Ostpreußische „Wolfskinder“ sollen endlich symbolische Wiedergutmachung erhalten

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) begrüßt es, dass ostpreußische Wolfskinder jetzt die Chance auf eine symbolische Wiedergutmachung erhalten sollen.

„Das ist seit langem überfällig“, erklärte die Menschenrechtsorganisation am gestrigen Dienstag in Göttingen:

„Die Überlebenden der Hungerkatastrophe in Ostpreußen 1945 bis 1947 ringen seit Jahrzehnten um ideelle und politische Anerkennung ihres schweren Schicksals. Als deutsche Kinder sind sie durch alle Raster bislang beschlossener Entschädigungsgesetze gefallen. Das war eine sehr bittere Erfahrung für diese Menschen, die sich in der Nachkriegszeit in sowjetischen Kinderhäusern wiederfanden oder sich ganz allein und dem Hungertod nahe aus Ostpreußen nach Litauen durchschlagen mussten, wo sie von fremden Familien oft als willkommene Arbeitskraft aufgenommen wurden.“

Viele Wolfskinder hatten nach der Eroberung Königsbergs durch die Rote Armee 1945 ihre Eltern durch Mord, Vergewaltigung und Verschleppung verloren. Mehr als 100.000 Menschen starben an Seuchen oder verhungerten.

Wie der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk, der GfbV jetzt mitteilte, sollen die Wolfskinder und ehemaligen Kinderhausinsassen auf Empfehlung des im Bundesinnenministerium angesiedelten „Beirates zur Anerkennungsleistung an ehemalige deutsche Zwangsarbeiter“ bis Ende 2017 beim Bundesverwaltungsamt einen Antrag auf Entschädigung stellen können.

Darin müssen sie nachweisen, dass sie Zwangsarbeit leisten mussten. Die GfbV hatte dem Beirat eine aktuelle wissenschaftliche Stellungnahme des Historikers Christopher Spatz vorgelegt. Darin wird der Nachweis geführt, dass viele Wolfskinder zur Arbeit gezwungen wurden. So mussten sie auf Sowchosen mitarbeiten, Leichen beseitigen oder für die Besatzungsmacht aus Häusern und Wohnungen systematisch alle noch brauchbaren Gegenstände holen.

Die GfbV setzt sich seit Jahren für eine Entschädigung der Wolfskinder ein und appelliert an die Verwaltungsbehörden, ihren Prüfungsspielraum großzügig auszuschöpfen.

In Litauen leben noch rund 55 Wolfskinder, für die sich auch der baden-württembergische Honorarkonsul für Litauen, Wolfgang Freiherr von Stetten, schon lange engagiert. In Deutschland gibt es noch einige hundert einschließlich der ehemaligen Kinderhausinsassen.

In einem 86-seitigen Report hat die GfbV viele Wolfskinder-Schicksale sowie die bisher ablehnenden Reaktionen der Politik auf Bitten um Entschädigung dokumentiert. Im April 2017 hatte die Menschenrechtsorganisation einen Appell an die Bundesregierung gerichtet, den Betroffenen wenigstens eine symbolische Wiedergutmachung zu gewähren. Dieser Appell wurde bisher unterzeichnet von:

Tatiana Friesen (Übersetzerin) und Walther Friesen (Buchautor), Ulla Lachauer (Dokumentarfilmerin und Autorin), Vytautas Landsbergis (erstes Staatsoberhaupt Litauens nach Erlangung der Unabhängigkeit 1991), Wolf von Lojewski (Fernsehjournalist und Nachrichtenredakteur), Joachim Mähnert (Direktor des Ostpreußischen Landesmuseums), Uwe Neumärker (Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas), Alexander von Plato (Philosoph und Historiker), Romani Rose (Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma), Wolfgang Freiherr von Stetten (Honorarkonsul Litauens), Rainer Schulze (Historiker), Günter F. Toepfer (Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin a.D.) , Martin Walser (Schriftsteller) und Tilman Zülch (GfbV-Gründer). Das Anliegen der GfbV wird auch von Bundespräsident a.D. Christian Wulff unterstützt.

Quelle: https://www.gfbv.de/de/news/seit-langem-ueberfaelligostpreussische-wolfskinder-erhalten-chance-auf-symbolische-wiedergutmachung-8686/


Ostpreußen: WOLFSKINDER auf der Flucht im Kampf ums nackte Überleben

Spannender, bewegender Spielfilm startet heute

Am heutigen Donnerstag, den 28. August 2014, kommt ein historisches Epos erstmals deutschlandweit in die Kinos:

Der deutsche Spielfilm mit dem Titel „WOLFSKINDER“ erzählt die dramatische Geschichte von Jungen und Mädchen in Ostpreußen, die durch die millionenfache Vertreibung ihre Eltern, ihre Heimat, Freunde und Verwandte und praktisch alles verloren haben, was zur Kindheit gehört. cover_wolfskinder

Mit eindrücklichen Panoramabildern und Naturaufnahmen begleitet Regisseur Rick Ostermann das Schicksal dieser Kinder, die nach 1945 zu tausenden in den Wäldern Ostpreußens und des benachbarten Litauens um ihr Überleben kämpften.

Was diese sog. „Wolfskinder“ dabei erleben, ist mit Worten kaum zu beschreiben, aber unglaublich bewegend von den jungen Darstellern gespielt.

Hans ist 14, Fritz erst 9 Jahre alt, als ihre Mutter vor Hunger stirbt. Bei der Flucht sind sie von nun an auf sich allein gestellt; vor allem auf dem älteren Hans lastet eine schwere Verantwortung. Dann verliert er in einer chaotischen Situation auch noch Fritzchen aus den Augen und macht sich fortan auf die Suche nach seinem Bruder.

Dabei wird er mit Mord und Vergewaltigung konfrontiert, leidet unter Hunger und muß für sein Überleben auch töten. Ein Hund, der ihn und andere Kinder auf der Flucht bedroht, wird kurzerhand erschlagen.

Der Kinostreifen erinnert zugleich an Millionen Kinder, die heute unschuldige Opfer von Kriegen und Vertreibungen sind.

Der Film, der laut ARD-Kulturmagazin ttt „unter die Haut geht“, feierte seine Weltpremiere auf dem jüngsten Filmfestival in Venedig, wurde im Juli mit dem Friedenspreis des Deutschen Films ausgezeichnet und ist in der Auswahl für den deutschen Beitrag zur nächsten OSCAR-Verleihung 2015.

Das bislang in der Öffentlichkeit kaum bekannte Thema der Wolfskinder soll u.a. im geplanten Dokumentationszentrum der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung behandelt werden, welche die Filmemacher bei ihrem Kinostart unterstützt.

Start-Kinos der nächsten Tage:ansicht-10

29. August, 19 Uhr: Frankfurt am Main: Orfeo´s Erben
30. August, 19 Uhr: Mannheim: Cineplex
31. August, 18 Uhr: Darmstadt: Rex Kino
2. September, 19.15 Uhr: Düsseldorf: Metropol

Weitere Infos, den Trailer und Fotos (wie dieses Bild der zwei „Wolfskinder“) finden Sie unter www.wolfskinder-derfilm.de

Quelle: Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung
Mauerstraße 83/84 in 10117 Berlin
 
HINWEIS: Zukünftig ist der 20. Juli deutschlandweit ein nationaler Gedenktag für die deutschen Heimatvertriebenen. Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2014/08/30/nationaler-gedenktag-an-flucht-und-vertreibung-starkt-erinnerungskultur/

Deutsches Kulturerbe und deutsche Volksgruppe im Baltikum weiterhin präsent

Estland, Lettland und Litauen wollen Kulturaustausch mit Deutschland verstärken

Eine Delegation der CDU/CSU-Bundestagsfraktion bereiste kürzlich alle drei baltischen Staaten mit den Schwerpunktthemen ethnische Minderheiten und deutsches Kulturerbe.

Dazu erklärt der Vorsitzende der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Klaus Brähmig, in einer Pressemitteilung:

„Im Baltikum existiert nach wie vor eine kleine, aber sehr aktive deutsche Minderheit, die zudem gut integriert ist. In Estland leben noch 1900 Menschen mit deutschen Wurzeln, in Lettland 4000 und in Litauen 2100, davon knapp 80 sog. „Wolfskinder“. 90-1140%20Das%20Denkmal%20fuer%20die%20Wolfskinder%20in%20Litauen

FOTO: Denkmal in Litauen für die deutschen „Wolfskinder“ (die in Wäldern Zuflucht suchten, um zu überleben)

So stellt etwa das Hermann-Suderman-Gymnasium im einstigen Memelgebiet, heute litauisch Klaipeda, ein Leuchtturmprojekt dar, das vom deutschen Kulturverein betrieben wird. Die Nachfrage übersteigt das Angebot der zweisprachigen Einrichtung mit derzeit 550 Schulplätzen bei weitem. Daher sprach sich die Delegation beim litauischen Vizekulturminister Edvard Trusevic dafür aus, einen dritten Deutschzug einzurichten.

Auch das deutsche Kulturerbe ist in allen drei baltischen Ländern präsent und wird gepflegt. Etwa das im 2. Weltkrieg zerstörte Schwarzhäupterhaus in Riga wurde nach der 1991 wieder erlangten Unabhängigkeit Lettlands originalgetreu rekonstruiert. Oder das Stadtarchiv im früheren Reval, heute estnisch Tallinn, das sich in vorbildlicher Weise dem Erhalt wertvoller Dokumente wie Briefe Martin Luthers oder lübischer Urkunden annimmt.

Baltikum: wichtige Brücke nach Rußland

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion unterstützt den von hochrangigen Gesprächspartnern geäußerten Wunsch, den Kulturaustausch mit Deutschland zu verstärken, da die baltischen Staaten historisch eng mit Deutschland verknüpft und eine wichtige Brücke nach Skandinavien und Russland sind. Zudem genießt die Bundeskanzlerin vor Ort ein hohes Ansehen.

Von den tausenden sog. Wolfskindern, die am Ende des 2. Weltkrieges ihre Eltern in Ostpreußen verloren und in den Wäldern Litauens Zuflucht gesucht haben, leben noch knapp 80 und erhalten vom litauischen Staat eine kleine Zusatzrente.

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion setzt sich dafür ein, dass das noch immer zu wenig bekannte Schicksal der Wolfskinder auch in der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung angemessen behandelt wird.“

Wohl noch in diesem Jahr startet ein Wolfskinder-Spielfilm im Kino: http://www.filmstarts.de/kritiken/217479.html