horeb

Liebe Hörerinnen und Hörer,

heute bitte ich Sie ganz konkret um Ihr Gebet. Wofür? Für alle Teilnehmer des Marsches für das Leben, der exakt heute in einer Woche mit einer Kundgebung unmittelbar vor dem Kanzleramt in Berlin beginnt.

M. Lohmann

M. Lohmann

Sollten Sie keine Möglichkeit haben, bei diesem Zeugnis für das Leben selbst vor Ort zu sein, so bitte ich Sie sehr, unsere Demonstration mit viel Gebet zu begleiten. Ja, das Leben braucht viel Gebet. Der Einsatz für das Lebensrecht sowieso.

Jeder von uns benötigt Beter, also solche, die ihre Bitten und ihren Dank vor den himmlischen Vater tragen und um Segen bitten. Auf diese Weise kann eigentlich jeder von Ihnen aktiv dabei sein, wenn wir – genau einen Tag vor der Bundestagswahl – in der deutschen Hauptstadt dafür werben, dass es zur Kultur des Menschen gehört, unmissverständlich Ja zum Leben zu sagen.

Es gibt viel Unterstützung für diese Erkenntnis. Gottlob! Viele kirchliche und weltliche Würdenträger haben uns das bereits im Vorfeld bekundet. Dafür sind wir sehr dankbar. Das sage ich an dieser Stelle ausdrücklich auch als Vorsitzender des BVL, des Bundesverbandes Lebensrecht.

Und bevor ich es vergesse: Sollten Sie, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, noch zögern, dann rufe ich Ihnen zu: Zögern Sie nicht, sondern kommen Sie am nächsten Samstag nach Berlin. Helfen Sie uns, den Menschen guten Willens, dieses Zeichen für das Leben und gegen die Tötung von Menschen immer größer und unübersehbarer zu machen. Deutschland braucht uns und Sie!

Wir glauben fest, dass jeder Mensch ein Geschöpf Gottes ist, jeder Mensch liebenswürdig ist und jeder Mensch ein Recht auf Leben hat. Egal, wie jung er noch ist oder wie alt er schon ist. Egal, wie klug oder einfach er ist. Egal wie reich oder arm er ist. Egal, wie anerkannt oder unbekannt er ist. Egal, wie gesund oder krank er ist.

Um es ganz deutlich zu sagen: Das ist keine christliche Exklusiverkenntnis. Das ist nichts als menschlich, nichts als im tiefsten Sinne human. Und es ist sogar gesetzlich in Deutschland festgehalten. Denn der Artikel 1 des Grundgesetzes  –  Die Würde des Menschen ist unantastbar  –  bedeutet nicht, die Menschenwürde „soll“ unantastbar sein, sondern IST unantastbar.

Foto: BVL

Foto: BVL

Und ich übersetze dieses grundgesetzliche Gebot mit dem Satz: Jeder Mensch IST liebenswürdig, IST liebenswert! Nicht SOLL, sondern IST! Darum geht es am kommenden Samstag in Berlin.

Warum das so wichtig ist? Weil diese Wahrheit sowohl am Beginn des Lebens nicht mehr selbstverständlich ist wie am Ende. Vielfach ist die Ehrfurcht vor dem Leben verloren gegangen. Noch nicht geborene Menschen sind ebenso gefährdet wie alte und kranke Menschen. Und das bedeutet letztlich, dass wir alle gefährdet sind, wenn wir nicht aufpassen.

Wer am Lebensrecht herumschnibbelt, der zerstört es. Dann Gnade uns Gott!

Sagen wir ganz deutlich: Eine Gesellschaft, die den Lebensschutz verdrängt oder leugnet oder auch nur vergessen möchte, hört auf, eine menschliche und menschengerechte Gesellschaft zu sein!

Ich weiß: Wer so redet und denkt, ist für viele, die einfach nur panische Angst vor dem Leben und seiner Logik haben, ein böser Störenfried. Ja, dazu sind wir bereit: die grausame Friedhofsruhe einer Unkultur des Tötens zu stören. Nicht durch Lautstärke. Sondern durch Bekenntnis: Bekenntnis zum Leben.

Durch Aufmerksamkeit: Aufmerksamkeit für Gott. Durch Einsatz: Einsatz für den Menschen. Durch Hilfe: Hilfe für Mütter, Väter und Kinder. Durch Friedfertigkeit: Friedfertigkeit gegenüber Verzweifelten. Durch Geduld: Geduld trotz Hass und Gewalt. Durch Hinsehen: Hinsehen statt Wegducken und Weggucken.

Es ist kein Geheimnis, dass wir als Lebensschützer übel beschimpft und böse verleumdet werden von jenen, die Angst vor der eigenen Verantwortung haben – oder die noch nie in ihrem Leben belastbare und wirkliche Liebe erfahren haben. Das ist traurig und tragisch zugleich.

Es gab schon viel psychische und physische Gewalt gegen uns. Ja, vor einigen Jahren wurde mir sogar eine brennende Bibel, also die Heilige Schrift, das Wort Gottes, vor die Füße geworfen. Medien waren zugegen, doch niemand wollte darüber berichten. Aus Feigheit? Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur: Es ist kein gutes Zeichen, wenn Gewalt gegen Christen und das Verbrennen der Heiligen Schrift keine Nachricht mehr wert sind. Noch einmal: Unser friedvoller und toleranter Protest gegen die Tötung von Menschen provoziert jene, die genau die wirkliche Humanität nicht wollen.

Und so gibt es im Vorfeld des „Marsches für das Leben“ am 21. September 2013 jetzt ein Berliner sogenanntes Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung. Den Teilnehmern des Marsches wird einfach mal so und fernab der Wahrheit – ich zitiere – „ein reaktionäres, christlich-fundamentalistisches Weltbild“ unterstellt, „in dem der Schwangerschaftsabbruch als eine „vorgeburtliche Kindstötung“ dargestellt wird“.   nodstartbild_program_13_14

Ja, ja, Sie haben richtig gehört: Wenn man einfach beschreibt, was eine Abtreibung ist, nämlich eine Tötung eines noch nicht geborenen Menschen, dann ist man in den Augen derer, die lieber töten als schützen, reaktionär und fundamentalistisch. Und daher fordern diese Leute dann das Recht auf Tötung.

Ehrlich gesagt: Ein Christ, der das Gebot Gottes „Du sollst nicht töten“ ernst nimmt, ist alles andere als ein Reaktionär. Er ist Bote der Avantgarde einer humanen Welt, der Nein sagt zur reaktionären und verantwortungsleugnenden Diktatur fundamentalistischer Lebensgegner, die offenbar bereit sind, jedes Leben dem eigenen Egoismus der Lust zu opfern. DAS ist fundamentalistisch! DAS ist reaktionär!

Der Versuch, die Freunde des Lebens in eine bestimmte Ecke drängen zu wollen, ist perfide. Er wird aber nicht erfolgreich sein, jedenfalls nicht bei denen, die ihren eigenen Verstand noch zu nutzen verstehen und sich der Freiheit verpflichtet wissen.

Einige Mitbürger haben heute offensichtlich noch immer nicht begriffen, dass wir in einem Rechtsstaat auf der Grundlage von Menschenwürde, Freiheit und Gerechtigkeit und mit Toleranz und Meinungsfreiheit leben. Wer einer schwangeren Frau eine Abtreibung als einen angeblich legalen folgen- und problemlosen Abbruch einer Schwangerschaft „verkauft“, nimmt weder sie in ihrer Würde als Frau noch die Menschenwürde des ungeborenen Kindes wirklich ernst.

Menschliches Leben beginnt nicht erst mit der Geburt, sondern mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle. So stellt das Bundesverfassungsgericht fest: Wo menschliches Leben existiert, kommt ihm Menschenwürde zu. Es ist nicht entscheidend, ob der Träger sich dieser Würde bewusst ist und sie selbst zu wahren weiß. Die von Anfang an in der menschlichen Existenz bestehende Einzigartigkeit jeder Person, auch schon in den ersten Monaten, genügt, um dessen Menschenwürde zu begründen und zu achten.  images

Eine Gruppierung, die in eklatanter Weise die Freiheit der Mutter zu Kindern in eine Freiheit von Kindern pervertiert und dabei die Würde des ungeborenen Lebens ganz ausklammert, missachtet den Fundamentalgrundsatz unserer Verfassung, die Menschenwürde. Gerade in einer Gesellschaft, die ihre christlich-jüdische Tradition zunehmend vergisst, erscheint es mir mehr als gefährlich, wenn die Stärkeren den schwächsten und „unerwünschten“ Menschen am Beginn oder Ende ihres Lebens die Menschenwürde absprechen.

Der Artikel 1 des Grundgesetzes heißt in der Übersetzung eigentlich wirklich nichts anderes als: Jeder Mensch ist liebenswürdig, egal in welchem Alter. Und genau das umzusetzen ist gelebte Freiheit!

Und weil nicht selten die Männer, die ihren Spaß hatten und als Väter vor der Verantwortung fliehen, die treibende Kraft gegen das Leben sind, sage ich hier auch ganz deutlich: Nur starke Männer sagen Ja zum Kind! Nur coole Männer sind FÜR das Leben. Feige Typen fliehen vor der Verantwortung. Nur wer Ja zum Leben sagt, ist ein wirklich freier Mensch. Jeder hat ein Recht, geliebt zu sein – egal wie alt, egal wie jung.

Und auch dies: Wir wollen keinen Suizid auf Wunsch, keinen verordneten oder vorgeschriebenen Selbstmord im Alter oder bei Krankheit. Gnadentod? Nein Danke. Nie wieder! Und ganz wichtig: Behinderung darf niemals ein Todesurteil sein! Und jeder Test wie etwa der Pränatest, der zum Töten führt, muss tabu sein. Ungeborene Menschen sind keine Rohstoffe! Stoppt das Riesengeschäft mit getöteten Ungeborenen!

Sie hören und sehen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer: Es ist wirklich Zeit, wach zu werden und andere aufzuwecken. Die Politiker zum Beispiel, die sich noch nicht trauen, Politik für das Leben aller Menschen zu machen. WIR machen das in Berlin, einen Tag vor der Bundestagswahl, ohne Geschrei, ohne Gewalt, sehr friedfertig und sehr logisch. Wir machen das mit Herz und Verstand. Wir werben für das Leben. Machen Sie bitte mit! Danke.

In Gottes Namen für das Leben. Mit allen Menschen guten Willens. In diesem Sinne: Eine gesegnete, eine starke Zeit!   

Martin Lohmann, Journalist, Theologe und Historiker, arbeitet als Chefredakteur beim kath. Fernsehsender K-TV und ist ehrenamtlich Vorsitzender des Bundesverbandes Lebensrecht (BVL).


Martin Lohmann über das „süße Gift des Relativismus“

Heutiger Wochenkommentar Lohmanns in „Radio Horeb“ 

Liebe Hörerinnen und Hörer,

heute hätte ich Ihnen eigentlich gleich mehrere Wochenkommentare anzubieten. Denn: Die Themenlage ich so bunt. Über die Qual der Wahl für überzeugte Christen in genau vier Wochen könnten wir reden  –  und feststellen, dass es recht schwierig geworden ist, hier richtig zu entscheiden. 

M. Lohmann

M. Lohmann

Das „C“ im Parteinamen garantiert längst nicht mehr ein christliches Profil. Aber ich wette, zu diesem Thema haben wir noch viele Gelegenheiten. Klar, ich könnte auch noch einmal deutlich hinweisen auf den Marsch für das Leben, zu dem wir uns genau heute in vier Wochen in Berlin treffen werden, also einen Tag vor der Bundestagswahl, um ein beeindruckendes Zeugnis aller Generationen für das Leben zu geben.

Ich freue mich schon, möglichst viele von Ihnen mittags vor dem Kanzleramt begrüßen zu können. Am 21. September!

Aufgreifen will ich aber etwas anderes, wozu mich das Vatican-Magazin gebracht hat. Dort bin ich in einem Beitrag der Frage nachgegangen, wie sehr uns die Diktatur des Relativismus allenthalben schon im Griff haben will. Wer aufmerksam ist, wird deren Spuren überall entdecken können.

Ich lade Sie also ein, mit mir auf eine konkrete Spurensuche zu gehen. Unter dem Titel: Feigheit fressen Freiheit auf.

Das süße Gift des Relativismus ist tiefer eingedrungen als vermutet. Wer genau hinschaut, muss erkennen: Es herrschen perfide Wahrheitsphobie und Intoleranz im Namen einer entleerten Aufklärung und einer missbrauchten Gleichberechtigung.

Auch Christen sind vom mentalen Anti-Immun-Virus infiziert. Und im Ergebnis haben wir eine perfide moderne Christenverfolgung und die Zerstörung des christlichen Menschenbildes.

„Diktatur: Angst vor der Wahrheit“

Ach ja: Woran erkennt man eine Diktatur? Da gibt es viele Hinweise. Und eigentlich ist es ziemlich einfach. Denn in Diktaturen herrschen Angst vor der Wahrheit, Angst vor der Freiheit, Angst vor Toleranz, Angst vor Respekt, Angst vor der Menschenwürde, Angst vor Ehrlichkeit, Angst vor Diskussionen, Angst vor Meinungs- und Redefreiheit.

Weil Unfreiheit, Unsicherheit, Komplexbeladenheit und tief sitzende Selbstzweifel subcutan vorherrschen, müssen sie geradezu zwanghaft verborgen und geleugnet werden. Der Schutz für diese Neurose, die letztlich eine Phobie vor dem Menschen und seiner Berufung zu Freiheit und Verantwortung ist, besteht in der Aggression gegen alles, was eben mit Freiheit, Verantwortung und  –  sprechen wir es mutig und gelassen aus  –  mit Schöpfungsordnung zu tun hat. Diktaturen sind also letztlich angstbesessene Angstmacher.

Ob Benedikt XVI. genau das gemeint hat, als er vor und während seines Pontifikats von der Diktatur des Relativismus sprach und vor ihren Auswirkungen warnte? Ob er bereits ahnte, dass selbst die Ökumene zwischen Katholiken und Evangelischen schon bald Opfer dieser Diktatur werden könne?

„Die Ökumene scheint schwieriger zu werden“

Denn sicher ist: Die Sache mit der Ökumene scheint schwieriger zu werden. Während sich manche auf das Gedenken der Spaltung vorbereiten, einige gar davon träumen, daraus ein Jubiläum zu machen, werden wichtige Wegstrecken dorthin offenbar sehenden Auges kräftig verbaut.  Die so genannte Orientierungshilfe der Evangelischen Kirche zu Fragen der Ehe  –  oder sollte man sagen: das Desorientierungspapier  –  ist ein betrüblicher Beweis für einen höchst bedenklichen Zustand bestimmter Teilchristentümer in der Mitte Europas.

Was da als neues Familienbild verkündet wurde, ist der Abschied von der Schöpfungsordnung, von Jesus Christus, von der Schrift und letztlich von einer ernstzunehmenden Ökumene, in der sich verschiedene Konfessionen eigentlich darum zu bemühen haben, in Treue zur Wahrheit des Gottessohnes diesem immer näher zu kommen – und somit einander.

Die im „Familienpapier“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vollzogene Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit der richtigen Ehe von einem Mann mit einer Frau ist eine skandalöse Verbeugung vor einer kleinen, aber offenbar angsteinflößenden Gruppe von Menschen, die eine bestimmte sexuelle Neigung zum Alleindeutungsmerkmal ihrer selbst intolerant und unter Zerstörung klarer Denkstrukturen einfordern. Und die jeden diskriminierend der Intoleranz oder Diskriminierung bezichtigen, der sich noch wagt, hier Kritik zu üben.

Schöpfungsplan: Ehe zwischen Mann und Frau

Eine Verbeugung vor dem Gottessohn Jesus Christus, der eindeutig und konsequent auf den Schöpfungsplan des Vaters hinwies, als er die unauflösliche Ehe zwischen Mann und Frau verbindlich erklärte, ist das „Familienpapier“ der EKD wahrlich nicht. Eher schon ein despektierlicher Fußtritt. 120505209_B_July und Mike

Es gibt  –  leider bis in die Kirchen hinein  –  inzwischen viel Verleugnung, Verleumdung, Aggression, Einschüchterung gegen Toleranz, Anstand, Freiheit und Achtung. Und all das hat auch mit der Psychologie des antireligiösen Affektes zu tun, der gleichsam das Schmieröl für die Diktatur des Relativismus ist. Und mit einem gekränkten Narzissmus des modernen Menschen und seinem allzu brüchigen Selbstwertgefühl der Gottlosigkeit.

Offenbar fühlen sich solche Menschen regelrecht bedroht von Menschen, die sich darum bemühen, aus ihrem Glauben heraus zu leben und andere zu tolerieren.

Also Vorsicht, liebe Hörerinnen und Hörer: Sie und ich sind für manche im Grunde genommen schwache und ängstliche Menschen eine Bedrohung, weil wir an Gott glauben und versuchen, uns nach ihm auszurichten, Seine Wahrheit in die Welt zu tragen.

 Es gibt tatsächlich viel irrationale Aggression gegen Religion und vor allem Menschen, die anderen, schwachen Gestalten offenbar schon ein Dorn im Auge sind, wenn sie aus ihrem Glauben heraus eine gewisse Verlässlichkeit und Stabilität wie auch ein verankertes Selbstwertgefühl zu zeigen in der Lage sind.

Neid auf religiös gefestigte Menschen? Geradezu pubertierende Eifersucht auf jene, die zu zeigen bereit sind, dass ein Leben aus dem Glauben möglich ist? Dass Vertrauen auf und in Gott wirklich lebbar ist?

„Es gibt die Kains auch heute noch“

Kain hat genau deshalb Abel erschlagen. Die Wirklichkeit, die wir erleben, ist uralt und seit Urzeiten wahr. Und es gibt diese Kains auch heute noch. Und sie finden Mitläufer. Überall. Auch in den Kirchen. Leider.

Entstanden ist ein System der Angst – vor Klarheit und Wahrheit in dem vorpubertärem Empfinden, auf jeden Fall politisch korrekt sein zu müssen  –  was immer das auch sei. Wer sich mutig kritisch äußert, läuft sofort Gefahr, in der Diktatur der Verwirrung und geistigen Entwurzelung in eine Ecke gedrängt zu werden.

Diskriminierung, Intoleranz, Rufmord. Das sind die Mittel dieser wie jeder echten Diktatur. Dazu gehört auch die tatsächliche Zerstörung der Ehe als Ehe  –  durch Entwertung, weil man nicht Vergleichbares vergleicht und somit einzigartig Kostbares beschädigt.

Da ist es dann nur noch folgerichtig, dass alles, aber auch wirklich alles dieser altneuen Ideologie und Diktatur geopfert wird und sich selbst Kirchenleute nicht mehr trauen, etwa in der Frage des Adoptionsrechtes gleichgeschlechtlicher Paare einmal nach dem Kindeswohl zu fragen. Denn dieses braucht, das wissen wir nicht erst seit den leider allzu berechtigten Warnungen von Christa Meves, Vater und Mutter. Am besten Originalvater und Originalmutter in einer Original- und Erstfamilie!  

Und die Kritiker? Sie werden kräftig verleumdet, man nimmt ihnen Lehraufträge unter dem Hinweis auf angebliche Empörungsdebatten, die man freilich selbst inszeniert unter Studenten, unterstellt ihnen Homophobie, die dann auch jeder vorsichtshalber einmal glaubt, um nicht selbst ins Kreuzfeuer zu geraten.

Die Klarheit der Offenbarung Gottes

Also noch einmal: Es passiert all das, was eine Diktatur beherrscht: Rufmord, Verleumdung, Unterstellungen, Fälschungen und Hass. Diejenigen, die selbst als Wahrheitsphobe eine geradezu panische Angst vor allem haben, das mit Gott und der von ihm geoffenbarten Klarheit zu hat, können nicht anders, als mit Lug und Trug zu hantieren. Sämtliche Instrumente, die der Satan da bereithält, scheinen willkommen.

Da hilft dann wenn überhaupt nur mittelfristig die christliche Erkenntnis, dass der Diabolos auch aus tausend Lügen keine Wahrheit zimmern kann. Was, wenn allzu viele von den Mitläufern und Angsthasen der Diktatur des Relativismus  bereitwillig rückgradlos glauben, was ihnen da geschickt und angstmachend diktiert wird!?

Aber: Aus der Geschichte wissen wir, dass Diktaturen irgendwann zusammenbrechen. Angst ist niemals stabil. Der Geist will letztlich Freiheit und sehnt sich nach Wahrheit.

„Christen sind Apostel der Wahrheit“

Christen sind berufen, freiheitsliebende Apostel der Wahrheit zu sein. Unterschiede zu erkennen und zu benennen, ist keine Diskriminierung. Aber gelebte Toleranz! Angstfrei. In Respekt. Die Diktatur des Relativismus, der manche dünnen „Familienpapiere“ ergebendst dienen, ist nichts Christliches. Die mutige Liebe zu Christus und seiner Botschaft und dem in Freiheit verankerten christlichen Menschenbild hingegen sehr wohl.

Denn christlich ist nicht, Freiheit von der Feigheit auffressen zu lassen. Christlich ist: Freiheit frisst Feigheit. Komplett. Es gilt, was schon früher galt: Et si omnes, ego non. Und wenn es alle machen – ich nicht!

Gut, dass es Radio Horeb und das katholische Fernsehen K-TV gibt! Wir helfen gerne bei der Orientierung, auf die Diktatur nicht hereinzufallen und stark zu werden gegen Lug und Trug.

In diesem Sinne: Eine gesegnete, eine starke Zeit!