Das ZEIT-Porträt über Kardinal Robert Sarah sieht ihn als Anführer der Konservativen

„Es geht nicht nur um die Ehe, es geht ums Ganze“

Die liberale Wochenzeitung DIE ZEIT befaßt sich in ihrem Webportal „ZEIT-online“ am heutigen 3. Oktober mit dem vatikanischen Kurienkardinal Robert Sarah.

Unter dem Titel „Der Anführer“ schreibt Julius Müller-Meiningen durchaus sachlich und ausgewogen über den schwarzafrikanischen Würdenträger. Cardinal_Robert_Sarah

Der Artikel bezieht sich aktuell auf die römische Bischofssynode zu Ehe und Familie: „Es geht nicht nur um die Ehe, es geht ums Ganze. Kardinal Robert Sarah aus Guinea hat sich an die Spitze der Konservativen gesetzt.“

Wie bereits mehrfach in unserem CHRISTLICHEN FORUM berichtet, betont der Präfekt der vatikanischen Gottesdienstkongegration (siehe Foto) die notwendige Treue der Kirche zur Lehre Christi  –  und lehnt daher eine katholische Unterwerfung unter den Zeitgeist ab. Den Versuch von westlicher Seite, die Kirche Afrikas auf einen modernistischen Kurs zu bringen, kritisiert er als „Neo-Kolonialismus“.

Als er kürzlich sein Interview-Buch „Gott oder nichts“ im Fe-Verlag veröffentlichte, reiste Kardinal Gerhard Müller eigens von Rom nach Regensburg, um die aufsehenerregende Publikation des afrikanischen Kirchenmannes auf einer Pressekonferenz zu würdigen.

Julius-Müller Meiningen macht in seinem Artikel darauf aufmerksam, daß Kardinal Sarah einst die Unterdrückung der Kirche unter der kommunistischen Diktatur in Guinea hautnah miterlebte, als er als junger Pfarrer den bedrängten Katholiken mutig die christlichen Wahrheiten verkündete. Mit 34 Jahren wurde er zum weltweit jüngsten katholischen Bischof geweiht. 

Der Autor schreibt hinsichtlich der vatikanischen Synode: „Wieder einmal geht es um Wahrheit, wie eigentlich immer im Leben von Robert Sarah. Auch diesmal steht viel auf dem Spiel, vielleicht sogar die Richtung, in die sich die gesamte katholische Kirche bewegt.“

Der Verfasser erinnert auch an folgende charakteristische Aussage Sarahs: „Ich bin sicher, dass das Rot meiner Kardinalswürde tatsächlich der Widerschein des Blutes vom Leiden der Missionare ist, die bis ans Ende Afrikas kamen, um in meinem Dorf das Evangelium zu verkünden.“ gott-oder-nichts_m

Der Kardinal vermerkte in seinem Buch den eindeutigen Leitsatz: „Ich möchte feierlich erklären, dass sich die afrikanische Kirche jeder Rebellion gegen die Lehre Jesu und des Lehramts entschlossen widersetzen wird.“

Müller-Meiningen äußert sich sodann folgendermaßen:

„Es ist verlockend, in Sarah einen Gegenspieler zu Papst Franziskus zu erkennen, dem Papst, der ganz offensichtlich den Charakter der Kirche verändern will.

In ihrer Zivilisationskritik, der Anklage gegen die Ausbeutung der Armen, der Rückkehr zur Radikalität des Glaubens und der Verachtung einer sogenannten Gender-Ideologie sind sich die beiden aber durchaus einig. Auch vom Teufel sprechen sie beide.

Während der mild erscheinende Pastor Franziskus aber den moralischen Zeigefinger für immer in der Asservatenkammer verstauen will, hält ihn der kompromisslose Missionar Sarah für so notwendig wie nie zuvor.“

Die bekanntesten bisherigen „Hoffnungsträger“ der theologisch konservativen Katholiken sind zweifellos die Kardinäle Gerhard Müller, Robert Sarah und Raymond Burke, der jedoch als Präfekt der Apostolischen Signatur (höchstes vatikanisches Gericht) von Papst Franziskus amtsenthoben wurde. Hierzu schreibt der ZEIT-Autor, daß Burke diesmal bei der Synode „nicht mit von der Partie“ sei:  „Franziskus hat seinen lautstärksten Kritiker abserviert“.

Die Bedeutung der afrikanischen Kirche sollte freilich nicht unterschätzt werden. Dazu Müller-Meiningen: „Weil die Zahl der Katholiken in Afrika im vergangenen Jahrhundert von etwa zwei Millionen Gläubigen auf 200 Millionen hochschnellte, versteht sich die Kirche des Kontinents als dynamischer Wegweiser.“

Außerdem erwähnt er folgende Aussage von Kardinal Sarah: „Niemand, selbst der Papst nicht, kann die Lehre Christi zerstören oder verändern. Niemand, selbst der Papst nicht, kann die Seelsorge der Doktrin entgegensetzen.“ 


ZEITgeistiger ZEIT-Artikel über Ehe, Unfehlbarkeit und Kardinals-Kontroversen

Von Felizitas Küble

Unter dem Titel „Konservative fürchten um das Ehesakrament“ veröffentlichte ZEIT-online am gestrigen Sonntag, den 23.2.2014, einen Artikel von Wolfgang Thielmann zur aktuellen innerkirchlichen Debatte über Ehe, Familie, „Reformen“ und Zeitgeist.

Foto: Radio Vatikan

Foto: Radio Vatikan

Dabei verteilt der Autor reichlich „Spekulatius“ bzw. Vermutungen darüber, wie der Papst (siehe Foto) angeblich denkt, etwa über einen bislang unveröffentlichten Vortrag des als liberal geltenden Kurien-Kardinals Kasper, der  „mit höchstem Lob von Franziskus“ bedacht worden sei  –  Belege hierfür werden nicht erwähnt.

Unter Konservativen gehe nun die Angst um, mutmaßt Thielmann, daß Franziskus in dieser Causa nicht auf Seiten von Kardinal Gerhard L. Müller, sondern auf Seiten Kaspers stehe:

„Den Papst darf man nicht kritisieren. Denn er kann unfehlbar entscheiden. Jedenfalls müssen Katholiken das glauben. Und die Unfehlbarkeit färbt ab auf alles, was er sagt.“

„Setzen, nachbüffeln!“ kann man da nur sagen, denn kein einziger Satz ist hier zutreffend:

1. Den Papst darf selbstverständlich jeder Katholik kritisieren, auch der Frommste im Kirchenvolk.

2. Der Papst „kann“ zwar unfehlbar entscheiden, aber durchaus nicht willkürlich: Der Papst handelt nämlich nur dann unfehlbar, wenn er verbindlich und feierlich („ex cathedra“) ein Dogma für die ganze Weltkirche verkündet; dieses wiederum muß mit der kirchlichen Lehre und Tradition vereinbar sein, kann also nicht päpstlicher Willkür oder Laune entstammen. Petrischlüssel

3. Wie „häufig“ Päpste jene Unfehlbarkeit in Anspruch nehmen, zeigt sich daran, daß in den letzten 150 Jahren sage und schreibe zwei Dogmen verkündet wurden.

4. Unsinnig ist auch die steile Behauptung, wonach das Amts-Charisma der Unfehlbarkeit „auf alles abfärbt“, was ein Papst sagt. Der ZEIT-Redakteur präsentiert hier  –  sei es bewußt oder mangels Sachkenntnis  –  ein Zerrbild der kirchlichen Lehre über die päpstliche Unfehlbarkeit.

Thielmann erwähnt sodann einen früheren reformerischen Vorstoß Walter Kaspers gemeinsam mit zwei anderen Oberhirten in puncto Sakramentenpastoral bei geschieden-„Wiederverheirateten“  –  und fügt hinzu:

„Doch der Chef der Glaubenskongregation im Vatikan fegte die Initiative der drei Bischöfe vom Tisch. Er hieß Joseph Ratzinger.“

Ja, Kardinal Ratzinger blieb unbeugsam  – und das war auch gut so!

Der ZEIT-Autor fährt fort:

„Der heutige Chef der Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller, wurde gerade zum Kardinal erhoben. Was Ehe und Familie angeht, denkt er genau wie sein Vorvorgänger Ratzinger. (…) Im November noch wies er den Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch zurecht. Der hatte zugelassen, dass in seinem Bistum der Vorschlag verbreitet wurde, die zweite Ehe wenigstens zu segnen. Müller sah darin einen Verstoß gegen katholische Lehre.“

Natürlich widerspräche eine derartige kirchliche „Segnung“ den klaren Worten Christi, wonach es einen Ehebruch darstellt, nach Scheidung einer gültigen Ehe erneut zu heiraten, weil damit die eheliche Treue und die Unauflöslichkeit der Ehe unterlaufen wird, die in der katholischen Kirche immerhin zu den sieben heiligen Sakramenten zählt.

Die Kirche besitzt durchaus kein „Verfügungsrecht“ über die von Gott verkündeten Gebote und über die von Christus gegründeten Sakramente.

Mit „Reformen“, die der Ehelehre der Heiligen Schrift widersprechen, würde die Kirche eine WILLKÜR-Herrschaft etablieren: Nicht mehr der Wille Gottes wäre dann maßgebend, sondern die vielfältigen Wünsche diverser Zeitgeistlicher. Doch an die Gebote des Ewigen hat sich auch und gerade die Kirche selber zu halten  – und daran festzuhalten.

Felizitas Küble leitet das Christoferuswerk und den KOMM-MIT-Jugendverlag in Münster