Vom religiösen Unfug der „Teufelspredigten“

Von Felizitas Küble

Seit rund 200 Jahren schon geistert (!) eine sogenannte Teufelspredigt im katholischen Volke herum, die in Büchern und Broschüren vielfach verbreitet wird. Auch in erscheinungsbewegten und wundersüchtigen Webseiten wie Gloria-TV oder „Zeugen der Wahrheit“ darf diese angebliche Ansprache aus der Finsternis nicht fehlen.

Ob in Büchlein des Ruhland-Verlags aus Altötting oder in einer „Gemeinschaft aktiver Katholiken“ aus Stettfeld – erst recht in den zahlreichen Biographien des Niklaus Wolf von Rippertschwand – für den übrigens im Vatikan ein Seligsprechungsverfahren läuft – fast überall taucht diese „Teufelspredigt“ auf.

Der katholische Bauer, Politiker, Exorzist und „Heiler“ Niklaus Wolf von Rippertschwand wirkte vor rund 200 Jahren im Kanton Luzern. Obwohl kein Priester, sondern Laie, betrieb er häufig Teufelsaustreibungen und Krankenheilungen „im Namen Jesu„, was ihm große Bekanntheit im Volk verschaffte.

Kirchlicherseits war die Meinung über ihn nicht einheitlich. Wenn er in seinem „Eifer“ von Bischöfen zu bremsen versucht wurde, gab es eine Menge Fürsprecher zu seinen Gunsten, so daß manche einschränkende Maßnahme recht bald wieder zurückgenommen wurde.

Der Titel „Erleuchteter Laie“ (siehe Foto) in der Biographie von Ida Lüthold-Minder ist typisch für diese Volksreligiösität, die sich nicht selten mit (mindestens) einem Fuß auf dem Boden des Aberglaubens befindet.

So hat der „erleuchtete“ Bauer von Rippertschwand am 26. August 1811 eine „Besessene“ beherbergt, die von einer Pilgerreise zu Bruder Klaus von der Flüe zurückkehrte.

Dabei forderte er den „Teufel“, der in dieser aus dem Schwarzwald stammenden Frau gewirkt haben soll, dazu auf: „Sprich, was dir Gott zu sagen befohlen hat; was er dir nicht zu sagen befohlen hat, darüber schweige.“ Darauf folgte eine stundenlange „Predigt“ gleichsam aus der Hölle damit nicht genug: Am Abend verlangte der Bauer eine Wiederholung des Vorgangs, wobei er sein Hofgesinde einlud, so daß 17 Personen zugegen waren, die dieser „Rede zuhörten“, wie Niklaus Wolf zu Rippertschwand in seinem Protokoll berichtet, das u.a. von einem Kaplan Geißhüsler unterzeichnet wurde.

Die seitenlange „Teufelspredigt“ klingt streckenweise ebenso primitiv im Stil wie scheinbar fromm in der Sache, denn angeblich „mußte“ der Dämon, der aus der besessenen Frau sprach, widerwillig auf Befehl des Höchsten eine theologische Ansprache auf Kindergarten-Niveau halten, sozusagen eine Art „Verkündigung von unten“ bzw. Kellergeist-Katechese.

Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man lachen über dieses Ausmaß an schaurigem Unfug, der hier im Gewande katholischer und „marianischer“ Frömmigkeit einhergeht.

Grundsätzlich sollte in diesen Zusammenhängen Folgendes klar sein:

  1. Laien wie jener Bauer haben keine Vollmacht zum Exorzismus, selbst Priestern ist diese Tätigkeit nur erlaubt mit einer schriftlichen Erlaubnis ihres zuständigen Bischofs.
  2. Christus hat in keinem einzigen Fall bei einer Teufelsaustreibung mit den Dämonen diskutiert oder ihnen gar ellenlang zugehört, geschweige sie zu einer „Predigt“ ans Volk aufgefordert – er hat ihnen vielmehr energisch das komplette Schweigen befohlen.
  3. Es ist überdies geistlicher Mißbrauch, wenn eine (angeblich oder tatsächlich) besessene Frau von über einem dutzend Zuschauer behelligt wird, so daß sie geradezu umringt ist von Schaulustigen – wo bleibt hier das Seelsorgsgeheimnis, das sehr wohl ein Bestandteil des Exorzismus ist, der schließlich keine Volksbelustigung darstellt
  4. Warum sollte Gott denn die Teufel dazu zwingen (!), gegen deren Willen eine Art „Predigt“ zu halten?! Die Hölle existiert doch gerade deshalb, weil Gott den freien Willen seiner Geschöpfe respektiert – und somit auch ein NEIN gegen ihn – und zwar in alle Ewigkeit! Die Hölle ist daher gleichsam von innen verschlossen, nicht von außen.
  5. Es ist geradezu absurd, wenn Gläubige noch Jahrhunderte später in Broschüren, Webseiten und Büchern zur Lektüre dieser „Teufelspredigt“ angehalten werden, so daß sie gleichsam „andächtig“ einer Dämonenrede lauschen, womit der Erzfeind des Menschen zum Verkündiger des Glaubens aufgewertet wird.

Natürlich erzählt der „Kellergeist“ der geneigten Leserschar genau das, was sie hören will, z.B: „Der Rosenkranz ist das vornehmste Gebet“. – Zweifellos ist er gut und sehr zu empfehlen, aber das vornehmste Gebet ist eindeutig das Vaterunser, zumal es von Christus selbst gelehrt wurde.

Ebenso unsinnig ist diese Teufelsweisheit: „Schon viele haben Gnade gefunden, nur weil sie das Skapulier getragen haben.“ – In Wirklichkeit macht eine noch so fromme Andachtsform „allein“ noch lange nicht selig, wenn die sonstigen Voraussetzungen (z.B. Einhaltung der Gottesgebote, gute Werke) fehlen.

Oder der folgende Unfug über die Kreuzigung Christi: „Wir sind in die Juden gefahren und haben einen Haß an ihm ausüben können.“ – In Wirklichkeit haben römische Schergen den Erlöser getötet, nicht „die Juden“ (wenngleich ein großer Teil der jüdischen Elite darauf hinwirkte).

Zudem erklärt der höllische Geist: „Ich hätte schon Hoffnung zur Reue, für mich ist aber ewig keine Hoffnung mehr.“ – Das ist theologisch völlig falsch, die bösen Geister lehnen Gott und damit jedwede Reue von sich aus kategorisch ab. Hier wird aber so getan, als würde der Teufel eigentlich gerne bereuen, wenn er nur „dürfte“.

Zwischendurch sagt der (angebliche oder tatsächliche) Dämon ironisch: „Der Teufel muß euch die Wahrheit predigen. Welch ein Wunderding.“

Allerdings – gar wunderlich geht es zu, wenn der Erzfeind sich zum Prediger mausern darf, dem das besonders „fromme“ Kirchenvolk auch noch aufmerksam lauscht…


Wir trauern über den Tod des katholischen Theologen Prof. Dr. Joseph Schumacher

Von Felizitas Küble

Unser theologischer Wegbegleiter, Autor und Mitstreiter Prof. Dr. Joseph Schumacher ist am 27. September nach langer Krankheit mit 87 Jahren in der Universitätsklinik Freiburg verstorben. Die Beisetzung des Priesters erfolgt am Dienstag, den 6. Oktober, in Littenweiler (Freiburg).

Mit dem Fundamentaltheologen Schumacher verband uns vor allem das Eintreten für den vollständigen katholischen Glauben, für seine dogmatischen Grundlagen, für die Fundamente des Christseins, die uns durch die Heilige Schrift und die apostolische Tradition überliefert worden sind.

Jenseits von Skeptizismus auf der einen und Schwarmgeisterei auf der anderen Seite, frei von Neigungen zum Unglauben oder Aberglauben, betonte Professor Schumacher ebenso anspruchsvoll wie bodenständig die Bedeutung des kirchlichen Lehramtes für eine klare Glaubens-Orientierung.

Seine von Nüchternheit und Besonnenheit geprägte Kritik an Wundersucht und Erscheinungsfixiertheit geht z.B. aus den Artikeln hervor, die er im CHRISTLICHEN FORUM  veröffentlichte: https://charismatismus.wordpress.com/?s=Joseph+Schumacher

Wer heute Theologie lehrt und zugleich unbeirrbar den Standpunkt der Kirche Christi vertritt, befindet sich zwischen allen Stühlen, auch innerhalb des katholischen Spektrums. 

Davon konnte auch dieser Fundamentaltheologe ein Lied singen:  seine Positionen sind vom bibel- und kirchenkritischen Rationalismus „moderner“ Theologen  ebenso weit entfernt wie von jenem scheinmystischen Irrationalismus, der sich in einigen konservativen Kreisen leider immer größerer Beliebtheit erfreut.

Für Joseph Schumacher waren Glaube und Vernunft (Ratio) keine Gegensätze, sondern Ergänzungen, freilich stets unter dem Vorrang des Glaubens: Dieser Professor, der sich in erster Linie als Priester verstand, dachte rational, ohne rationalistisch zu sein  –  und er vertrat eine gediegene Frömmigkeit jenseits von Pseudomystik  oder einem „reformkatholischem“ Rebellentum.

Der 1934 in Nottuln bei Münster (Westfalen) geborene Gelehrte war nach 10-jähriger Dienstzeit in der Pfarrseelsorge im Bistum Münster einige Jahre als Religionslehrer in Oldenburg tätig, bis 1971 seine wissenschaftliche Laufbahn an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg begann.

1973 promovierte er zum Doktor der Theologie, ein Jahr später führte sein Weg nach Münster zurück, diesmal zur wissenschaftlichen Arbeit im Bischöflichen Generalvikariat.

1977 erfolgte Schumachers Habilitation in Freiburg mit der Arbeit „Der apostolische Abschluß der Offenbarung Gottes“, die  –  ebenso wie die Dissertation über den „Denzinger“ –  im Herder-Verlag erschien. Insgesamt umfaßt sein Publikationsverzeichnis weit über 100 Titel.

1978 begann er seine Lehrtätigkeit als Privatdozent und wurde 1983 zum Professor für Fundamentaltheologie ernannt. Noch heute ist er mit seinen Lehrveranstaltungen an der Freiburger Universität präsent. Prof. Schumacher ist stets als Priester erkennbar  –  an der Hochschule wie im alltäglichen Leben.

Der glaubenstreue Geistliche war seit 1989 ordentliches Mitglied der „Pontificia Academia Theologica Romana“ und seit 1996 korrespondierendes Mitglied der „Internationalen Päpstlichen Akademie für Mariologie“.  

Gerade die Mariologie, die theologische Lehre über die Gottesmutter, lag Joseph Schumacher stets am Herzen, wie sich aus seinen Büchern, Vorträgen und Veröffentlichungen ergibt, zudem aus seiner Mitarbeit am „Marienlexikon“, das vom bekannten Mariologen Kardinal Leo Scheffczyk herausgegeben wurde.

Auch in diesem Bereich zeigt sich die nüchterne Spiritualität Schumachers, zumal er seine große Verehrung für die Jungfrau Maria freihielt von schwärmerischen Nebengleisen  –  ganz im Sinne seiner Habilitations-Schrift über den „apostolischen Abschluß der Offenbarung Gottes“, lehrt doch die Kirche seit jeher, daß die göttliche Offenbarung mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen ist.

Daher gehören „Privatoffenbarungen“ grundsätzlich nicht zum Glaubensgut der Kirche, erst recht fehlt ihnen jeder dogmatische Charakter   –  das gilt auch für kirchlich approbierte (genehmigte) Erscheinungen, weil diese Billigung der Kirche keine Glaubensverpflichtung darstellt, sondern lediglich eine Erlaubnis („Es ist den Gläubigen gestattet, daran zu glauben“ – so lautet die übliche Approbationsformel).

Der glaubenstreue Theologe äußerte sich in seinen Vorlesungen und Büchern, Artikeln und Aufsätzen  – etwa in der Zeitschrift „Theologisches“ –   stets fundiert, kompakt und auf hohem Niveau,  aber auch verständlich und ohne hyperakademische Verstiegenheit.

Auch sein im Bonifatius-Verlag erschienener Klassiker über „Esoterik  – die Religion des Übersinnlichen“  ist gehaltvoll und faktenreich,  zugleich aber leserfreundlich verfaßt.

Der Esoterik-Experte Schumacher warnte bereits 1991 im Ministranten-Magazin “Turibulum“ vor dem Okkultismus und der damals aktuellen New-Age-Bewegung. Für ihn ist es selbstver-ständlich, seine Aufsätze in Fachpublikationen ebenso zu veröffentlichen wie in einer Zeitschrift für Meßdiener, die der Fe-Verlag herausbrachte. Dort erschien auch sein Buch „Beten mit der Kirche“, das die wichtigsten kath. Gebete in verschiedenen Sprachen enthält.

Für den lehramtstreuen Theologen war es auch selbstverständlich, sich moderner Medien zu bedienen, um den Glauben der Kirche zu verkünden. In seiner eigenen Internet-Präsenz www.theologie-heute.de finden sich weit über 10.000 Seiten mit Vorlesungen, Predigten, Aufsätzen, Referaten, Kommentaren und Erklärungen.

Er veröffentlichte seine Vorlesungen bereits im Internet, als keiner seiner Kollegen daran dachte. Seit Jahrzehnten setzte er auch seine Predigten auf seine Homepage.

Joseph Schumacher war stets bereit, dem Zeitgeist die Zähne zu zeigen, wenn es darum ging, sich unerschrocken zu Glaube, Kirche und Papstamt zu bekennen. Damit machte er seinem Beruf alle Ehre, denn Professor heißt übersetzt „Bekenner“.


Leuchtende Madonnenstatue in Medjugorje?

Von Felizitas Küble

Die wundersüchtige Dreistigkeit im kirchlich nicht anerkannten Erscheinungsort Medjugorje (Bosnien-Herzegowina) wirkt schon einzigartig. 

Als Beispiel mag die sensationelle Geschichte um eine angebliche „Leucht-Madonna“ gelten, die vor allem von der Hauptseherin Vicka  – in deren Elternhaus jene Statue sich befand – durch etliche Interviews verbreitet wurde.

Obwohl jenes Mirakel vom Oktober 2013 längst wissenschaftlich als Betrug widerlegt wurde, hindert dies das offizielle Medjugorje-Portal nicht daran, sie bis heute weiter wie ein echtes Wunder zu präsentieren – man lese und staune: https://www.medjugorje.de/medjugorje/phaenomene/leuchtende-statue/

Dort heißt es wörtlich:

„In Medjugorje berichteten am 23. September 2013 Augenzeugen über ein Leuchten einer Muttergottes Statue im Elternhaus der Seherin Vicka Ivankovic-Mijatovic…Immer mehr Interessierte fanden sich ein, um mit eigenen Augen zu sehen, was sie über das Geschehen erfahren haben.

Schon bald konnte das „Rätsel“ um die wundersame Statue gelüftet werden, wie unser CHRISTLICHES FORUM damals bereits Anfang November 2013 berichtete:

„Im September 2013 stellte sich heraus, dass eine im Dunklen leuchtende Marienstatue aus dem Besitz der Seherin Vicka Ivanković-Mijatović mit Leuchtfarbe bestrichen worden war. Der kroatische Chemiker Pavle Močilac identifizierte die Substanz als Farbe auf der Grundlage von Strontiumaluminat. In den Tagen zuvor hatte das vermeintliche Wunder mehr als 15.000 Gläubige angezogen.“   (Quelle: https://charismatismus.wordpress.com/2013/11/08/medjugorje-wunder-statue-erweist-sich-als-dreister-schwindel/)

Übrigens sind die monatlichen Medjugorje-Erscheinungen an die Visonärin Mirjana angesichts der Corona-Krise kürzlich abrupt beendeet worden – angeblich von der Madonna selbst. – Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2020/03/19/hat-die-madonna-jetzt-angst-vor-corona/

 


Meine Beobachtungen in Medjugorje

„Ich erlebte eine gigantische Geldmaschinerie“

Dieser Brief stammt von einer langjährigen Leserin aus Süddeutschland, deren Name und Anschrift mir bekannt ist.

Aus meiner Erfahrung mit „Aussteigern“ – sei es aus der Esoterik, Charismatik oder Falschmystik  –  weiß ich, wie allergisch bis fanatisch ihr bisheriges Umfeld oftmals reagiert, wenn deutlich wird, daß sie auf einen nüchternen Glauben „umgestiegen“ sind, der keiner „Erscheinungen“ und sonstiger „wundersamer“ Ereignisse bedarf. 

Auch die Verfasserin dieses Schreibens kennt diese Problematik. Hier folgt ihr anschaulicher Bericht:

Sie sprechen mir vollkommen aus der Seele mit Ihren kritischen Beiträgen, Ihrer Aufklärung über „Botschaften“, Seher usw. Die Medjugorje-Hysterie ist auch eine Wundersucht.

Mir wurde schon oft gesagt, dass eine Wallfahrt dorthin alles im Leben zum Guten ändern würde, so daß wir Probleme überwinden, die uns zu schaffen machen.

Ich war 2009 im September eine Woche dort und habe vieles mitbekommen: Die hl. Messen, Rosenkranz und eucharistische Anbetungen sind soweit in Ordnung.

Aber ich erlebte eine gigantische Geldmaschinerie – und das hat mich abgestoßen. Jeden Tag werden die Pilgergruppen, die einen Pilgerführer zwangsweise mitnehmen müssen, mindestens zweimal zur „Tränke“ geführt. Das heißt, sie besuchen eine klösterliche Gemeinschaft, ein Kinderdorf, ein Zentrum für Drogensüchtige etc. Überall gibt es zuerst einen Vortrag und dann werden Spenden eingesammelt.

Mich stören die vielen Geschäfte hingegen nicht. Da kann man reingehen oder auch nicht.

Sodann gibt es in Medjugorje Veranstaltungen in einer größeren Halle, wobei die Seher anwesend sind und zu den Leuten sprechen. Alles wird in verschiedene Sprachen übersetzt. Ich mußte außerhalb der Halle im Freien mit meiner Gruppe zuhören. Aber ich war nicht aufmerksam, weil ich diese „Marienbotschaften“ überhaupt nicht als wahr ansehen kann. Diese banalen Aussagen sind sicher nicht  himmlischen Ursprungs. Davor muß man die Madonna in Schutz nehmen. Aber das darf man bei Medjugorje-Gläubigen nie erwähnen. Sie verhalten sich oft sofort aggressiv und feindselig. Darin erkenne ich dann eine Spur der „anderen Firma“…

Besonders empfindlich reagieren Medjugorje-Pilger, wenn man den Lebenswandel der Seher/innen anspricht. Die hl. Katharina Labouré, Bernadette von Lourdes und die Kinder von Fatima lebten zurückgezogen, hatten es teilweise sehr schwer im Leben, wurden keine bejubelten Stars und gingen ins Kloster. 

Besonnene Gläubige unter den Pilgern antworten mir dann immer, dass das spezielle Apostolat der Medjugorje-Seher eben die Familie wäre und sie darum geheiratet hätten. Andere reagieren richtig wütend, weil sie diesen Punkt als Zeichen einer Infragestellung erkennen.

Es soll dort angeblich Heilungen geben, aber warum werden diese nicht wie in Lourdes ärztlich genau untersucht? Diese „Wunder“ werden erzählt, ohne daß eine kirchliche Anerkennung erfolgte. 

An einem Nachmittag unter freiem Himmel konnte man in Medjugorje Kondensstreifen von Flugzeugen am Himmel sehen, die sich kreuzten. Diese Kreuze wurden dann wie wild fotografiert und ich wurde auch darauf aufmerksam gemacht. Dabei gewann ich den Eindruck, dass man wirklich fieberhaft nach Zeichen und „Wundern“ sucht.

Das Publikum ist sonst nicht primitiv, ungebildet oder unkritisch. Aber bei Medjugorje sind sie verblendet. Ich kenne viele fromme Katholiken, denen die verschiedenen „Privatoffenbarungen“ wichtiger sind als das Wort Gottes.

In den vergangenen Tagen habe ich mich gefragt, hätte die „Gospa“ – wie man die Medjugorje-Madonna nennt –  nicht konkret diese Corona-Seuche vorhersagen müssen ? Man hörte nichts über eine weltumfassende Epidemie, die überall große wirtschaftliche Not verursacht. Das ist doch erstaunlich. Keine dieser „Botschaften“ warnte die Menschen. Das wäre doch die Gelegenheit gewesen, vom Himmel her die schon längst fällige Echtheits-Bestätigung zu liefern.

Solche Erscheinungen kommen aber auch ohne Medjugorje-Seher überall vor. Ich kenne allein drei Frauen, die mir berichteten, dass sie unsichtbare Stigmen tragen, also die Wundmale Jesu. Sie erwarteten dann von mir wohl eine ehrfürchtige Reaktion, weil sie mich in ihr „Geheimnis“ eingeweiht haben. Ich habe sie alle enttäuscht.

Viele „träumen“ auch Erscheinungen und fühlen sich dann auch aus der normalen Masse der Sterblichen etwas herausgehoben. Allen diese „Erwählten“ konnte ich einen gewissen Stolz nicht absprechen.

Ich habe vor ein paar Jahren in Schramberg den „preisgekrönten“ Film Mary‘s Land gesehen. Hinter mir waren hysterische  – oder wie Sie zu schreiben pflegen: schwarmgeistige – Damen, die den langweiligen Film immer wieder mit ihren Jubelausbrüchen garnierten, während ich vor Langeweile eingenickt bin. Jetzt wurde wieder so ein Film gedreht, zu dem ich trotz vieler Einladungen nicht gegangen bin. Zu Hause schläft es sich besser.

Das Problem Medjugorje ist groß. Millionen gehen jährlich dorthin. Der Vatikan und die Bischöfe getrauen sich nicht, ein Machtwort zu sprechen. Würde ein solches erfolgen und dem Spuk ein Ende bereiten, so würde eine riesige Geldmaschine trockengelegt werden.

An unserem letzten Tag sprach noch eine Seherin der sogenannten „zweiten Generation“ im Hotel. Sie erhalte, so hieß es, innere Einsprechungen von oben. Es ging dabei eigentlich wieder ums Spenden. Das ist der allgegenwärtige Mechanismus dort.

Mein Beichtvater empfiehlt mir immer, wie Sie richtig schreiben, dem Willen Gottes zu gehorchen. Aber Kreuztragen wollen viele nicht mehr; sie sehen das als Strafe Gottes an.
Ohne Kreuztragen gäbe es keine Heiligen, das sage ich immer. Dadurch geschehen wirkliche Wunder in der Seele.


Wenn Wundersucht zur Empörung führt

Von Felizitas Küble

Wie die britische Zeitung „Daily Mail“ berichtet, hat ein 38-jähriger Katholik einen Marienschrein im mexikanischen Guadalajara zerstört, weil sein Gebet für ein Wunder nicht erhört worden sei. Der Täter namens Jorge warf zwei Steine und zerbrach das Glas der Vitrine, die eine Guadalupe-Statue enthielt.

So ungewöhnlich die Tat in ihrer Radikalität sein mag, so fällt die wütende Reaktion als solche weniger aus dem Rahmen, als man meinen könnte.

Von einem Priester habe ich beispielsweise vor einigen Jahren erfahren, daß ein Gläubiger seiner Gemeinde von ihm verlangte, das Bild des „Barmherzigen Jesus“ von Sr. Faustine zu entfernen, denn die „Verheißungen“, welche die polnische Nonne veröffentlicht habe, hätten sich nicht erfüllt. Eine Person aus seiner Verwandtschaft habe Selbstmord begangen, obwohl sie mit der „Andacht zum Barmherzigkeits-Jesus“ sehr vertraut gewesen sei, die doch das ewige Heil verspreche usw.

Hierzu wollen wir grundsätzlich bedenken, daß es keine  – wie auch immer geartete –  Sonderverehrung geben kann, die den freien Willen des Menschen aufhebt – oder gar Gottes souveränen Willen „manipulieren“ könnte.

Weniger bestimmte Andachten an sich sind hier das Problem, sondern vor allem eine verstiegene Erwartungshaltung dahingehend, daß bestimmte Versprechungen wie ein Automatismus eintreffen müßten, was eine geradezu magische Vorstellung beinhaltet. Schließlich sind bestimmte Andachtsformen keine Zauberformel, die Gott „binden“ könnte. Allerdings darf diese Erwartung von gewissen  „Verheißungen“ auch erst gar nicht geweckt werden!

Grundsätzlich lautet die christliche Haltung so, wie es Christus uns im Vaterunser gelehrt und auch auf dem Ölberg vor seinem Leiden vorgelebt hat: „Dein Wille geschehe!“ – und nicht: „Mein Wille geschehe“ – und damit dieser (mein Wille!) geschieht, vollziehe ich diese oder jene fromme Übung, Opfer, „Sühneakt“, Gebetssprüche usw.


Schwärmerisches Halleluja-Christentum will am Kreuz vorbei zum „Sieg“ gelangen

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Insofern war es naheliegend, daß sich der Blog auch einmal mit der wachsenden charismatischen Bewegung und den damit verwandten Strömungen befaßt.
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Der Autor Josef Jung bezeichnet diese Richtung in einem älteren, aber sehr lesenswerten Artikel kurzerhand als „Hurra-Katholizismus“: https://www.thecathwalk.de/2016/07/18/die-falsche-mission/
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Wir nennen dieses Phänomen im CHRISTLICHEN FORUM mitunter das „Halleluja-Christentum“ (es ist ja genauso im Protestantismus präsent, dort sogar noch stärker) oder sprechen schlicht von religiöser „Schwärmerei“.
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Dieser Text von Jung erregt derzeit einige Gemüter, denn auch in traditionelleren Kreisen gibt es durchaus Befürworter der Charismatik oder zumindest MEHR-Versteher (Verteidiger der MEHR-Konferenz und ähnlicher Gruppen).
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Vielleicht ist Cathwalk im Titel von Jungs Beitrag etwas zu stark mit der Tür ins Haus gefallen: „Die falsche Mission: „Warum Hurra-Katholizismus“ gefährlich ist“.
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Gleichwohl ist seine kritische Analyse durchaus treffsicher und in wesentlichen Punkten berechtigt. 
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Eingangs erklärt er, wie auch „romtreue“ Kreise sich zunehmend des Erfolges wegen mit „Methoden der modernen Film- und Popindustrie“ anfreunden. Er fügt hinzu: „Was sich eigentlich abstößt, soll sich vermischen: Tradition in der Moral und Moderne in der Methode.
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Allerdings meint er, diese Kombination habe auf Dauer keinen Bestand, weil sie einander fremde Bereiche zusammenfügen wolle.
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Grundsätzlich bzw. theologisch hat der Verfasser zwar recht, aber äußerlich-formal leider nicht: Es hat sich gezeigt, daß bei dieser Verschmelzung – die nicht zuletzt durch Medjugorje vorangetrieben wurde –  nicht etwa der „Lack ab“ ist (wie ich selber auch vor zwanzig Jahren noch erhoffte), sondern vielmehr mit wachsendem Erfolg zu rechnen ist.
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Der Autor meint sodann:
„Die Inszenierung kann – wegen ihrer Methoden – nur eines sein: Show. Und das ist das große Problem. Gefährlich wird diese Show, weil sie mit dem Anspruch auftritt, rechtgläubig zu sein und dadurch emotionalen Druck aufbauen kann. Wahrheit mit Gefühl zu verbinden birgt eine kaum zu überschätzende Gefahr. Die Inszenierung ist oberflächlich, über den Seelenzustand soll man aber in der Tiefe sprechen. Es kommt zusammen, was nicht zusammen gehört. Wahr kann etwas nur sein, wenn es vernünftig ist und mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Das Gefühl kann hier genauso täuschen wie helfen. Es ist wie der Apostel Paulus sagt: „Der Glaube kommt vom Hören“ – nicht vom Fühlen.“
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Hierzu kann man nur sagen: Gut gebrüllt, Löwe!  – und ein weiteres Pauluswort hinzufügen: Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen!
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Trotzdem unterschätzt Kritiker Jung dieses Halleluja-Christentum, wenn er meint, es beruhe auf oberflächlichen Show-Effekten. Dann wäre das Problem halb so wild, dann hätte er zudem recht, daß sich diese (Mode-)Welle irgendwann von selber auflöst.
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Doch bei der Charismatik  – und das gilt weitgehend auch für die MEHR-Konferenz – geht es (wie der vielsagende Name schon andeutet) um   m e h r  als nur einen emotionalen Event, nicht etwa nur um ein popartiges Festival mit „frommer“ Hochstimmung auf Wolke 7. Das wäre zwar auch schon bedenklich, befände sich aber noch im eher harmlosen Vorfeld des Schwarmgeistigen.
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Das grundsätzliche Problem liegt vielmehr darin, daß sich die starke Sehnsucht nach dem religiösen „Erleben“, gleichsam nach einem emotionalen „Gottesbeweis“, leicht in eine Art Sucht steigern kann, die gerade kein Zeichen eines starken, sondern eines schwachen (!) Glaubens darstellt – denn ein in sich ruhender, ein wirklich fester Glaube benötigt keine ständigen „Bestätigungen“ durch Gefühlserfahrungen oder „außergewöhnliche“ Phänomene.
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Wenn Christen sich in diese irrgeistige Haltung hineinbegeben, verwechseln sie  – ohne dies zu bemerken  – gerne ihre Gefühlserlebnisse mit „Gotteserfahrungen“, sie verlagern den Glauben insgesamt von der objektiven auf die subjektive Ebene.
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Natürlich ist auch eine bodenständige, nüchterne Frömmigkeit nicht frei von Glaubenserfahrungen – und soll es auch nicht sein. Aber diese bilden nicht das Fundament des Glaubens, sondern sind eine „Zugabe“ von oben, die dankbar angenommen, aber nicht erwartet, geschweige verlangt wird.
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Sehr treffsicher stellt der Autor sodann  in puncto Halleluja-Christentum Folgendes fest:
„Der Glaube rückt zudem gefährlich nahe in den Bereich des Totalitären, wenn Zweifel und Widerspruch nicht erlaubt sind. Als „Praise-the-Lord-Anhänger“ kann man Menschen gefügig machen, indem man sie emotional beeinflusst. Das ist immer dann der Fall, wenn man fühlen soll, was Gott will – statt auf objektive Kriterien zu achten und diese mit dem eigenen Leben zu verbinden.“
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Seit Jahrzehnten melden sich bei mir geistlich und seelisch geschädigte Personen aus der Charismatik, auch in dieser Woche wieder ein halbes Dutzend. Oft werden mir bis tief in die Nacht erschütternde Lebensgeschichten erzählt, nicht selten sind es Tragödien mit psychischen, sprituellen und gesundheitlchen Langzeitfolgen.
Hierzu gibt es im CHRISTLICHEN FORUM dutzende Artikel über geistlichen Missbrauch (ein Themenkreis, im Grunde eine Zeitbombe, welche die konservative Schwärmerszene fast völlig ignoriert): https://charismatismus.wordpress.com/category/geistlicher-pastoraler-missbrauch/
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Dabei geschieht genau das, was der Verfasser äußert, daß nämlich die Spiritualität in die Nähe des „Totalitären“ abgleiten kann, weil man mit „emotionalem Einfluß“ Menschen gefügig machen kann.
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Ich nenne es anders, meine aber im Grunde dasselbe: Es handelt sich häufig um eine verderbliche Mischung aus Schwarmgeisterei und Fanatismus, Sentimentalität und Panikmache, um eine Achterbahn der Gefühle, die viele Gläubige in Abhängigkeit von selbsternannten Propheten und falschen Heilungsversprechen führt.
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Dazu kommt die „Magie der großen Zahl“ – oder mit anderen Worten: Es gibt bekanntlich nichts Erfolgreiches als den Erfolg.
Hierzu schreibt der erwähnte Verfasser ebenfalls: „Die anscheinend vollen Kirchen und Events werden mitunter herangezogen, um den Weg zu rechtfertigen. Wer Erfolg hat, muss sich nicht hinterfragen lassen.“
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Eben das ist der springende Punkt: Kritische Rückfragen sind nicht angesagt, wenn 10.000 Leute die Halle füllen, das haben gefälligst alle Leute ganz toll zu finden!

Geradezu genial bringt Jung die Substanz des Problems auf den Punkt: „Das Kreuz ist unser Weg zum Heil, nicht das Gefühl.“

Genau an diesem Kreuz können sich die Halleluja-Lobpreissänger gleichsam verbeimogeln, wobei dieser Schwärmerweg vielen als besonders starker Glaube erscheinen mag, man also in bester Absicht irregeht, worin aber gerade die verhängnisvolle Tragik liegt.

Diese Gläubigen suchen so sehr die „Tabor-Stunden“, sie wollen die Herrlichkeit des HERRN sehen und erleben, konzentrieren sich auf „Sieg“ und „Segensfülle“ von oben, auf Triumph und Verherrlichung im Glauben, auf „Heilung“ und „Befreiung“ (die Zauberworte des Charismatismus).

Die sogenannte „Heilung“ erscheint wichtiger als das Heil, Befreiung wird vor allem innerseelisch verstanden, das Kreuz im Christenleben (z.B. Krankheit, Schicksalsschläge) in manchen Kreisen sogar als dämonischer Einfluß mißdeutet. 

Als wachsame und bodenständige Christen sollten wir darauf achten, weder links noch rechts in den Straßengraben zu fallen:

Nicht nur der Unglaube ist eine Gefahr, sondern auch der Aberglaube und der Schwarmglaube – nicht nur der Modernismus und Rationalismus ist vom Übel, sondern auch der Irrationalismus und eine ungesunde Wundersucht.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Erzbischof Marcel Lefebvre warnte vor einer Fixierung auf „Erscheinungen“

Von Felizitas Küble

Es ist für geistig wachsame und bodenständige Katholiken äußerst wichtig, weder links noch rechts in den Straßengraben zu fallen – mit anderen Worten: Es gibt nicht nur die Gefahr des Modernismus und Skeptizismus, sondern auch die genau entgegengesetzte Bedrohung jedes soliden Glaubens, nämlich Wundersucht, Sensationsgier und eine Fixierung auf angebliche „Erscheinungen“, Visionen und Botschaften des „Himmels“ etc.

Für konservative und erst recht für traditionelle Gläubige, die für den Progressismus (falschen Fortschrittsglauben) ihrem Wesen nach sowieso nicht anfällig sind, ist das andere Extrem hingegen eine echte Versuchung – nämlich sich in der Verunsicherung unserer Zeit in den Bereich der „Privatoffenbarungen“ zu begeben, sich dort eine geistliche Fluchtburg einzurichten und so vor den Ungereimtheiten in Kirche und Welt zu „wappnen“.

Auch im traditionellen Spektrum, in dem – zu Recht – die überlieferte hl. Messe hochgeschätzt wird, ist die Neigung zu „Erscheinungen“ leider ausgeprägter, als es einem nüchternen Glauben entspricht, der nämlich auf ganz anderen Fundamenten beruht: auf der Heiligen Schrift, der apostolischen Überlieferung sowie auf dem kirchlichen Lehramt.

Dabei geht die (Sehn-)Sucht nach Privatoffenbarungen bisweilen deutlich über das hinaus, was die Kirche gutheißt  – beschränkt sich also nicht auf die approbierten (erlaubten, gebilligten) Erscheinungen, sondern bezieht auch kirchlich abgelehnte „Botschaften“ mit ein – so z.B. Heroldsbach, Montichiari, Garabandal oder San Damiano.

Dabei hatte Erzbischof Marcel Lefebvre, der Gründer der traditionsorientierten und altrituellen Priesterbruderschaft St. Pius, grundsätzlich eine insgesamt nüchterne Haltung zu diesen Fragen eingenommen.

Zwar zeigte er sich vor entsprechenden Tendenzen nicht ganz frei, bedenkt man etwa, daß er anfangs den „Marienerscheinungen“ von San Damiano in Norditalien zuneigte, später aber immerhin kritischer wurde. Die entsprechenden „Himmelsbotschaften“ an die vermeintliche Seherin „Mama Rosa“ sind seinerzeit kirchlich strikt abgelehnt worden, was bis heute gilt.

Die Internetseite der Piusbruderschaft veröffentlichte am 27.11.2014 unter dem Titel „Ablenkung von den Grundlagen des Glaubens“ zu diesem Themenkreis einige Klarstellungen von Erzbischof Lefebvre, die ihr Gründer im Jahre 1989 anläßlich von Exerzitien geäußert hat: https://fsspx.de/de/news-events/news/ablenkung-von-den-grundlagen-des-glaubens-5645

In der Lefebvre-Stellungnahme heißt es u.a.:

„Einige fühlen sich verpflichtet, alle Erscheinungen zu beachten, selbst solche, die von der Kirche nicht offiziell anerkannt sind, ständig nehmen sie in ihrer Verkündigung darauf Bezug…Das ist schade, weil es den Geist der Gläubigen ein wenig in die Irre leiten kann. Erscheinungen sind nur Ergänzungen…, aber sie sollen nicht die Grundlage unserer Spiritualität sein, sie sollten nicht die Grundlage unseres Glaubens sein; auch ohne Erscheinungen wäre unser Glaube immer noch derselbe… Es ist also ein wenig gefährlich, wenn man den Eindruck erweckt, ohne die Erscheinungen könne man bei den aktuellen Schwierigkeiten im spirituellen Leben nicht bestehen. Das ist schade! Das ist gefährlich.

Und Sie wissen ja auch, bei den Erscheinungen … gibt es eine Menge, eine Fülle von Botschaften, Nachrichten, unwahrscheinlichen Botschaften, unwahrscheinlichen Nachrichten, eine extravaganter als die andere. Ich möchte fast sagen: je extravaganter, desto eher wird daran geglaubt. Das ist sehr gefährlich, sehr gefährlich…
Jedenfalls ist das ein Mittel für den Dämon, die Seelen fast von den Grundlagen des Glaubens abzulenken, sie so in einen Sentimentalismus hineinzuziehen, in eine Frömmigkeit, die nicht wirklich auf den Glauben gegründet ist, auf unseren HERRN.“
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Danach stellt der Erzbischof klar, daß man zwar in Erscheinungsorten beten könne, aber darauf nicht die eigene Frömmigkeit stützen soll, geschweige gar in einen Fanatismus geraten:„Durch Dinge dieser Art kann man sich nicht leiten lassen, das ist unmöglich! Man muss also sehr, sehr, sehr, sehr klug sein, und unglücklicherweise muss man sagen, dass diese Krankheit, wenn man es so sagen kann, sich in den traditionalistischen Kreisen ganz enorm ausbreitet.
In Deutschland und in der deutschsprachigen Schweiz sogar vielleicht noch mehr. Ich weiß nicht, warum, ich weiß nicht, woran das liegt, ich weiß es nicht. In diesen Kreisen gibt es aber sicherlich eine verhältnismäßig größere Zahl von Menschen, welche alle diese Botschaften und alle diese anderen außergewöhnlichen Dinge annehmen.“Somit zeigte sich der Gründer der Piusbruderschaft damals sehr besorgt und geradezu ratlos angesichts der starken Anhänglichkeit an Privatoffenbarungen in den „traditionalistischen Kreisen“. 

Stattdessen verweist er auf die „traditionellen Grundsätze der Kirche“, wonach nämlich „die Erneuerung der Gesellschaft, der einzelnen Menschen, der Familien nur durch unseren Herrn Jesus Christus kommt….Das ist klar! Da muss man gar nicht anderswo suchen.“

Mein Verwandter Dr. Philipp Küble, Leiter von „Vox fidei“ (Stimme des Glaubens), führte in den 80er Jahren ein Interview mit Marcel Lefebvre. Wie mir der Theologe berichtete, hat der Erzbischof ihm nach dem Interview sein Leid geklagt über die Absonderlichkeiten im eigenen Lager, vermutlich ging es auch um die Erscheinungssucht. Jedenfalls habe ihm Lefebvre halbironisch gesagt: „Bei uns sind zwar nicht alle verrückt, aber alle Verrückten sind bei uns.“

 

 


Fasziniert von der Pfingstbewegung – und dabei viel Lehrgeld bezahlt

Von Felizitas Küble

Auch gestandene Glaubensmänner und -frauen können sich von einem völlig neuen Sog begeistern und vereinnahmen lassen, bis oft erst nach vielen Jahren die Ernüchterung folgt. Wohl denen, die dann bereit sind, vorherige Irrtümer aufrichtig einzuräumen und zu ihrem Umdenken zu stehen.

So erging es führenden evangelischen Persönlichkeiten in der Erweckungs- und Heiligungsbewegung, die sich nach mehr „geistlicher Vollmacht“ sehnten und  – durchaus in bester Absicht –  freudig daran glaubten, die aufkommende Pfingstbewegung sei eine Chance des Himmels für die Gläubigen auf Erden.

Wir erinnern hier beispielhaft an vier bedeutende Theologen bzw. Evangelisten aus dem pietistischen (heute würde man sagen: evangelikalen) Spektrum, meist aus der frommen Gemeinschaftsbewegung (Gnadau) oder der Evangelischen Allianz.

Beide Verbände hatten sich  – nach anfänglichem Zögern –  mehrheitlich gegen die „charismatische Welle“ gestellt, die Anfang des 20. Jahrhunderts von Nordamerika kommend über Deutschlands „erweckliche“ Gemeinden hinwegfegte und dabei sogar Persönlichkeiten erfaßte, die vorher durchaus als besonnen galten:

Otto STOCKMAYER (1838 – 1917) war ein württembergischer Theologe, der erst in der Schweiz, später in England wirkte, vor allem in der Oxforder „Heiligungsbewegung“. Diese Strömung erkannte mit Recht, daß die lutherische Rechtfertigungslehre unzureichend war, daß nämlich zur Erlösung durch Christus auch das Bemühen des Menschen um seine „Heiligung“ gehört  – seit jeher ein ebenso paulinisches wie katholisches Anliegen. 

Soweit schön und gut, doch ein Teil dieser evangelischen Strömung verrannte sich allmählich in verstiegene Vorstellungen von einem geistlichen Perfektionismus, vertrat eine Lehre vom „reinen Herzen“, das der Mensch durch den Heiligen Geist schon auf Erden erhalten könne, so daß er sündenfrei zu leben imstande sei. Zudem glaubte man, durch diese geistgesalbte „Überwinderschar“ werde die „Brautgemeinde“ schneller zu Christus „entrückt“ (schon vor jener Trübsalszeit in der kommenden Ära des Antichristen). 

Auf dem Boden dieser überspannten Ansichten war der Schritt in die enthusiastische Pfingstbewegung nicht mehr weit.

Auch Reiseprediger Stockmayer wurde jahrelang von diesem Strom erfaßt, bis er 1909 eine Kehrtwendung vornahm und jenen Theorien ebenso den Abschied gab wie den schwärmerischen Anwandlungen der aufkommenden Charismatik. Als führender Mann in der pietistischen „Gemeinschaftsbewegung“ (Gnadauer Verband) sorgte er gemeinsam mit anderen „Patriarchen“ für eine Trennung von Gnadau und Pfingstlern. Dabei verwies er neben eigenen Erfahrungen auch auf seine Seelsorge mit Belasteten und Aussteigern aus der Charismatik.

Zur Ehrenrettung der Heiligungsbewegung sei noch erwähnt, daß der gemäßigtere Teil in die Oxforder Gruppenbewegung von Frank Buchman einmündete, die sich später in „Moralische Aufrüstung“ umbenannte, aber von der Pfingstbewegung fernhielt.

Prof. Ernst Ferdinand STRÖTER (1846 – 1922) erblickte in Barmen das Licht der Welt, gelangte zuerst nach Paris und später in die USA, wobei er Prediger der von John Wesley gegründeten Methodistenkirche wurde, die zu den neuzeitlichen Erweckungsbewegungen zählt. Er engagierte sich in der Evangelisation der Juden und kehrte Ende des 19. Jahrhunderts nach Europa zurück.

Ebenso wie Pfr. STOCKMAYER war er mit den Ideen der Heiligungsbewegung vertraut und begünstigte durch einige Sonderlehren das Aufkommen der Pfingstbewegung. Als er jedoch die schwarmgeistigen Auswirkungen mehr und mehr erkannte, distanzierte er sich entschieden davon und warnte in seinen Schriften vor Wundersucht und einer Überbetonung der „außerordentlichen“ Charismen. So erschien 1912 seine Schrift „Die Selbstentlarvung der Pfingst-Geister“.

Frau Jessie PENN-LEWIS (1861 – 1927) war gemeinsam mit dem Evangelisten Evan Robers führend in der sog. „Erweckung von Wales“ (1904/05) tätig, die ebenfalls stark von Methodisten geprägt war und als eine Art Vorläufer der Pfingstbewegung gilt, nicht zuletzt durch ihre Hervorhebung einer „Geistestaufe“, die gleichsam der „zweite Segen“ nach der Taufe bzw. Bekehrung sei.

Als diese erfolgreiche britische Predigerin (sie hatte einst sogar Frank Buchman bekehrt) und ihr Mitstreiter Roberts die grundsätzliche Problematik der religiösen Schwärmerei durchschauten, schrieben sie 1912 gemeinsam das warnende Buch „War on the Saints“ (auf deutsch: Krieg den Heiligen) und mahnten darin zur geistlichen Nüchternheit.

Heinrich DALLMEYER (1870 – 1925) betätigte sich aktiv in der Pfingstbewegung. Im Sommer 1907 zog er mit zwei „visionären“ Norwegerinnen nach Kassel, wo eine Serie schwarmgeistiger Versammlungen für großes Aufsehen sorgte. Nach ca. vier Wochen und immer stärkeren Ausuferungen wurden die Zusammenkünfte am 2. August geschlossen. Dallmeyer verlor die Kontrolle über die ekstatischen Vorgänge und geriet selber in den Strudel enthusiastischer Phänomene. Nach langen inneren Auseinandersetzungen hat er sich dann  – ebenso wie sein leiblicher Bruder  – von der Pfingstbewegung losgesagt (Widerruf 1907) und sie danach entschieden bekämpft.

In seiner Schrift „Erfahrungen in der Pfingstbewegung“ aus dem Jahr 1910 befaßt er sich selbstkritisch mit seinem eigenen Irrweg und schreibt u.a. folgendes:

„Ich habe die Hoffnung zu Gott, dass diese Zeilen mithelfen, dass einige der jetzigen Träger der Bewegung Licht bekommen über die Irreführung, in der sie sich gegenwärtig befinden  –  und ich schreibe diese Schrift, nachdem ich im Kämmerlein öfters mit Tränen zu Gott gerufen: „HERR, führe sie heraus!“. Vielleicht kann diese Schrift eine Mithelferin sein, dass manche Geschwister, die jetzt noch in der Bewegung stehen oder gar Träger von Geistesgaben sind, von diesem Irrgeist befreit werden.“  (Quelle: https://das-wort-der-wahrheit.de/download/heinrich-dallmeyer-erfahrungen-in-der-pfingstbewegung/)

Diese Serie über Persönlichkeiten, die sich einst in der Charismatik befanden, aber dann eine Kehrtwendung zum nüchternen Glauben vollzogen, setzen wir hier im CHRISTLICHEN FORUM weiterhin fort.


Die Welt auf der Suche nach dem Wunder…

Von Felizitas Küble

Die neue Ausgabe der Illustrierten „Stern“ schreibt seitenlang über außergewöhnliche Vorgänge und Wunder-Phänomene in der christlichen und außerchristlichen Welt.

Vor wenigen Tagen ist im Kino ein aus Frankreich stammender Spielfilm mit dem Titel „Die Erscheinung“ angelaufen (siehe Foto), der sich über zwei Stunden hinzieht und dennoch nicht die Spannung verliert, zumal er manche Elemente einer Detektiv-Story und eines Thrillers aufweist.

Freilich geht es dem Streifen letzten Endes eher um dramaturgische Effekte und psychologische Hintergründe, weniger um eine theologisch gründliche Antwort auf die Frage, ob die Marienerscheinung, die einer jungen Frau im Süden Frankreichs widerfahren sein soll, himmlischen oder anderweitigen Ursprungs ist.

Vieles, was typisch für solche Ereignisse ist, wird in diesem Spielfilm realistisch gezeichnet: die Schar naiver bis verzückter Anhänger, die mit dem Pilgerstrom verbundene Geschäftemacherei, die Anziehungskraft des „Wunderbaren“ auch in unserer angeblich so „säkularen“ Gesellschaft, sodann die grundsätzlich kritische Haltung der Kirche gegenüber „Privatoffenbarungen“.

Dies ist sicherlich ein positiver Punkt in diesem melodramatischen Film „Die Erscheinung“:

Die distanzierte Einstellung des Vatikan angesichts spektakulärer Vorgänge wird klar aufgezeigt. Die Haltung der Kirche beruht auf ihrer gründlichen Erfahrung von zweitausend Jahren – zudem ergänzt durch den fundamentalen Lehrsatz, wonach die Offenbarung Gottes mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen ist.

Daher sind sogenannte „Privatoffenbarungen“ für die Gläubigen nicht verbindlich; das gilt auch für kirchlich gebilligte Erscheinungen  –  für die anderen erst recht.

So gesehen ist es  nur folgerichtig, daß der Vatikan – wie in diesem Film dargestellt – sogar einen agnostischen, also eher ungläubigen Reporter aus dem weltlichen Milieu in seine Untersuchungkommission beruft, die ansonsten aus Medizinern, Theologen, Historikern und Psychiatern besteht.

Die Kirchenmänner denken sich: Dieser nüchterne Kriegsberichterstatter aus Syrien, der das harte Leben kennt und sich nichts vorflunkern läßt, soll der Wahrheit dieser Erscheinung auf den Grund gehen und alles akribisch  und detektivisch untersuchen.

Tatsächlich hat die Kirche von über zweitausend angeblichen „Privatoffenbarungen“ bislang lediglich 16 positiv beschieden, das sind nicht einmal 1%. Bekannt sind davon vor allem Fatima, Lourdes und Guadalupe.

Wobei das geläufige deutsche Wort „Anerkennung“ keine präzise Übersetzung des kirchlichen Begriffs „Approbation“ darstellt; dieser bedeutet übersetzt nämlich nicht „Anerkennung“ (im Sinne einer Bestätigung), sondern Erlaubnis, Genehmigung, Billigung  – mit anderen Worten: Es ist den Katholiken im Falle einer Approbation „gestattet„, an die betreffende Erscheinung zu glauben, doch besteht hierzu keinerlei Verpflichtung.

Eine approbierte Erscheinung ist nicht nur kein Dogma, sie gehört auch nicht zur amtlichen kirchlichen Verkündigung, ist also kein Bestandteil des „depositum fidei“ – so heißt das der Kirche hinterlegte „Glaubensgut“, also die Gesamtheit ihrer Lehraussagen. Diese beruhen auf zwei Säulen: Der Heiligen Schrift und der apostolischen Überlieferung, also Schrift und Tradition. Das kirchliche Lehramt bildet gleichsam das schützende „Dach“ über diesen beiden Säulen.  

Erscheinungen sind weder Stützpfeiler noch Dach, geschweige ein Fundament des Glaubens – sondern im Falle ihrer Billigung können sie ein persönlicher Ansporn für die Gläubigen sein, ein Impuls für die Glaubenspraxis, aber kein Bestandteil der kirchlichen Verkündigung.

 


Immer mehr „weinende Madonnen“ in Sicht

Von Felizitas Küble

Wie die Webseite „The Fortean“ schreibt, gab es im ersten Halbjahr 2018 eine auffallende Häufung von Berichten über „weinende Madonnen“, teils ist sogar von „Bluttränen“ die Rede.

Oft handelt es sich dabei um Statuen von Medjugorje oder um die „Rosa Mystica“ (siehe Foto), die auf kirchlich nicht anerkannte Marienerscheinungen im italienischen Städtchen Montichiari zurückgeht. 

Die tränenweinenden Madonnen treten diesmal besonders stark in Mittel- und Lateinamerika auf: Honduras, Mexiko, Nicaragua, Kolumbien, Panama, Argentinien usw.

Dabei wird nicht selten von lieblichem „Rosenduft“ berichtet, der das wundersame Vorkommnis begleitet. Diese Duftphänomene sind seit Jahrzehnten bekannt, zumal im Zusammenhang mit kirchlich nicht anerkannten Visionen und „Botschaften“.

Grundsätzlich stellt sich bei solchen Geschehnissen die Frage, ob der Himmel es „nötig“ hat, mit rein sinnlichen Vorgängen auf sich aufmerksam zu machen?

Immerhin hat Christus klargestellt: „Selig, die nicht sehen – und doch glauben!“  – Auch Paulus betonte, daß unser Wandel auf Erden sich „im Glauben, nicht im Schauen“ vollzieht – und auch nicht im Riechen.

Zudem dürfte gerade für marienfromme Katholiken, die an die immerwährende Glückseligkeit der Gottesmutter glauben, klar sein, daß Tränen – gar blutige Tränen – denkbar unangemessen für die Assumpta (die in den Himmel Aufgenommene) wären. Heißt es doch in der Heiligen Schrift, daß es im Reiche Gottes kein Leid und keine Tränen mehr geben wird!

Der verteidigende Hinweis, Maria wolle uns durch solche „Tränenwunder“ auf die schlimmen Zustände in Kirche und Welt hinweisen, vermag nicht zu überzeugen. Immerhin stellt sich die Frage, warum das merkwürdige Phänomen erst seit dem 20. Jahrhundert bekannt ist: Waren die früheren Zeiten etwa nicht „zum Heulen“? Zudem: Warum gab es derartige Vorkommnisse gerade während des 1. und 2. Weltkriegs so selten? 

Nur ein schwacher Glaube (zumal wenn er mit Aberglauben durchsetzt ist) lechzt nach „Zeichen und Wundern“, zudem in möglichst sinnenfälliger und aufsehenerregender Form.

Ein starker Glaube hingegen stützt sich auf die Selbstoffenbarung Gottes, wie sie uns in der Heiligen Schrift und in der kirchlichen Überlieferung bezeugt wird.

Bibel und Dogma sind die Stützpfeiler unseres Christseins, ergänzt durch die Sakramente der Kirche. Auf diese „Steine“ können wir bauen!