„Mein Wille geschehe“ als Hintergrundmotiv eines magisch/charismatischen „Glaubens“

Von Felizitas Küble

Die Hinwendung zu überirdischen Mächten und Gewalten ist so alt wie die Menschheit, denn als Geschöpfe Gottes sind wir „unheilbar religiös“ – und das ist zunächst auch gut so.

Allerdings gelangt die „gefallene“ menschliche Natur, wenn ihr nicht von Gottes Selbstoffenbarung der richtige Weg gewiesen wird, allzu leicht in innere Gefahren und Irrtümer  – auch und gerade in religiöser Hinsicht. Vielfache Verirrungen in paganen (heidnischen) Religionen  – womit nicht allein z.B. die grausamen „Menschenopfer“ gemeint sind – sprechen hierzu eine klare Sprache.

Der Mensch ist stets in Gefahr, sich in seiner „Re-ligio“ (Rückbindung an Übernatürliches, „Göttliches“) vor allem an eigenen Wünschen und Interessen zu orientieren. So entstand und entsteht das magische Denken und Fühlen, das die „höheren Mächte“ für eigene Anliegen vereinnahmen möchte, gleichsam die „Gottheiten“ als Erfüllungsgehilfen in eigener Sache betrachten.

Um sie entsprechend „gnädig“ und geneigt zu stimmen, werden bestimmte Rituale und Formeln angewandt, damit die unsichtbaren, übersinnlichen Gewalten „richtig“ funktionieren. Diese Aberglaubenshaltung ist von Angst und vom Wunsch zugleich bestimmt, einer Furcht vor der möglichen Willkür dieser numinosen Mächte, zugleich das Verlangen nach Erfüllung der eigenen Sehnsüchte.

„Höhere Mächte“ in den (eigenen) Dienst nehmen

Hinter dieser paganen Mentalität steckt letztlich der Grundsatz: „Mein Wille geschehe!“ – Das ist auch das Fundament jeder Magie, nicht etwa nur der schwarzen, sondern auch der weißen Magie: Während sich die schwarze Variante direkt an satanische Mächte wendet, gibt die weiße Magie vor, sich dem „Himmel“ zuzuwenden und nur das „Gute“ zu wollen, nämlich beispielsweise Heilungen oder sonstige Hilfe in allerlei menschlichen Nöten.

Doch ob schwarze oder weiße Magie: Die „Adressaten“ scheinen zwar gegensätzlich zu sein (Hölle/Himmel), doch die Grundhaltung ist letztlich dieselbe, nämlich der Versuch, die übernatürlichen Mächte in den Dienst eigener Interessen zu stellen.

Selbst wenn es sich dabei um „positive“ Anliegen handelt, nicht etwa um Schadens-Wünsche gegen andere (wie bisweilen in der „schwarzen“ Magie), so heiligt der Zweck nicht die Mittel:

Der wahre Gott ist nicht unser Glücks-Automat, ER bietet keine umfassende Wunscherfüllung, denn die Gnade des Allmächtigen ist unverfügbar. Der Schöpfer steht  ü b e r  dem Menschen, seinem Geschöpf  – und nicht umgekehrt. Wir sollen IHM und seinem Willen zu Diensten sein, nicht ER uns und unseren Wünschen.

Christus hat diesen Grundgedanken des wahren Glaubens im Vaterunser gleichsam für alle Zeiten festgehalten: „Dein Wille geschehe!“ – Aber unser Erlöser hat uns diese Hinwendung zum himmlischen Vater nicht allein in Worten verkündet, sondern auch selber in Taten gelebt – selbst in seinen schweren Stunden auf dem Ölberg vor seinem Leiden.

Dort bat er zwar in der Todesangst seiner menschlichen Natur darum, daß dieser Kelch an ihm vorübergehen möge, doch zugleich sprach ER vertrauensvoll und unerschütterlich: „Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!“

Die Gnade des Höchsten ist unverfügbar

Der springende Punkt einer wahren christlichen Haltung ist das Bewußtsein, daß wir uns in unseren Anliegen und Sorgen gerne bittend an Gott wenden dürfen, ja sollen, aber zugleich wissen, daß Gott und seine Gnade(n) unverfügbar sind, daß der Höchste nicht unser Erfüllungsgehilfe ist, sondern wir seine Gehilfen sein sollen, um als „unnütze Knechte“ mit Gottes Hilfe am Reiche Christi mitzuwirken.

Dabei heiligt der vermeintlich gute oder jedenfalls verständlich erscheinende Zweck keineswegs die Mittel – und hier gilt durchaus nicht pauschal das  – nur auf den ersten Blick einleuchtende  –  Prinzip: „Wer heilt, hat recht!“

Diese Warnung richtet sich nicht allein an alt-neuheidnische Vorstellungen, an (nichtchristliche) esoterische Gruppen, an eine randständig okkulte Szene, sondern sehr wohl auch an Christen.

Allzu leicht wird  – oftmals eher unbewußt  – der Weg vom Glauben zum Aberglauben überschritten, wenn magisches Denken die religiöse Haltung prägt. Derartige Denkweisen können auch im „christlichen“ Gewande einhergehen, dies ist dann sogar verführerischer als eine direkt erkennbare „Zauberei“ und Magie in Heidentum und Okkultismus.

Seit jeher geistern durch die Christenheit gewisse archaische, schon im Altertum wirksame Motive des Aberglaubens, die sich jeweils in einem neuen Kostüm präsentieren.

Nicht nur im ländlichen „Volksglauben“ finden sich magisch anmutende Gewohnheiten und „Bräuche“, auch Stadtbewohner bleiben vor paganen Versuchungen nicht verschont, wenngleich sich diese Mentalität dort eher in einer esoterisch-„modernen“ Verhüllung präsentiert, etwa per „Wunscherfüllung durch das Universum“, fernöstlicher Meditation, Spiritismus, mit Astrologie und „Chanelling“ etc.

Besprechungen, Gebetsheilungen und „Sympathie“

Auf dem Lande sind es hingegen eher althergebrachte Forme(l)n, die sich bis heute erhalten haben, vor allem das sogenannte „Besprechen“, auch „Sympathie“ genannt.

Der Ausdruck „Sympathie“ entsteht durch die esoterische Vorstellung, wonach die makrobiologische Welt – das Universum –  mit der mikrobiologischen Welt des Menschen in direkter Beziehung steht, also harmoniert, sich entspricht, gleichsam „sympathisiert“. (Natürlich gibt es durchaus manche Zusammenhänge der Schöpfung im großen wie im kleinen, aber eben keine unmittelbare bzw. umfassende „Entsprechung“  beider Dimensionen.) 

Das Spektrum solchen „Besprechens“ reicht von Fernwirkungs-Formeln für kranke Tiere im Stall über das sogenannte „Brand löschen“ oder Warzen entfernen mit astrologischem Hintergrund bis hin zu Hexenwahn und Angst vor dem „bösen Blick“.

Man spricht in diesem Kontext auch von „Gebetsheilung“, wobei dieser Ausdruck irreführend ist, denn es wird zwar Heilung erwartet (und nicht selten trifft sie ein), aber dem Wunscherfüllungs-Automatismus liegt kein wirkliches Bittgebet im christlichen Sinne zugrunde, sondern eine bestimmte, oft als geheimnisvoll gehandelte „Formel“, die als „wirksam“ angesehen wird, die man in keinem seriösen Gebetbuch findet (schon eher in alten „Zauberbüchern“), die aber meist auf althergebrachten mündlichen Überlieferungen beruht.

Die dabei verwendeten  Sprüche muten oft banal bis absurd an, sie ergeben selten einen vernünftigen theologischen Sinn (was aber wohl gerade der „Sinn“ sein soll) – und die Angelegenheit wird auch dadurch nicht besser (im Gegenteil: noch bedenklicher!), daß die entsprechenden Verslein im Namen „Jesu“ oder noch öfter in den „drei höchsten Namen“ (trinitarische Formel) begonnen oder abgeschlossen werden.

2. Gebot: „Du sollst den Namen Gottes nicht mißbrauchen!“

Das ist – objektiv betrachtet – eine Vereinnahmung des dreieinigen Gottes zu abergläubischen Zwecken, mag es den Betreffenden auch subjektiv nicht bewußt sein, so daß ihnen die nötige Erkenntnis abgeht. Rein von der Sachlage her entspricht eine solche Einstellung aber jedenfalls nicht dem 1. und 2. Gebot Gottes (Keine anderen Götter, kein Mißbrauch des Namens Gottes).

Manchmal findet man derartige „Heilformeln“ sogar mitten in fromm-christlich erscheinenden Webseiten, z.B. hier: http://gebetbuch.com/gebete/heilgebete-besprechen

Dort heißt es z.B.: „Brand geh in den See, geh in den Sand und tu nimmer weh.“ – Der „Brand“ (Verbrennungen an der Haut) wird gleichsam mit einem beschwörenden Spruch fortgeschickt. Eine andere Formel  – hier gegen Schuppenflechte –  lautet: Die Asche und die Flechte, die flogen übers Meer, die Asche, die kam wieder, die Flechte nimmermehr.“

Sodann gibt es etliche Heilungs-Sprüchlein, die damit beginnen: „Die hl. drei Könige zogen durchs Land…“ – oder: „Unser Herr Jesus zog durch das Land…“ – oder wie hier eine Formel gegen Herpes auf dem erwähnten Besprechungs-Blog: „Die Mutter Gottes zog übers Land, drei Rosen in der Hand, die erste weiß, die zweite rot, die dritte war der Tod, ganze Herpes Familie.“  – Oft werden solche Verse (leider!) mit dem „Ehre sei…“ beendet – oder wie HIER mit der trinitarischen Formel:

„Verstocke, verstumme, du frische Wunde,
wachse zusammen, Fleisch und Bein;
Dass es hart werde wie ein Stein.
Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Manchmal werden auch die Heiligen „bemüht“, vor allem volkstümlich bekannte wie Laurentius – so etwa hier  – Quelle: http://www.heilungmitliebe.de/Brandloeschen%2020161130.pdf – das folgende Beispiel:
„Heiliger Laurentius mit Deinem Rost,
gib` mir die Gnade und den Trost,
daß ich kann heilen mit meiner Hand
diesen Brand !
Gott Vater (Verbrennung über die betroffene Stelle „wegblasen“)
Gott Sohn (Verbrennung über die betroffene Stelle „wegblasen“)
Gott heiliger Geist (Verbrennung über die betroffene Stelle „wegblasen“). Amen“

Der wahre Gott hat es gewiß nicht nötig, sich einer bestimmten magischen „Formel“ des Menschen zu unterwerfen, bei deren Anwendung er gehorsam „funktioniert“ und als Befehlsempfänger und Wunscherfüller fungiert.

Der wahre Gläubige ist zum Kreuzweg bereit

Gewiß erhalten  – so GOTT will  –  bisweilen auch im rechten Geist gesprochene Gebete von Christen ihre Erfüllung, denn dem Allmächtigen sind keine Grenzen gesetzt. Nicht ohne Grund sagt der gläubige Volksmund: „Der liebe Gott tut nichts als Fügen.“

Aber der wirkliche Gläubige weiß, daß seine Bitten unter der Voraussetzung stehen: „Dein Wille geschehe!“ –  Er weiß sich mit Christus auf dem Ölberg im Geiste verbunden und ist auch zum „Kreuzweg“ bereit, denn unser Leben im Diesseits ist kein Paradies und kein idyllischer Rosengarten, sondern unsere Bewährungsprobe für die Ewigkeit.

Freilich finden wir allerlei Aberglaubensweisen nicht nur in „Volksbräuchen“ und ländlichen Gewohnheiten, sondern gerade auch in neueren Bewegungen, dort freilich besser verpackt, noch stärker christlich garniert oder gar „biblisch“ begründet.

Dies gilt beispielsweise für die protestantische Sondergruppe der Adventisten. Auf einer entsprechenden Webseite heißt es kurzerhand, wir sollten als Gläubige die Verheißungen Gottes „in Anspruch nehmen“ – und schon klappt es mit der Gebetserhörung, die im Grunde keine ist, denn es ging ja gar kein eigentliches Bittgebet voraus, sondern man erwartet von oben schlichtweg die Einhaltung der vermeintlichen „Zusagen“. 

Das ist eine verstiegene Form des „Glaubens“, die letztlich Gott auf die Probe stellen und seine Erfüllung gleichsam herbeizwingen möchte. Davor hat schon Christus gewarnt, als er vom Satan in der Wüste versucht wurde: „Du sollst den HERRN, Deinen Gott, nicht versuchen!“

Jene maßlose Haltung, vom Himmel ständige Gebetserhörungen zu erwarten, gibt es auch und gerade in der Charismatischen Bewegung – und das beileibe nicht allein bei den Verkündern eines sog. „Wohlstandsevangeliums“.

Natürlich präsentiert sich diese Mentalität dort in einem speziellen Gewande, meist bezogen auf den Heiligen Geist und seine „Segnungen“, die man natürlich „in Anspruch nehmen“ sollte; bei der protestantischen Pfingstbewegung gerne garniert mit Hinweis auf „biblische Verheißungen“, die teils direkt so verstanden werden, als ob sich jedes Bittgebet erübrigt, denn was Gott doch ohnehin zugesagt habe, brauche man nicht mehr eigens zu erflehen. 

Gottes Verheißungen „in Anspruch nehmen“…?

Man spricht in der Religionswissenschaft diesbezüglich von einer Spiritualität der Anamnese (Vergegenwärtigung), wonach wir die Heilsversprechen des Himmels nicht etwa erbitten, sondern „proklamieren“, ausrufen, als gleichsam „schon geschehen“ betrachten sollen. Gebet und „Segnung“ werden direkt verknüpft, beides als hier und heute gegenwärtig angesehen. Aus dem Gebet wird eine „Verkündigung“, Gottes Zusagen gilt es zu proklamieren….

Ein bezeichnendes Beispiel hierfür sei mit dieser schwarmgeistigen Webseite erwähnt: http://mediathek.jule-pape.de/

Hier werden vor allem Texte der bekannten evangelischen Pfingstpredigern und Fernseh-„Evangelistin“ Joyce Meyer aus den USA präsentiert, ergänzt u.a. mit Ausführungen des katholischen Charismatikers Dr. Johannes Hartl (Gebetshaus Augsburg, MEHR-Konferenz). In ökumenischer Eintracht scheint man sich weitgehend einig zu sein, was „Gottes Verheißungen“ anbelangt.

So heißt es z.B. hier (http://mediathek.jule-pape.de/david-gotts-verheissungen-fuer-uns-in-anspruch-nehmen/Joyce Meyer, Hartl) ganz typisch:

„Alles, was Gott versprochen hat, ist ein Ausdruck Seines Herzens und Seines Willens, ganz gleich, ob es Heilung, Segen oder Wegweisung ist….Gebet bedeutet, Gottes höchste Bereitschaft in Anspruch zu nehmen….Die Tatsache, dass Er uns überhaupt Verheißungen gegeben hat, ist Beweis genug für Seine Bereitschaft. Manche Menschen sagen: „Ich weiß nicht, ob es Gottes Wille ist, mich zu heilen….“ Was sagt Gott in Seiner Verheißung? Das sollte das Ende der Diskussion sein.“

Vonwegen  – damit fängt die Diskussion erst richtig an, denn eines ist klar:

Eine Spiritualität, die sich gleichsam am Kreuz vorbeimogelt, bei der nicht die Nachfolge Christi, sondern die „Segnungen“ von oben im Vordergrund stehen, gefällt zwar unseren allzumenschlichen Bedürfnissen, entspricht aber nicht dem „schmalen Weg“, der zur ewigen Glückseligkeit führt.

Dabei bietet der „breite Weg“ teils nicht nur Esoterisches, sondern allerlei fromm wirkende Glaubensformeln oder „wundersame“ Phänomene (charismatisches Handauflegen, „Ruhen im Geist“ und dergl.), erscheint aber jedenfalls attraktiver als ein bescheides Bittgebet an Gott und die Bereitschaft, notfalls auch in Krankheit und Leiden auszuharren. Diese Gesinnung der Opferbereitschaft bedeutet aber wahres Gottvertrauen, nicht das irrgeistige Proklamieren und Reklamieren von „Verheißungen“. 

Gilt das Vaterunser allein für damalige Juden?

Eine anders geartete Variante dieser Art einer vermeintlich hochfliegenden „Frömmigkeit“ finden sich in der protestantischen „Brüderbewegung“ (nicht zu verwechseln mit den evang.“Brüdergemeinden“ der Herrenhuter Richtung), die sich auf den evangelischen Exegeten John Nelson Darby und seine Lehre von den verschiedenen „Haushaltungen“ (Heils-Dimensionen) Gottes beruft.

Bei Darbysten wird nicht der charismatische, sondern ein kurios-biblizistischer Ansatz bemüht:

Die Gläubigen befänden sich im Geiste bereits in den „himmlischen Örtern“, die Bittgebete aus dem Vaterunser hätten nur für die damaligen Juden gegolten, ab dem Kreuzestod Christi lebe man bereits in der Dimension der erfüllten Verheißungen. Es gehe daher um eine „Inanspruchnahme“ der Heilsereignisse und ihrer Früchte bzw. Segnungen. (Näheres dazu in dem theologisch-biographischen Buch „Endlich zuhause – mein Weg zur Kirche“ – über die Konversion eines Historikers und Ex-Darbysten).

Gregg Braden: Gebet ist Emotion plus Gefühl gleich Erfüllung….

Damit nicht genug, werden in „christlich“-gnostischen Strömungen weitere „theologische“ Formen einer verstiegenen Position präsentiert, neuerdings z.B. hier:

https://www.pravda-tv.com/2018/04/von-der-kirche-unterdruecktes-wissen-altes-manuskript-besagt-menschen-haben-uebernatuerliche-kraefte/

Der Autor Gregg Braden lehrt demnach eine „fünfte Art des Betens“, die nicht mehr auf der üblichen kirchlichen Bittgebets-Logik basiert, sondern vielmehr „auf Gefühl gegründet“ sei. Das mute, so heißt es dort, „geradezu revolutionär“ an. Dabei wird  – wie so oft in der Esoterik  – die Quantenphysik bemüht und im eigenen „feinstofflichen“ Sinne ausgelegt. Auf dieser „energetischen“ Grundlage (nach dem Motto: Alles ist letztlich nur Energie) wird gesagt:

„Die jeweilige Emotion bestimmt das Motiv unseres Gebets. Man kann sie auch als das Verlangen beschreiben, mit dem unsere Vorstellungskraft nach einer Lösung sucht. Aus der Verbindung von Gedanke und Emotion entsteht das Gefühl. Wenn uns diese drei Anteile des Gebets vollkommen bewusst sind, können wir eine wahrhaft kraftvolle Vision entwickeln, die als eine Veränderung unserer Realität Gestalt annehmen kann.“

Es heißt dann weiter, Unser „Herzenswunsch wird in dieser Form des Gebets zu einer verkörperten Bewusstheit“  – und man könne sich leicht vorstellen, „wie intensiv Massengebete sein können, die auf diese Weise abgehalten werden, zum Beispiel auch über das Internet!“

Angeblich sei das „Massengebet“ jene Technologie, die „das (kollektive) Bewusstsein berührt.“ – Wenn man also „das Gebet als ein Gefühl“ ansehe, gehe es nicht mehr um unklare Fragen der Gebetserhörung, sondern das gewünschte Ergebnis sei „bereits geschaffen worden“.

Unsere Auflistung verschiedener Formen des (Aber-)Glaubens ist keineswegs vollständig, sondern sollte nur schlagwortartig einige Bereiche und Beispiele aufzeigen und zugleich grundsätzliche Haltungen einer wahrhaft christlichen Frömmigkeit  begründen, wie Christus sie uns vorgelebt hat, gipfelnd in dem vertrauensvollen Gebet unseres HERRN: „Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!“

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 


Aufgeklärtes Mittelalter: Der „Kanon Episcopi“ warnte eindringlich vor dem Hexenwahn

Von Felizitas Küble

Oft wird im Zusammenhang mit der Hexenverfolgung vom „finsteren Mittelalter“ besprochen, was aber historisch unsinnig ist, denn die systematische Ermordung der vermeintlichen Hexen begann erst Anfang des 16. Jahrhunderts und damit in der frühen Neuzeit. Von Julia Kesenheimer geschickt

Hingegen erwies sich das Mittelalter (vor allem das frühe Mittelalter und weitgehend auch das Hochmittelalter) nicht nur als immun gegenüber dem Hexenwahn, sondern bekämpfte ihn ausdrücklich  –  und zwar amtskirchlich-offiziell.

Erst im Spätmittelalter begann die Situation zu „kippen“. Die päpstliche „Hexenbulle“ von 1484, auf die sich der berüchtigte Hexenjäger Heinrich Kramer in Innsbruck (teilweise zu Unrecht) berief, vertrat zwar eine Bestrafung (Verhaftung) von Hexenmeistern und Zauberinnen, nicht jedoch ihre Ermordung.

Der Dominikanerpater Kramer  –  merkwürdigerweise ein glühender „Marienverehrer“  –  ging in seinem Fanatismus sehr viel weiter, zumal er vor allem das weibliche Geschlecht als hexenhaft verdächtigte; von diesem Inquisitor stammt jenes verhängnisvolle Buch mit dem Titel „Hexenhammer“, das den Hexenprozessen zugrundelag.

Dabei entstand dieses Buch als Rechtfertigungsschrift des Autors, denn zuvor hatte ihn der Bischof von Brixen, Georg Golser († 1489), des Landes verwiesen, weil er ihn und seine Hexenverfolgungen für verrückt hielt. Um sich gegen den kirchlichen Widerstand zu verteiden, schrieb Heinrich Kramer  – genannt „Insistoris“  –  also den „Hexenhammer“.

Ausgerechnet diese Erfahrung einer Niederlage führte also den Hexenmörder zum Verfassen seiner fatalen Schrift, die übrigens niemals kirchlich anerkannt wurde.

Der verirrte Geistliche hätte sich besser an der wahren, biblisch bezeugten Madonna orientieren sollen, die auf der Hochzeit zu Kana im Hinblick auf ihren göttlichen Sohn erklärte: „Was ER euch sagt, das tut!“  –   Jener merkwürdige Marienkult, der sich nicht an Christus und seinen Geboten orientiert, geht unfehlbar in die Irre.

Rein kirchenrechtlich gesehen war die „Hexenbulle“ allerdings nicht von Bedeutung (ganz zu schweigen vom absurden „Hexenhammer“). Das Schreiben von Papst Innozenz VIII. war ohnehin keine lehramtliche Erklärung, geschweige ein Dogma (sondern der Tendenz nach eine Verwaltungsverordnung)  –  und sie gelangte nicht in die Sammlung kirchlicher Rechtsvorschriften  –  sehr im Unterschied zum positiven „Canon episcopi“ aus dem Frühmittelalter, der sich eindeutig gegen den Hexenwahn ausspricht und diesen kirchlich bestraft sehen will. 038_35

Der Glaube an Hexen wird hier als unsinnige Einbildung und als ein vom Teufel verursachtes Wahngebilde abgelehnt, inbesondere der sog. „Hexensabbat“, wonach angeblich Frauen nachts mit dämonischer Kraft durch die Lüfte fliegen.

Diese Kirchenordnung war bis 1918 (also über tausend Jahre lang) Bestandteil des Kirchenrechts. (Bei der Kirchenrechtsreform 1918 hatte sich das Thema längst erübrigt.) Hingegen taucht die „Hexenbulle“ in keinem einzigen kanonischen Verzeichnis auf. (Gleichwohl ist ihre Wirkungsgeschichte natürlich äußerst schlimm und  verhängnisvoll.)

Zurück zum Kanon Episcopi bzw. „Canon episcopi“:

Diese kirchlichen Rechtsvorschriften aus dem 10. Jahrhundert fordern die Bischöfe und Priester auf, jene irrgläubigen Personen zurechtzuweisen und in hartnäckigen Fällen durch Ausschluß aus der Kirchengemeinschaft zu bestrafen, die den Glauben an Hexen verbreiten. Es werden darin „frevelhafte Frauen“ erwähnt, die sich einbilden (!) würden, „zusammen mit einer großen Anzahl anderer Frauen im Gefolge der heidnischen Göttin Diana auf Tieren nächtliche Flüge über große Strecken hinweg unternommen zu haben.“ bischof

Dieses frühmittelalterliche Werk verurteilt also den Hexenglauben und bezeichnet ihn sogar als teuflisch (er sei durch dämonisch inspirierte Einbildungen und Traumgesichte entstanden). Durch heidnische Vorstellungen und Wahngebilde würde, so wird in dem Dokument beklagt, dem Unglauben und Aberglauben im Volke Vorschub geleistet. 

Das ausgesprochen feministische und zudem sehr kirchenkritische Buch „Hexen“ von Erika Wisselinck würdigt diesen Kanon Episcopi als eine „für Jahrhunderte verbindliche kirchliche Rechtssprechung“ (S. 19). Dämonenangst und Zauberei-Wahnvorstellungen hätten daher als „heidnischer Aberglaube“ gegolten: „Sie hatten keinen Platz in der christlichen Lehre“. Insofern sei die „Haltung der mittelalterlichen Kirche eindeutig“ gewesen, stellt die Autorin positiv fest.

Im  Internetlexikon Wikipedia heißt es zum Stichwort „Hexenverfolgung“ ebenfalls: „Die alte Kirche war an Verfolgungen nicht beteiligt und lehnte die mit Hexerei verbundenen Ansichten und Praktiken als Aberglaube ab.“   – Es wird hinzugefügt: „Im karolingischen Frühmittelalter gab es keine Hexenverfolgung.“ 

Hingegen kannten bereits die heidnischen Germanen eine Verbrennung von angeblichen „Schadenszauberern“. Das Christentum bzw. die mittelalterliche Kirche hat dann mit derartigen Irrlehren und Praktiken aufgeräumt.

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Hexenverfolgung)

Thomas von Aquin befand sich hierbei auf Abwegen

Leider ist der sonst meist lobenswerte Kirchenlehrer Thomas von Aquin an der späteren Kehrtwende hin zum Hexenwahn nicht ganz unschuldig. Viele Hexenverfolger beriefen sich auf seine Äußerungen über Hexenluftfahrt, Schadenszauber, über Incubi und Succubi (also angeblichen Sex zwischen Menschen und männlichen/weiblichen Dämonen). Dabei orientierte sich der Philosoph zum Teil an einigen Vorstellungen des antiken Kirchenvaters Augustinus.

Zudem wurde im Mittelalter bisweilen nicht genügend zwischen Psycho-Krankheit und Besessenheit unterschieden. Wenn geistig verirrte oder hysterische Personen fabulierten, sie hätten Sexkontakt mit dem Teufel, wurde dies von manchen als ein vermeintliches „Selbstbekenntnis“ für bare Münze genommen. 

Noch hundert Jahre vor dem hl. Thomas waren Kirchenführer hier oftmals nüchterner: So hatte z.B. Bischof Burkard von Worms Kirchenstrafen für jene angedroht, welche dem Hexenwahn verfallen sind  –  und Bischof Johannes von Salisbury, der Oberhirte von Chartres im 12. Jahrhundert, warnte vor irrgeistigen Einflüssen des Satans, der die Genarrten zu heidnischem Aberglauben verführe: „Das erste Heilmitteln gegen solche Krankheit ist, daß man sich recht fest an den Glauben hält, seinen Lügen kein Gehör schenkt und solche jammervollen Torheiten in keiner Weise der Aufmerksamkeit würdigt.“

Diese Mahnung ist auch heute noch sehr aktuell: mögen sich die äußeren Formen wahngläubiger Vorstellungen auch geändert haben, so leider nicht die bleibende Faszination magischer, abergläubischer und falschmystischer Ideen und Praktiken.

Ergänzender Beitrag von Dr. Josef Bordat: https://charismatismus.wordpress.com/2013/03/29/dauerbrenner-hexenverfolgung-fakten-statt-legenden/

 


Bischöfe fordern Bestrafung von Mordtaten gegen „Hexen“ und „Zauberer“

Papua-Neuguinea: Mörderischer Aberglaube

In Papua-Neuguinea tagten die katholischen Bischöfe, Priester und aktiven Laien des Landes Ende September in Mendi zu Beratungen über Straftaten und Morde an Menschen, die der schwarzen Magie und der Hexerei verdächtigt werden. Dabei handelt es sich besonders um Frauen, die Opfer willkürlicher Hinrichtungen werden. 038_35

Ende August waren drei Frauen und ein Mann in der Region beschuldigt worden, den Tod einiger Einwohner durch Verzauberung herbeigeführt zu haben. Ein “Volksgericht” beschloss, die vier Angeklagten mit glühenden Eisenstangen zu foltern.

Bischof Donald Lippert von Mendi bekräftigt: “Es ist kaum möglich, den Aberglauben der Menschen zu kontrollieren, doch man sollte zumindest die Reaktionen kontrollieren können. Übergriffe auf Personen, die der „schwarzen Magie“ beschuldigt sind, werden erst dann aufhören, wenn die Täter bestraft werden”.

Erst im Jahr 2013 schaffte das Parlament in Papua-Neuguinea ein Gesetz über Hexerei aus dem Jahr 1971 ab. Das Gesetz unterschied „gute” von “schlechter” Hexerei und betrachtete im Mordfall den Hinweis, dass das Opfer der schwarzen Magie verdächtigt wurde, als mildernden Umstand,

Nach dem geltenden Recht gilt dieser absurde „mildernde Umstand“ nicht mehr. Doch die Gesetze werden nicht ausreichend umgesetzt. Dabei übt die Regierung nicht genügend Druck auf Polizei und Richter aus.

Quelle: Vatikanischer Fidesdienst


Papua-Neuguinea: Geisterglaube und Zauberei sind immer noch weit verbreitet

Obwohl die Mehrheit der Einwohner von Papua-Neuguinea (Südsee) formal einer christlichen Kirche angehören, sind Magie und Geisterglaube dort weit verbreitet.

Das berichtete der aus dem Land stammende evangelische Pfarrer Nawi Philip bei einem Vortrag in Kitzingen (Unterfranken):

„Hier in Deutschland halten mich die Leute für verrückt, wenn ich von Geistern rede, aber die Menschen in Papua-Neuguinea sehen das anders“, sagte der Theologe, laut einem Bericht des Online-Portals „infranken.de“ (5. Januar).

Philip zufolge werden vor allem unheilbare Krankheiten oder plötzliche Todesfälle mit bösen Geistern in Verbindung gebracht. Auf vielen Häusern und Zäunen seien Spitzen angebracht, die Geister abwehren sollten. Auch in Tänzen spiele der Geisterglaube eine Rolle.

Der Pfarrer stellte klar: „Man kann nicht Gott dienen und von anderen Göttern reden oder gar an sie glauben.“

In der Diskussion nach dem Vortrag vertraten Zuhörer die Ansicht, daß der Glaube an Geister auch in Deutschland anzutreffen sei. „Wir nennen es Aberglauben, aber eigentlich ist es nichts anderes als Geisterglauben“, sagte ein Besucher.

Pfarrer Philip verneinte in der Aussprache die Frage, ob Zauberer manchmal gute Kräfte hätten. Sie hätten zwar eine reale Kraft, aber das sei letzlich immer eine böse Macht.

Quelle: http://www.idea.de