Wie finden Jugendliche aus dem hemmenden „Zauberkreis des Ego“ heraus?

Von Christa Meves

Gegen Ende der 60er Jahre hatte ich in meiner psychotherapeutischen Praxis eine bedrängende Feststellung gemacht: Immer häufiger wurden mir Jugendliche zugewiesen, die man in der Fachsprache damals als „wohlstandsverwahrlost“ bezeichnete.

Das Verhalten dieser Jugendlichen war durch ihre Lustlosigkeit, durch ihr merkwürdiges Unvermögen, sich aus der Tiefe der Seele heraus freuen zu können, gekennzeichnet. Stattdessen stumpfe Gleichgültigkeit, versteckt drängende Habgier, aschgraues Sich-elend-Fühlen.

Diese Haltung war umso bedenkenswerter, als selten einmal eine äußere Notsituation vorhanden war. Sie war allenfalls durch ein solches Verhalten sekundär entstanden. Die Unfähigkeit, sich zu freuen, war aber längst vorhanden gewesen, bevor die Not zu einer äußeren Lebensschwierigkeit wurde.

Interessanterweise ist das Unvermögen zur Freude bei dieser Störung grundsätzlich gekoppelt an eine merkwürdige Einengung der Wunschwelt. Schulterzuckend sind dann die Antworten, wenn man solchen Jugendlichen die „Wunschprobe“ als Test stellt. Mit hängendem Kopf wird gemurmelt: „Viel Knete“, „immer was zu trinken haben“, „Ecstasy frei Haus“ oder noch ein wenig aufmüpfig: „Meine Ruhe will ich haben.“ „Anständig was zu essen – Döner und so.“

Es wird deutlich: Die freudlose Gestimmtheit dieser Jugendlichen kreist um sich selbst. Im Zentrum steht die Suche nach forderungsloser Passivität, die das Glück aber auch nicht zu erbringen vermag. Das haben sie durch Im-Bett-Bleiben bereits ausprobiert. Wie eine Fliege im Netz sitzen solche seelisch Kranke im Netz einer unsichtbaren Spinne.

Aber bereits vor 50 Jahren konnte ich bei diesen Jugendlichen eine große Ähnlichkeit in ihren Vorgeschichten registrieren. Solche Pubertierenden haben in der Mehrzahl Eltern, die durch die gesamte Kindheit ihres Sprösslings hindurch keine Zeit für ihn hatten. Die Eltern waren meistens beide ganztags erwerbstätig oder anderweitig beschäftigt und vernachlässigten dadurch ihr Kind.

Damals bereits begann mich das zu alarmieren. Man konnte wohl voraussagen, dass dieser Trend – vom Zeitgeist unterstützt – immer höhere Zahlen solcher geschwächten Jugendlichen und im folgenden Jahrhundert einen Mangel an arbeitsfähigen jungen Menschen hervorbringen würde.
 
Diese Befürchtung hat sich heute für unsere Republik in der Tat in erschreckenden Zahlen bewahrheitet. Und zwar nicht nur in dieser Pathologie einer depressiven Lustlosigkeit allein, sondern unter den Vitalen auch mit einem erheblichen Potenzial an sprungbereiter, unterschwelliger Aggressivität; denn wie ein Rucksack mit Sprengstoff hat diese sich jetzt in ihrer Seele durch die vielen Misserfolge und durch die empörten elterlichen Reaktionen angehäuft.

Damals gab ich Befürchtungen über die Zunahme dieser Negativentwicklung in Büchern und Vorträgen Ausdruck, musste dabei aber feststellen, dass die Bevölkerung sich zwar außerordentlich aufnahmewillig zeigte, dass aber die Regierung insgesamt wirtschaftlichem Glanz mehr Vorrang gab als der seelischen Gesundheit ihrer Bevölkerung.

So wurden flächendeckend Kitas eingerichtet, obgleich es  besonders falsch ist, das Kind in seinen ersten drei Lebensjahren nicht in der direkten Nähe der Mütter zu belassen; denn in dieser Phase stanzt sich die maßgebliche Lebenskraft in die Seele des Kindes geradezu ein oder diese bleibt z. B. durch Kita-Schicksal ab dem ersten und zweiten Lebensjahr unzureichend entwickelt!

Heute müssen wir schon in den Großstädten mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen rechnen; denn nicht selten haben die Jugendlichen sich aus den Familien losgemacht oder sie sind von den Angehörigen vor die Tür gesetzt worden und haben sich einer Gang oder ähnlich aufrührerischen Gruppen angeschlossen.

Aber lassen sich denn nicht wenigstens die passiven Jugendlichen dieser Kategorie per Therapie zu einer konstruktiven Lebensfreude befreien? Und wie könnte das zugehen?

Therapeuten machen die Erfahrung, dass sich solche Fehlhaltungen erst zu ändern beginnen, wenn die Jugendlichen, die in dieser Weise entgleist sind, sich langfristig – in ständiger Begleitung gekonnter, liebevoller Fachhilfe – selbst auf den richtigen Weg begeben.

Alle noch so gut gemeinten opfervollen Zuwendungen nützen nichts, helfen den Kranken nicht aus ihrer unglücklich düster versteckten Anspruchshaltung heraus, wenn sie nicht in einem mühsamen Prozess des Einübens in sinnvolle Aktivitäten die Belebung neuer Hoffnung erfahren. Interessanterweise zeigt unsere Praxisarbeit, dass der Weg in die Lebensfreude bei solchen Kranken erst dann geschafft ist, wenn der Genesende empfindet, dass er zu etwas taugt, dass er etwas immerhin kann…

Wohlgemerkt: Es genügt keineswegs, dass einem solchen Jugendlichen eingeblasen wird, dass er auf alles Mögliche Rechte besitzt, dass es alle anderen ungerechterweise besser haben und es deshalb richtig wäre, es ihnen wegzunehmen… Dergleichen macht lediglich bürgerkriegstauglich.

Nein, es hilft allein, dass der junge Mensch bei sich selbst registriert, dass er zu etwas Konstruktivem zu gebrauchen ist. Sein Wertbewusstsein verwandelt sich erst dann in Lebensfreude, wenn er erfährt, dass sich in der Verwirklichung und Ausbildung seiner Gaben in der Ferne ein Ziel aufrichtet, auf das sich zugehen lässt. Erst dann lässt sich das Verharren in egozentrischem Versinken in Leere aufgeben und angesichts einer erfüllenden Aufgabe der hemmende Zauberkreis des Ego verlassen.
 
Am eindrucksvollsten erfuhr ich diese Gegebenheit in der Behandlung eines Jugendlichen, der als Einzelkind eines Ehepaares aufgewachsen war, das um den Erhalt seines Familienbetriebs über alle Maßen beschäftigt war. Alles Materielle stand dem Kind zur Verfügung, aber es verharrte in einer dumpfen Anspruchshaltung. Seine Arbeitsfähigkeit war gleich null, unentwegt Süßes essend und fernsehend saß er im Alter von 18 Jahren allein in einer Art „Leckerkuchenhaus“ und war trotz hoher Begabung so leistungsschwach, dass sein Schulabbruch im Gymnasium drohend bevorstand.

Durch das Nachholen einer echten Ich-Du-Beziehung in der psychotherapeutischen Behandlung begann er zunächst, mit nassem Ton zu spielen. Das machte ihm immerhin Spaß und so wuchsen daraus schließlich Figuren aller Art in gesteigerter Gekonntheit. Das Gespür für die Art seiner Begabung und schließlich der befreiende Ruck in die Erkenntnis, das Zeug zum Designer zu haben, brachten sogar bald weitere Erfolge künstlerischer Art ein – und das bedeutete für diesen Jungen die Befreiung zu einer Freude, die sein Lebensschiff endlich unter Dampf setzte.

In unserer allgemeinen Bildungs-, Schul- und Erziehungspolitik sind wir auf einem gefährlich falschen Weg; das lässt sich heute belegen. Hieb- und stichfest können wir das jetzt aussagen, denn wissenschaftlich ist es mittlerweile unter Einbeziehung der Hirn- und Hormonforschung bewiesen worden, dass ein solches trauriges Verhalten das Ergebnis unzureichender persönlicher Pflege und Ich-Du-Beziehung ist, besonders in den ersten Lebensjahren, aber weiterhin noch in der Schulzeit.

Allerdings: Befreiung aus solchen Brunnenschächten bedarf langer, langer Übungen und braucht den geduldigen Volleinsatz eines getreuen Therapeuten. Damals schrieb ich der FAZ ins Stammbuch: Aber wenn in dieser Weise einst eine traurig angewachsene Zahl junger Menschen so geschwächt sein wird: Woher dann all die Engel nehmen?!

Christa Meves ist Psychotherapeutin für Kinder/Jugendliche und Bestseller-Autorin; sie leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“, bei dem sich online weitere Infos und Artikel finden: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm

Gemälde: Evita Gründler


Neues Buch von Gabriele Kuby über die „verlassene Generation“ von heute

Rezension von Christa Meves

Ich möchte Ihnen heute ein Buch vorstellen, das vom Fe-Medienverlag Anfang September auf den Markt gebracht wurde. Es heißt „Die verlassene Generation“ von Gabriele Kuby.

Sie hat sich daran gemacht, eine Dringlichkeit zu verwirklichen. Es ist in seiner Art eine Neuheit: die ungeschminkte Darstellung der gesellschaftlichen Folgen einer Trendwende, die seit 50 Jahren in den westlichen Ländern zum Mainstream geworden ist.

Der einstige wilde Aufbruch in die Befreiung von allem und jedem zu neuen Lebensformen – vom Aufsprengen familiärer Bindungen bis zur Entfesselung der Sexualität – versprach zwar ab 1970 neues Glück. Aber hat das diese Veränderung auch wirklich erbracht?

Viele Bürger hat jetzt eher die bedrückende Ahnung gepackt: Nicht nur keineswegs – das Leben ist stattdessen schwerer, ja, oft sogar extrem unglücklich geworden – vom Schwierigwerden der Kinder, dem Zerbrechen viel zu vieler Beziehungen bis zur Vermehrung anhaltender seelischer Erkrankungen, die den Lebenserfolg einschränken.

Das darf nicht länger schöngeredet werden, das darf nicht länger willentlich ausgespart bleiben, sagt Gabriele Kuby – das muss auf den Tisch, das muss in seinen Ursachen zurückverfolgt, da müssen neue Forschungsergebnisse in ihrer Wichtigkeit erkannt werden und zur Bereitschaft zu konstruktiven Veränderungen führen.

Da müssen aus der Erfahrung gewonnene Einsichten in neuer Klarheit erkennbar gemacht und hervorgehoben werden. Jedenfalls: So kann, so darf es nicht weitergehen!

Das unzureichende Bekanntmachen der Fakten ist nicht nun immer weniger aushaltbar – das wird zu einer Schwäche der Gesellschaft, ja schließlich – bei den entsprechenden Mehrheiten – ist sogar eine menschenwürdige Existenz aller gefährdet!

Mit berserkerhafter Geradheit geht Kuby (siehe Foto) an die Aufgabe heran, hier verhängnisvolle Fakten der entstehenden Schäden beim Namen zu nennen und, besonders als Soziologin, die Zusammenhänge aufzudecken – in 13 Kapiteln, die es in sich haben.

Jede einzelne Zielrichtung wird kapitelweise behandelt: Unverblümt und in allen Einzelheiten geht es unter offenlegenden Benennungen zu, so z. B. in Kapitel 2: „Sex ja, Baby nein“. Da bleibt keine Methode der Verhütungsindustrie samt aller Neuheiten unerwähnt, und dann erscheint das ganze Gefüge keineswegs mehr nur lustvoll und harmlos…

Bei den Ergebnisfakten wird hier nichts ausgelassen. Das ist die Methode der Autorin: sichtbar zu machen, dass in den letzten Jahrzehnten bei wichtigen Lebensproblemen das natürliche, gesunde Empfinden der Bevölkerung zwecks Übernahme einer mainstreamstarken Meinung geradezu weggeschaltet, also zwecks Anpassung allgemein verdrängt wird.

Vollständige, tiefgreifende Aufklärung über das Abtreibungsgeschehen und über neue Möglichkeiten unnatürlicher Befruchtung z. B. wird auf diese Weise in den Hintergrund gedrängt.

Oder: Dass das tägliche Weggeben eines Säuglings im Empfinden jeder jungen, normalen Mutter wehtut und dass sie das eigentlich nicht will, ist erznatürlich. Aber das inflationierte Geld ist knapp geworden. Und so glaubt man selbst in den einzelnen betroffenen Familien immer häufiger den Ideologen, dass die Kinder im Kollektiv besser gedeihen, besser „gebildet“ werden als zu Hause. Das mag in Einzelfällen stimmen, aber nicht bei instinktsicheren, gesunden Müttern.

Was die Krippe an Negativem für die Babys im Gehirn – oft lebenslänglich – bewirkt, wird von Kuby ausführlichst dargelegt.

Sehr informativ sind auch die beiden Kapitel über das Eindringen der Sexvergötzung in die entsprechenden Institutionen, in Kindergarten, Grundschulunterricht und weitere Schulbereiche. Hier berichtet die Autorin von skandalösen Aktivitäten, die nicht altersentsprechend sind.

Hier ist für Laieneltern noch viel zu lernen, um rechtzeitig dem Ansturm ideologischer Eiferer in den Ministerien gewachsen zu sein, wenn unangemessener Sexualunterricht in der Grundschule und Sexualkundeunterricht im Jugendalter im Lehrplan stehen.

Wie deutlich wird es in den ersten 10 Kapiteln, dass – um Himmels willen – vordringlich vor allem bei solchen Unangemessenheiten die politische Richtung den Takt vorgibt, was natürlich inadäquat und damit schlimm falsch ist.

Drei Superschädigungsquellen am Schluss sind noch in weiteren Kapiteln zu benennen: die Scheidungserleichterung als Nestverlust für die Kinder, ihre einseitige Digitalisierung bei den Lernprozessen und eine leichtfertige, uneingeschränkte Zugangsmöglichkeit von Pornographie (besonders durch das Smartphone) auf dem Hintergrund internationaler Netzwerke mit verbrecherischem Kindsmissbrauch.

Spätestens beim Lesen des 12. Kapitels taucht die Frage auf: Warum haben wir das alles denn so, so lange schluren lassen?

Durch Kubys so eindringliche Schilderungen der negativen Folgen des Zeitgeistes wird uns mehr als an einem Beispiel deutlich, dass den großen Gefahren für die Zukunft aller die – nicht als Falle erkannten – oberflächlichen Lebenseinstellungen zugrunde liegen.

Gabriele Kuby streift zwar auf Seite 183 (1) meine damals bereits pointierte Öffentlichkeitsarbeit (ich war dem Protagonisten Kentler 1968 im Rahmen der EKD zum ersten Mal begegnet und hatte unverzüglich ein Gegenbuch geschrieben, um der drohenden Schändung von Kindern „als höchstes Glück der Erdenkinder“ warnend zu begegnen).

Aber jetzt erst scheint die Zeit zum einhelligen Widerstand von Menschen mit gesundem Verstand und einer verantwortungsbewussten Gesinnung eingetreten zu sein.

Jetzt erst – nach längst eingetretenem Unglück – kann von Gabriele Kuby mit trauriger Ernsthaftigkeit und fleißigster Recherche mit dem notwendigen Entsetzen – hoffentlich erfolgreich – darauf reagiert werden.

Jetzt erst scheint die Zeit zu vielzähligem Widerstand der Menschen mit gesundem Menschenverstand da! Erst wenn der Zahnschmerz übermächtig wird, kann die Wahrheit ans Licht: Dieser Zahn muss raus! – Nach Kubys Buch kann es kein Ausweichen mehr geben.

Aber von einem rasanten Sanierungswillen allein sind die fast 400 Seiten dieses Buches keineswegs beherrscht.

Es trägt außerdem die Merkmale eines „hörenden Herzens“, es ist von einem Hinauffragen nach konstruktiven Wegen, die mit der Schöpfungsordnung übereinstimmen, durchzogen. Angehängt ist außerdem der Bericht einer in Kanada aufgewachsenen, gebildeten Rumänin als konkretes Beispiel eines gesunden Familienlebens in diesem Sinne.

Die Quintessenz aller ihrer Einsichten finden wir auf den letzten Seiten des Werkes: „Jeder hat (jetzt, d. Verf.) die Wahl, weiter auf irdischen Sicherheiten zu bauen oder den großen Sprung in den Glauben zu wagen und sein Leben auf Gottes Zusagen, Verheißungen und Gebote zu bauen“ (2).

Danach gilt es also, sich auszurichten. Das ist der Geist, aus dem in später Stunde – wahrheitsgemäß und absolut unerschrocken – dieses Buch geschaffen worden ist.

(1) Kuby, Gabriele:  Die verlassene Generation, Fe-Medienverlag, Kissleg 2020, S. 183.
(2) Dieselbe: S. 351.


Die Bistumsleitung Essen polemisiert gegen das Vigano-Manifest und Kardinal Müller

Von Felizitas Küble

Mit dem Kirchenrecht pflegen einige Bistumsleitungen kein sehr inniges Verhältnis, stattdessen umso mehr mit dem Zeitgeist – oder dem, was diese Herren dafür halten.

Am 11. Mai 2020 erschien z.B. auf der amtlichen Internetpräsenz der Diözese Essen eine scharfe Attacke auf den „umstrittenen“ Vigano-Aufruf, der auch von Kardinal Müller unterzeichnet wurde: https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/bischof-overbeck-und-generalvikar-pfeffer-wenden-sich-gegen-corona-aufruf-konservativer-bischoefe/

Das großformatige Foto dort zeigt Bischof Franz-Josef Overbeck und rechts neben ihm seinen Generalvikar Klaus Pfeffer, wobei dieser Geistliche erkennbar seine kirchenrechtliche Pflicht mißachtet, als Priester eine Klerikerkleidung zu tragen (mindestens Kollar = römischer Kragen). Eine Krawatte und ein Kreuzlein am Revers sind beileibe kein Ersatz dafür.

Aber nicht „nur“ das Kirchenrecht wird links liegen gelassen. sondern auch das ABC der Fairneß:

Unter dem Titel „Bischof Overbeck und Generalvikar Pfeffer wenden sich gegen Corona-Aufruf konservativer Bischöfe“ wird dem Vigano-Manifest vorgeworfen, es enthalte „krude Verschwörungsmythen“ (gemeint ist damit wohl vor allem die Warnung vor einer Weltregierung), wobei „keine Fakten und Belege präsentiert“ würden.

Hierzu sei klargestellt:

1. Ein öffentlicher Appell ist keine Doktorarbeit und enthält üblicherweise keine Fußnoten. Vielmehr handelt es sich um einen „Weckruf“, der zum Nachdenken anregen, zu Diskussionen aufrütteln und zu diesem Zwecke sicherlich auch „provozieren“ will.

2. Generalvikar Pfeffer veröffentlichte seinen Rundumschlag ausgerechnet im „Spiegel“. Bernhard Zand, der Auslandskorrespondent dieses Hamburger Magazins, hat selber am 19.3.2020 eine Weltregierung vorgeschlagen, um die Corona-Pandemie besser zu bewältigen:

„Krisen wie diese bräuchten eine Art Weltregierung – so vorläufig und unvollkommen sie unter dem Druck der sich überschlagenden Ereignisse auch sein mag. Solche Krisen brauchen Abstimmung und Zusammenarbeit weit über nationale Grenzen, ja über Kontinente hinweg.“  (Quelle: https://www.spiegel.de/politik/ausland/coronavirus-krise-wir-brauchen-eine-weltregierung-a-058a25cf-646a-466f-a969-7a40a517feb0)

Auch von anderer Seite ertönt jetzt verstärkt der Ruf nach einem Weltstaat  –  wie kürzlich hier im CF aufgelistet: https://charismatismus.wordpress.com/2020/05/13/weltregierung-eine-verschwoerungstheorie/

Weiter heißt es auf der Bistumsseite Essen, den Generalvikar mache es „fassungslos“, wenn „hochrangige Vertreter“ der Kirche „so etwas“ verbreiten. Danach werden Kardinal Müller sowie der chinesische Kardinal Zen namentlich erwähnt, die das Vigano-Manifest unterzeichnet haben.

Sodann wird auf einen Text von Ruhrbischof Overbeck verwiesen, der den speziellen Beitag der Kirche in der Corona-Krise wie folgt beschreibt: „Solidarität zu üben als deutliches Zeichen der Entschlossenheit, sich für das Gemeinwohl und für soziale Gerechtigkeit einzusetzen“.

Geht es dem Oberhirten von Essen nur noch um das „Gemeinwohl“ und die „soziale Gerechtigkeit“? – Von Gott und seinem Reich steht hier kein Wort.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Fotos: Bistum Regensburg (1), Dr. Bernd F. Pelz (2)


Zum Niedergang der CDU: Der Partei fehlt ein Wertegerüst und der Kompaß

Von Peter Helmes

Freiheit und Subsidiarität war früher, Verbeugung vor dem Zeitgeist ist heute. Die CDU hat – wie nahezu alle Parteien – über viele Jahre hinweg ihre innere Struktur sowie ihr äußeres Erscheinungsbild geändert.

Bei der CDU geschah (und geschieht) dies aber so radikal und fundamental, daß die Partei im Vergleich zu ihrem Erscheinungs- und Meinungsbild in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens nicht mehr wiederzuerkennen ist.

Der CDU ist ein erkennbares Profil abhandengekommen, ja, sie scheint nicht einmal mehr in der Lage zu sein, programmatisch, strategisch, aber auch kommunikativ noch eigene Akzente zu setzen. Nicht einmal die derzeit anlaufende Kandidatendebatte verspricht Besserung. 

Nicht das aktuelle Durcheinander und Personalgerangel sind schuld an der Situation; denn das sind bloß die Auswirkungen. Verantwortlich für das politische und vor allem inhaltliche Chaos ist Angela Merkel.Ich habe in Wort und Schrift schon früh darauf hingewiesen: Ihr fehlen vor allem elementare Tugenden, vor allem eine innere Bindung an die CDU und ein Wertegerüst, das ihr Kompaß hätte sein können.

1991 – damals war Merkel Jugendministerin – bin ich ihr zum ersten Mal persönlich anläßlich eines Jugendkongresses der CDU begegnet, Hermann Gröhe, der spätere CDU-Generalsekretär, begleitete sie.

Wir hatten ernste Probleme zu besprechen. Es ging u.a. um die Scientology-Sekte. Das Thema, das mich, aber auch Gröhe, sowohl politisch als auch emotional „packte“, schien mir bei ihr „ein Tagesordnungspunkt“ (unter vielen) zu sein. Inneres Engagement – etwa geboren aus christlicher Überzeugung – vermißte ich schon damals.

Seitdem wurde ich dieses Gefühl nie los, im Gegenteil, es wurde zur Gewißheit und führte schließlich zu der (nicht nur von mir) vielfach kritisierten „Politik der Beliebigkeit“ – oder, höflich ausgedrückt: zu einer „Politik der Sachzwänge“, heute so, morgen so. Ein Markenkern Merkelscher Persönlichkeit.

So hat die CDU keine Zukunft

Dieser Geist hat sich in die CDU regelrecht hineingefressen. Pragmatismus und Opportunismus ersetzen Fundamente.

Das organisatorische Gerüst der Partei steht zwar noch. Aber wenn die Eckpfeiler verschwinden, bricht alles zusammen.

Die Alten waren Garanten, viele der Neuen in der Partei, vor allem der Jüngeren, suchen die schnelle Karriere, das schnelle Geld. Sie mögen der Union hier und da etwas Glamour verschaffen, aber ohne Tiefenwirkung.

Eines aber vermitteln sie nicht: ein Gefühl der Heimat, der Geborgenheit, der Zusammengehörigkeit. Wenn eine Partei kein Heimatgefühl mehr bietet, fehlt ihr die Seele. Aber ohne Seele stirbt die Partei nach und nach ab.

So zerstört die CDU sich nun selbst. Ein trauriges Ende für die einst staatstragende Union.

Den vollständigen Text unseres Autors Peter Helmes lesen Sie hier: https://conservo.wordpress.com/2020/02/28/zur-lage-der-cdu-ohne-wertegeruest-ohne-kompass/


Warum Erziehung heute schwieriger ist

Von Christa Meves

Wie lässt sich heute gegen all das viele Fragwürdige in unserem Umfeld ringsum noch standhalten und wie weiter erfolgreich erziehen?

Denn schließlich enthält unser Zeitgeist so viel Bedenkliches im Hinblick auf unsere Kinder, dass es doch schwerer möglich ist als früher, das Richtige vom Schädlichen zu unterscheiden.

Wenn Sie das für Panikmache halten, brauchen Sie sich bei Youtube lediglich z. B. einen Vortrag des Neurowissenschaftlers Manfred Spitzer herunterzuholen, um aus den umfänglichen wissenschaftlichen Studien – vor allem aus den USA – hieb- und stichfest zu erfahren, dass allein bereits das Smartphone und alles Digitale darüber hinaus keineswegs zufriedenstellend bildungsfähig machen, sondern vor allem die Lernfähigkeit des noch unreifen Kindergehirns lebenslänglich mindern.

Aber es reicht auch schon, ratlos zu werden, wenn man heute Gelegenheit bekommt, Einblick in Grundschulklassen oder in das Leben junger, moderner Familien mit ihren Kita- und Grundschulkindern zu nehmen.

Täglich schreiben mich verzweifelte Jung-Mütter an, die hilflos dem so häufigen Protestgeschrei ihrer Trotzkinder gegenüberstehen. Vergeblich kämpfen manche Eltern gegen die hartnäckige Lernunlust und die Unruhe ihrer kleinen Grundschulsöhne an.

Verzweifelt sucht ein ganzer Clan nach einem (der meist bereits ausgebuchten) Therapeuten, weil eine Erstklässlerin von einem – allen unerklärlichen – seelischen Schmerz erfasst ist. Zwar sind hierzulande – der Not entsprechend – Hilfsstationen aus dem Boden geschossen. Aber die sind meist auch schon ausgebucht oder unbezahlbar.

Wie erschreckend: Hier kommt jetzt offenbar eine Kindergeneration ins Blickfeld, der in einer epidemischen Zahl die Möglichkeit fehlt, unbeschwert angepasst heranzuwachsen.

Was geht hier vor sich, was ist geschehen?

Eine Zunahme der Verhaltensstörungen ließ sich bereits seit den 60er Jahren erkennen und ihre Zunahme voraussagen. Von dieser Zeit ab wurde den Belangen der Kinder in unserer Gesellschaft immer weniger jene zentrale Beachtung eingeräumt, die diesen Ressourcen für erfolgreiche Zukunft zugestanden werden muss.

Kurzfristig gewinnträchtige wirtschaftliche Akzente und damit auch die Erwerbstätigkeit der Frau bekamen von nun an Vorrang. Die Familie als Wert wurde häufig in den gesellschaftlichen Plänen gar nicht mehr gesehen und die gärtner-ähnliche Aufgabe, Kinder in ihren Wachstumsphasen aufmerksam zu begleiten, verschwand seufzerlos unter all den Möglichkeiten, sich das Leben lustvoll und sexy zu gestalten.

Deswegen ist das Aufziehen der Kinder heute schleichend zu einer übergriffigen Angelegenheit des Staates geworden:

Die Krippe – spätestens ab dem ersten Lebensjahr – ist zu einer Art ungeschriebenem Gesetz für junge Familien geworden. Aber das ist ein verheerender Fehler!

Sogar seriöse Wissenschaft sagt heute völlig abgesichert aus: Ganz besonders gerade um diese Zeit brauchen die Kleinen Mutters Gegenwart bei ihren ersten Schritten in die Welt. Trennung von ihr zu dieser Zeit stanzt sich sonst in ihren Kopf ein und taucht später in Krisen als ein übermächtiges Gefühl von Verlassensein immer wieder auf!

Auch den Kindergarten ab drei als eine eiserne Pflicht aufzufassen, ist nicht kindgerecht, wenn das Nachdenken über die Bekömmlichkeit für das einzelne Kind ausgelassen wird. Und in der Grundschule gehört oft reichlich drastischer Sexualkundeunterricht meist schon zum Programm. Neuerdings wird sogar Ganztagsschulbeaufsichtigung geplant!

Mitten im Zeitalter entfesselter Freiheit geschieht dieser Kindergeneration der Verlust eines behüteten Freiraums! Dadurch wird das Leben mit schwierigen, unglücklichen, im Grunde bereits gestörten Kindern immer häufiger zu einer katastrophalen Qual in den Familien.

Es ist also bereits sehr spät; denn seriöse Hirnforschung weiß nun, dass – im sich in den ersten drei Lebensjahren entfaltenden Gehirn – wenn seine gesunden Wachstumsbedingungen nicht erfüllt worden sind, ein unruhiger Habitus und das Suchen nach Ausgewogenheit den Menschen unbewusst lebenslänglich begleiten und sein Leben vielfältig erschweren kann.

Dabei ließe sich diese dramatische Situation rasch ändern: Gäbe man den Müttern für ein längeres Daheimbleiben ein Gehalt und für ihr Alter eine Rente, würden viele junge Mütter mit Erleichterung länger daheim bleiben, weiß ich aus der Praxis; denn es ist vor allem die Nähe zu Mama, die die Kleinen zur Entwicklung einer stabilen Ausgeglichenheit und seelischen Gesundheit brauchen.

Aber für ein solches Programm gibt es in den meisten Staaten des Westens kaum Anzeichen.

Dennoch brauchen wir nicht zu verzagen; denn es existieren in unserem Land immerhin noch Familien, die der Schöpfungsordnung treu bleiben – mit Einschränkungen zwar, doch nicht selten unterstützt von wachen, verantwortungsbewussten Großeltern und Paten.

Hierzu gibt es folgende Berichte:

“Bei uns ist alles ziemlich in Ordnung. Munter, fröhlich und aufgeschlossen sind unsere Kinder. Wir haben eine recht normale Schule für sie gefunden. Dort kommen sie gut zurecht und machen anstandslos ihre Schularbeiten. Bei uns herrscht ein solides Familienklima mit klaren Linien für unsere Kinder. Und sogar eine tägliche gemeinsame Abendbrotmahlzeit gehört dazu.“

Solche Eltern legen großen Wert darauf, dass ihre Kinder selbstständig werden. Sie haben die berechtigte Hoffnung, dass diese später ihre Ausbildungen anpacken und eine eigene Lebensgrundlage zustande bringen.

Aber diesen Eltern ist das eben Gesagte noch nicht genug. Sie hoffen darüber hinaus, dass ihre Sprösslinge in ihrem familiären Umfeld einen dauerhaften Rückhalt entwickeln.

Dabei zeigt sich: Das Vorbild der Eltern, ihre direkte Zuwendung und ein unbekümmert natürlicher (am besten gläubiger) Verhaltensstil hat sich als das erfolgreichste Modell herausgestellt. Denn dadurch entsteht unterschwellig ein Band, das dennoch freilässt und dadurch später auch realistische Bindung an neu hinzukommende Menschen ermöglicht.

Unter dem Strich bedeutet das: Bei einem kontinuierlichen Erziehungsstil dieser Art können wir dann auch hoffen, dass die Kinder als Erwachsene genug Festigkeit besitzen, den eigenen Stürmen des Lebens zu widerstehen, indem sie die Fähigkeit erworben haben, auch gegen Widerstände kontinuierlich standfest zu bleiben und in einem eigenen Umfeld Kraft zum Lieben, zum Durchhalten – auch zum Mitsorgen und Helfen angesichts der Schwächeren in der Familie, den ganz Kleinen und den Uralten, – zu entfalten.

Es hat sich aber auch neu herausgestellt, dass solche familiären Erfolge am ehesten zu erreichen sind, wenn Familien auf dem Boden eines starken christlichen Wertsystems, ja, mit einer eigenen emotionalen Festigkeit im christlichen Glauben stehen. Denn aus einer solchen Haltung erwächst ein bewussteres Verantwortungsgefühl und darüber hinaus eine selbstverständliche, freiwillige Opferbereitschaft für die anderen.

Besonders Familien, in denen auch der Vater – nicht die Mutter und Großmutter allein – diesen Stil bewusst lebt, haben eher eine Chance, dass ihre Kinder sich besonders von ihm beschützt fühlen und deshalb leichter eine gute Verhaltenskultur entwickeln. Einem gewissenstreuen Vater, der seinen Glauben an Gott und die Zehn Gebote ernst nimmt und sich bei wichtigen Entscheidungen danach ausrichtet, gelingt es oft besser, mit den Jugendlichen durch die Pubertät zu kommen.

Seit vor 50 Jahren mit der sogenannten Studentenrevolte eine mächtige Lebensveränderung, eine Ausweitung unserer Spielräume, ja, eine Entfesselung der Sexualität stattgefunden hat, war diese neue Nachdenklichkeit dringend nötig geworden.

Von nun an gelang es jungen Eltern nicht mehr selbstverständlich, die Vorbilder einer gut funktionierenden Eltern-Familie einfach zu wiederholen und mit ihrem Nachwuchs nachzuahmen. Die Voraussetzungen für eine stabile Kindererziehung mussten neu bewusst aufgenommen werden, um damit den vielen Übertretungen und Auswüchsen standhalten zu können.

Spätestens heute müssen wir uns klarmachen:

Unversehens wurden in den Gesellschaften des Westens die gesunden Möglichkeiten eines vernünftigen Lebens überschritten.

Es lassen sich jetzt nicht einfach weiter Augen und Ohren davor zumachen, dass Rechtsbrüche und chronische Krankheiten in der Bevölkerung in dem Maß zunahmen und weiter zunehmen, in dem Menschen in unbekömmlichen Trends mitlaufen, sodass gesundes Maßhalten verloren geht und mancher von ihnen dadurch sogar auf schiefe Bahnen rutscht.

Heute sind sogar schon manche Schulpläne ideologisch durchseucht, sodass z. B. die Gender-Ideologie gelegentlich schon als eine neue Glücksmöglichkeit gelehrt wird!

Resümee: Eltern sollten wissen, dass unsere Gesellschaft zur Zeit einer Ideologie erlegen ist, die, wenn sie fortdauert, vielen Kindern schweren seelischen Schaden zuzufügen vermag.

Ich habe deshalb in meinen Büchern und noch mehr Vorträgen und Aufsätzen unermüdlich davor gewarnt, sich durch Befolgen dieses Zeitgeistes Unglück über Unglück einzuhandeln  – und gebe auch heute noch (unentgeltlich) Rat jedem, der aus diesem Feld bei mir anklopft.

Aber wir können uns auch heute noch retten, z. B. indem wir mit der ganzen Tiefe des Herzens wieder in den Familien das kommende Weihnachtsfest feiern. Da steht doch die echte Krippe unseres Gottes im Zentrum und singt die Wahrheit in jedes Herz, indem wir mit Freude hinaufflehen: „Welt, gehst du auch verloren, doch uns ist Christus geboren – mit dem leuchtenden Stern einer klaren Ausrichtung über Bethlehems Stall!“

 


Paderborn: Priester kritisieren Äußerungen zu „Maria 2.0“ von Erzbischof Becker

Stellungnahme aus dem Paderborner Priesterkreis „Communio veritates“:

In den letzten Tagen habe ich mich manchmal gefragt, ob es sich für Priester, die in der Glaubenstradition der Katholischen Kirche stehen und darin leben und sterben wollen, noch lohnt, für die Kirche und in der Kirche von Paderborn zu arbeiten.

Warum? Weil sie von der Diözesanleitung, einschließlich Erzbischof Becker, keinerlei Rückendeckung mehr bekommen, im Gegenteil: Erzbischof Becker fällt ihnen sogar noch in den Rücken, indem er einen Schmusekurs mit den Damen von „Maria 2.0“ beginnt, um auszuloten, „was wir tun können“.

Schließlich gehe es, so wird der Erzbischof im Internet bei „katholisch.de“ zitiert, um „echte Anliegen“ eines „wichtigen Teiles der Kirche“.

Wir Priester in unserer Sorge um den Glauben der Kirche haben ja keine echten Anliegen und sind auch kein wichtiger Teil der Kirche. „Maria 2.0“ ist wichtiger.

Wie will EB Becker das eigentlich machen: „ausloten, was wir tun können“ … „in einem echten Miteinander zu überlegen, welche gemeinsamen Ziele wir realistischerweise vor Ort erreichen und umsetzen können“ – mit einer durch und durch häretischen Bewegung?

„Maria 2.0“ fordert radikal die Öffnung des Ordo in allen drei Stufen für Frauen. Nach Ordinatio sacerdotalis ist das, wie jeder, der ehrlich ist, weiß, nicht möglich. Warum sagt das EB Becker nicht klar und deutlich, sondern verweist lediglich auf eine weltkirchliche Entscheidung? Aber da ist nichts mehr zu entscheiden. Die Entscheidung ist gefallen.

Seltsam klingt es für mich, wenn „Maria 2.0“ die Abschaffung des Zölibates fordert. Die Damen brauchen ihn doch gar nicht zu halten. Es ist doch komisch: Es ärgern sich die am meisten über diese Lebensform, die gar nichts damit zu tun haben.

Sieht man im Zölibat die Ursache für den sexuellen Missbrauch? Dann müsste man konsequenterweise auch die Orden abschaffen (jedenfalls alle männlichen), denn zu den Ordenregeln gehört unverzichtbar – neben Armut und Gehorsam – lebenslange Keuschheit, also der Zölibat, und es waren auch Ordensangehörige, die sich teilweise schwerster Verfehlungen schuldig gemacht haben.

Wie will man „ausloten, was wir tun können“, wenn es um die Sexualmoral der Kirche geht? – Mit einer Art Salamitaktik: Hier schneiden wir mal ein Stück (versuchsweise) ab, dort können wir noch ein Scheibchen abschneiden, da auch noch eins …?

Was heißt es, wenn EB Becker betont, die „lebendige Weitergabe des Glaubens und eine menschenfreundliche Kirche“ seien wichtige gemeinsame Ziele? „Weitergabe“ setzt voraus, dass ich etwas zum Weitergeben habe. Weitergabe setzt Tradition voraus.

Die Damen von „Maria 2.0“ aber wollen eine radikal neue Kirche. Eine Kirche, die – losgelöst von ihren Traditionen, auch den verbindlichsten und ältesten – sich dem Zeitgeist und dem Geschmack der Menschen anpasst und letztlich nicht mehr den Anspruch erheben kann, katholisch-apostolisch zu sein.

Sogar die hl. Messe haben sie für ihre Ziele missbraucht. Und durch die Trennung von der Gemeinde-Eucharistie bei ihrer Aktion haben sich die Damen – buchstäblich – selbst „exkommuniziert“.

Und was ist „eine menschenfreundliche Kirche“? Was versteht EB Becker darunter? Was meint „Maria 2.0“ damit? Haben sie wirklich darin ein gemeinsames Ziel?

Das Ziel von „Maria 2.0“ ist nicht nur eine „menschenfreundliche“, sondern vor allem eine „menschengefällige“ Kirche. Denkt EB Becker auch so? Dann liegt er grundfalsch.

Denn das erste Ziel der Kirche ist es, Gott zu gefallen, nicht den Menschen. Das ist die große Sünde der Kirche der letzten Jahrzehnte: „menschenfreundlich-menschengefällig“ sein zu wollen, das heißt die Wahrheit abzuschleifen zum Gefallen der Menschen, den Menschen mehr zu gefallen als Gott.

Die Katholische Kirche, die mit ihrer Tradition und ihren Werten der ganzen Welt ihren Stempel aufgedrückt hat, buhlt um den Beifall der Welt, statt der Welt gegenüberzutreten wie die großen Propheten Israels, auf deren Schultern sie steht.

Wenn ein Elija wiederkäme, ein Jesaja, ein Jeremia – was würden sie wohl sagen zu der Kirche von heute? Und was würde Jesus sagen? Bei Lukas 6,26 steht es: „Weh euch, wenn euch alle Menschen loben; denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.“

Zum Schluss noch etwas sehr Bedrückendes:
Da EB Becker sich zum Schmusekurs gegenüber „Maria 2.0“ entschlossen hat, steht in Zukunft jeder Priester der Erzdiözese Paderborn, der in der Glaubenstradition der Kirche bleiben will und deshalb „Maria 2.0“ ablehnt, im Gegensatz zu seinem Bischof, und wer gar noch in Predigt und persönlichem Zeugnis gegen „Maria 2.0“ kämpft, kämpft gegen seinen Bischof. Traurig, aber wahr!

Dennoch – es lohnt sich, weiter für die Kirche und in der Kirche zu arbeiten; denn EB Becker ist nicht identisch mit der Kirche von Paderborn. Und kämpfen müssen wir vor allem mit dem Gebet, denn wir sehen uns einer Macht gegenüber, gegen die wir allein nicht ankommen.

Quelle: http://communioveritatis.de/ein-verheerender-schmusekurs?fbclid=IwAR1Ntnq-obZl_bGPF6C1nUxoQTKBFJYZAPkNXWA73WjdEc9GakVdaU3Rktg


Die Amazonas-Synode spiegelt den Konflikt zwischen Glaube und Zeitgeist

Mathias von Gersdorff

Die seit dem 6. Oktober tagende „Amazonas-Synode“ im Vatikan sorgt für nicht geringe Irritationen und Perplexitäten unter den Katholiken.

Grund dafür war zuerst der Duktus des Arbeitsdokumentes (Instrumentum laboris), das sich fast wie ein Pamphlet der Grünen liest und deutliche Sympathien für die (heidnischen) Lebensgewohnheiten der indigenen Völker in der Amazonasregion zeigt.

Weiterer Unmut entstand nach der Bekanntgabe der Teilnehmer an der Synode. Es finden sich die Namen der radikalsten Vertreter der Befreiungs-, der ökologischen und der indigenen Theologie.

Diese theologischen Richtungen plädieren für einen völlig neuen Weg der katholischen Kirche und einen drastischen Abschied von der katholischen Tradition und dem Lehramt. Und nun kommen immer wieder Berichte über heidnische Praktiken rund um die tagende Synode und von heterodoxen Stellungnahmen in der Synodenaula.

Wie konnte es zu dieser Situation kommen? Was ist los in Teilen der katholischen Kirche?

Als Ausgangspunkt: Hans Küng

Der Theologe Hans Küng beschreibt in seinem 2015 erschienenen Buch „Sieben Päpste“ das, was er als Grundübel der katholischen Kirche ansieht: Die Bildung eines effizienten und schlagfertigen Apparates im Vatikan unter dem Pontifikat von Innozenz III. (Papst von 1198 bis 1216), also der Vatikanischen Kurie.

Alle Progressisten sind mehr oder weniger der Auffassung, dass damals die katholische Kirche mehr oder weniger (es gibt nämlich erhebliche Schattierungen) zu einem Apparat geworden ist, der den Geist erstickt.

In der Kirche stehe angeblich seitdem nicht mehr der direkte und uneingeschränkte Glaube im Mittelpunkt, sondern das Kirchenrecht, die lehramtlichen Dokumente, der Machtanspruch des Papstes, die Kirchenverwaltung.

Diese Karikatur kann nur bei Personen entstehen, die die Kirche nicht als eine übernatürliche Institution, deren Leben von der göttlichen Gnade geleitet wird, ansehen. Dann kann man leicht zur Auffassung gelangen, das real existierende Leben der Kirche hätte genauso gut einen völlig anderen Weg nehmen können, als ob Gott nicht letztlich die Geschichte leiten würde.

Der heutige Progressismus will im Grunde die Kirchengeschichte korrigieren. Dies geschieht auf zwei Wegen, dem europäischen und dem südamerikanischen Weg.

Die europäische (progressistische) Vision von Kardinal Marx & Co.:

Was der europäische Reformkatholizismus will, ist bekannt: Die Anpassung der Kirche an den Zeitgeist. Dem Zeitgeist messen die Progressisten Autorität zu. Er besitzt sogar Deutungshoheit darüber, wie das Leben und der Glaube in der Kirche sein sollen.

Aus diesem Grund werden die Thesen des Zeitgeistes bereitwillig übernommen: Die Kirche hat demokratisch zu sein, die Sexualmoral soll sich an den Ansichten der Welt anpassen, der Feminismus hat die Strukturen der Kirche zu bestimmen etc.

Heute soll der Ökologismus die prägende Idee in der Kirche sein.

Die Tradition, die Kirchengeschichte, das Lehramt, die Dogmen, die Volksfrömmigkeit werden als unnötigen Ballast angesehen, der den Glauben erstickt. Vielmehr soll sich die Kirche ständig neu erfinden: Liturgisch, glaubensmäßig, moraltheologisch.

Die lateinamerikanische (befreiungstheologische) Vision von Kardinal Humes & Co.:

In Südamerika hat der Progressismus einen anderen Weg genommen, weil er stark vom Marxismus beeinflusst wurde. Die sog. „Befreiungstheologie“ ist die Übernahme der Methode des Klassenkampfes in die katholische Kirche. Die Befreiungstheologie verteidigte die Notwendigkeit eines Klassenkampfes der Armen gegen die Reichen, genauso wie der klassische Marxismus.

Weil der katholische Glaube keine „Klassen“ kennt, wurde die Befreiungstheologie vom Vatikan verurteilt (u.a. durch die Instruktion der Glaubenskongregation Libertatis nuntius im Jahr 1984).

Sie lebte aber in den Köpfen vieler Theologen fort und durchlief eine erstaunliche Metamorphose. Auf der Basis der Befreiungstheologie entstanden eine „Feministische Theologie“, eine „Ökologische Theologie“, eine „Indigene Theologie“ etc.

Allen liegt die Grundthese zugrunde, dass eine herrschende Schicht die große Mehrheit der Menschen unterdrückt.

Die „Indigene Theologie“ ist aus kulturrevolutionärer Perspektive die radikalste: Sie besagt, dass die ganze Kolonisierung und Evangelisierung Lateinamerikas ein einziger Akt der Unterdrückung war. Wohlgemerkt: Auch die Evangelisierung. Denn diese habe legitime religiöse Gewohnheiten zerstört. Ebenso habe man den Eingeborenen eine europäische Weltanschauung aufgedrückt.

Auf diese Weise leben die Urvölker seit 500 Jahren kulturell und religiös unterdrückt.

Eine europäische Version dieser These würde behaupten (und der NS-Ideologe Rosenberg tat dies auch), den Germanen hätte man ihre Naturverbundenheit samt ihrem Kult zur „Mutter Erde“ und zu den anderen Gottheiten unzulässig weggenommen.

Was verbindet den europäischen und den lateinamerikanischen Progressismus?

Obwohl sich rein äußerlich europäischer und lateinamerikanischer Progressismus sehr unterscheiden, sind sie theologisch eng verwandt: Beide lehnen Tradition und Lehramt ab. Beide sind der Auffassung, der Glaube müsse sich völlig ungebunden entfalten und brauche keine Kurie, kein Kirchenrecht, keine Dikasterien, keine Hierarchie.

Was denkt die „Mitte“?

Die oben beschriebenen Strömungen sind radikal, bilden aber keine Mehrheit. Die meisten Bischöfe versuchen, in einer Äquidistanz (gleicher Abstand) zu Tradition und zur Anpassung an die Welt zu leben.

Doch wegen der allgemeinen Krise der Kirche (Missbrauchsfälle, Krise der Berufungen, schwindende Zahl von Gläubigen etc.) wirkt diese Mehrheit im Auftreten sehr schwach und blass. Deshalb ist heute der Einfluss der Progressisten, auch der Radikal-Progressisten, sehr stark. Sie treten mit großer Autorität auf und kaum einer wagt es, ihnen zu widersprechen.

Was ist neu an der heutigen Situation? Die Umgürtelung ist gesprengt.

Nun könnte man sagen, dass diese Bildung von Strömungen oder Parteiungen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sehr ausgeprägt ist: Die einen wollen alles umkrempeln. Die anderen wollen, dass sich nichts ändert. (Eine dritte Gruppe wünscht, dass man zu Zeiten von Pius XII. zurückkehrt. Sie sind aber in der Synode gar nicht vertreten).

Heute ist aber neu, dass die unterschiedlichen Sektoren in der Kirche wie isolierte Inseln leben. Die Umgürtelung, die es noch unter Figuren wie Kardinal Lehmann gab, existiert es nicht mehr. Jeder Gruppe lebt sozusagen für sich allein.

Das führt dazu, dass die radikalen Wortführer, die von Lehramt und Tradition nichts halten, immer offener agieren und sich noch mehr radikalisieren.

Der Konsens darüber, was katholisch ist und was nicht, zerbricht zunehmend. Nichts ist mehr verbindlich, so scheint es. Die zentrifugalen Kräfte wachsen. Inzwischen wird offen über mögliche Schismen gesprochen, was noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.

Die Perspektiven:

Allein die Tatsache, dass manche Oberhirten laut über das Frauenpriestertum nachdenken, wie etwa Bischof Peter Kohlgraf von Mainz, zeigt, dass die Lage äußerst kritisch ist.

Aus dem lateinamerikanischen Progressismus hört man Forderungen wie etwa eine Entschuldigung der Kirche wegen der Evangelisierung der Indianer. Sie seien von Gott direkt „getauft“ worden und hätten in einem paradiesischen Zustand gelebt. Der Westen hätte all das zerstört und Jesus Christus wäre demnach kein notwendiger Retter mehr.

Hier geht es nicht „nur“ um Häresien, sondern um offene Apostasie, also komplette Abkehr vom Christentum.

Was ist das Ergebnis: Die Amazonas-Synode ist ein „Va-Banque-Spiel“.

Was kann daraus folgen? Der Progressismus scheint aus der Amazonas-Synode ein Va-Banque-Spiel gemacht zu haben. Also „Alles oder nichts“. Vieles deutet darauf hin, dass sie endgültig Fakten schaffen wollen, koste es, was es wolle.

Das gilt für Lateinamerikaner wie auch für Europäer.

Was sollten die lehramtstreuen Katholiken tun?

Mit hoher Geschwindigkeit bewegt sich die Kirche in die Anarchie.

Erstens: In einer solchen Situation muss der Einzelne zusehen, dass er seinen Glauben sturmfest macht: Durch das Gebet, durch die Sakramente, durch die Vertiefung der katholischen Wahrheiten.

Durch das andächtige Beten des Glaubensbekenntnisses!

Zweitens: Er muss sich auch entschlossen und kraftvoll zur katholischen Kirche bekennen und fest halten an seinem Glauben von der Unzerstörbarkeit der Kirche, die Christus ihr verheißen hat (vgl. Mt 16,18 ff).

Unser Autor Mathias von Gersdorff aus Frankfurt leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ und betreibt u.a. die Webseite https://www.aktion-kig.eu/kultur-und-medien-online/


Benediktinerinnen-Kloster im Bistum Münster solidarisiert sich mit „Maria 2.0“

Von Felizitas Küble

Die Begeisterung der bischöflichen Kirchenzeitung von Münster kennt keine Grenzen mehr, wenn sich gleich eine ganze Benediktinnerinnen-Abtei dazu entschließt, die radikal-feministische Aktion „Maria 2.0“ durch Wort und Gebet zu unterstützen.

Für das  – seit Jahrzehnten als progressiv bekannte   –  Bistumsblatt „Kirche und Leben“ (KuL) bietet diese Meldung einen willkommenen Anlaß für einen ausführlichen Artikel samt eingestreuten Interviews mit leitenden Ordensfrauen aus Dinklage: https://www.kirche-und-leben.de/artikel/benediktinerinnen-in-dinklage-beten-fuer-maria-20/

Auch sonst hat KuL sich seit Wochen für die Initiative Maria 2.0 stark gemacht und allein auf ihrer Internetseite über ein halbes Dutzend Artikel veröffentlicht.

BILD: Dieser Weg in Münster führt von der Überwasserkirche zum Dom St. Paulus; dort auf dem Domplatz befindet sich das bischöfliche Ordinariat

Anders hielt es die Redaktion freilich mit Maria 1.0 aus Augsburg, wozu es online nur einen einzigen Bericht gab.

Das Leitwort dieser lehramtstreuen Gruppe lautet: „Die Gottesmutter braucht kein Update“.Zudem heißt es dort: „Vor allem wollen wir SIE nicht instrumentalisieren, um eigene Interessen durchzusetzen.“

Zurück zu den Nonnen aus dem Kloster St. Scholastika in Dinklage, die sich mit dem „Update“ solidarisch erklärten und inhaltlich voll hinter „Maria 2.0“ stellen.

Dazu schreibt KuL: Schwester Ulrike Soegtrop, Verwaltungsleiterin der Abtei, berichtet im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“, die Schwestern hätten nach einer Anhörung „einmütig“ diese Entscheidung getroffen.“

Was die Sache gewiß nicht besser macht.

Sogar für die Form des Protestes – nämlich den Boykott der Sonntagmesse – haben die Ordensfrauen „großes Verständnis“. Hinter der Aktion stecke, so die erwähnte Nonne Ulrike, ein „Schmerz der Ohnmacht“. KuL zitiert sie weiter: Frauen wollten sich einbringen, es werde ihnen aber verwehrt.“

Das Kloster befindet sich offenbar schon länger auf einem speziellen spirituellen Trip, denn die Kirchenzeitung schreibt sodann: 

„Die Fürbitten sprechen Gott als „unseren Vater und unsere Mutter“ an, sprechen von „Frauen und Männer gleichwertige Mitglieder der Kirche“ und betonen Offenheit für Menschen „gleich welcher sexueller Orientierung“. Nötig seien „neue Wege und einschneidende Veränderungen“.“

„Einschneidend“ wäre es für die katholische Kirche gewiß, wenn sie die Forderung von Maria 2.0, „sämtliche“ Ämter auch für Frauen zu öffnen, übernehmen würde – das heißt: Priesterinnen,  Bischöfinnen, Päpstinnen!

Die Aktion verlangt darüber hinaus sogar allgemein eine Ausrichtung der Sexualmoral der Kirche an der Lebenswirklichkeit der Menschen“ und damit de facto die Abschaffung des 6. und 9. Gebots.

Für ihre „Gebets-Aktion“ zur Unterstützung der feministischen Initiative beruft sich Schwester Ulrike im Gespräch mit KuL ausgerechnet auf ein Wort des Ordensgründers Benedikt. Dieser bedeutende Heilige sagte einst: „Wenn alle anderen Möglichkeiten nichts gebracht haben, dann gilt es das stärkste Mittel zu wählen – das Gebet.“

Dabei hatte der „Vater des Abendlandes“ bestimmt nicht an Aktionen wie „Maria 2.0“ gedacht, die nicht auf dem Heiligen Geist beruhen, sondern auf dem Zeitgeist.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Fotos: Felizitas Küble (1), Dr. Bernd F. Pelz (2)


Wie kann die Kirche „Brücken bauen“?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Der Papst hat den Beinamen Pontifex, d.h. Brückenbauer. Aber auch von Bischöfen verlangt man, wie jetzt vom Nachfolger des Bischofs Huonder von Chur, dass sie Brückenbauer seien.

Da es nicht nur im Bistum Chur Katholiken gibt, die in wesentlichen Fragen der katholischen Lehre gegensätzliche Positionen vertreten, sind die Anmerkungen von Bischofssekretär Christoph Casetti von einer Bedeutung, die über Chur hinausreicht.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Christoph Casetti erklärt: „Er (der Bischof) soll Brücken bauen und so die Einheit in der Diözese wieder herstellen. Doch wie kann er diejenigen vereinen, die sich grundsätzlich nicht einig sind in den Fragen wie z.B. … Ist Jesus wirklich der Sohn Gottes und nicht nur der Menschensohn, der Sohn Josefs? Ist er wirklich von den Toten auferstanden oder geht einfach seine Sache weiter? Können nur Männer Priester werden? Können die wiederverheirateten Geschiedenen zur hl. Kommunion gehen oder nicht? Kann die ‚Ehe für Alle‘ von der Kirche anerkannt werden? Ist nur die natürliche Familienplanung erlaubt oder muss die Kirche endlich die Verhütung frei geben?“ (Tagespost, 11.4.2019).

Solche Gegensätze könnten nach Casetti nur „um den Preis eines völligen Relativismus in Bezug auf die Glaubenswahrheiten und die daraus folgende Lebenspraxis vereinigt werden.“

Man sollte endlich zur Kenntnis nehmen, dass wir uns in einer geistigen Auseinandersetzung befinden, die totalitären Charakter hat. Diese Auseinandersetzung findet nicht nur mit den Gegnern außerhalb der Kirche, sondern auch mit denen in ihrem Inneren statt.

Das derzeitige Kampffeld sind die sexuellen Missbrauchsfälle. Sie werden instrumentalisiert, um eine „andere Kirche“ zu schaffen. Es wird nicht die nahestellende Frage gestellt, was die Ursachen sind, die zu den Missbrauchsfällen geführt haben.

Wer sie auf den Tisch bringt, wie die Kardinäle Brandmüller, Burke und Müller oder jetzt Benedikt XVI., der wird mit den medialen Mitteln als Störenfried niedergemacht oder totgeschwiegen.

Der totalitäre Charakter zeigt sich darin, dass alle Medien, profane und kirchliche, aktiviert werden, damit die entscheidenden Fragen unter dem Deckel gehalten werden. Wie soll ein Bischof, der sich an die Lehre der Kirche hält, Brücken bauen, wenn unter den Brückenbogen die Kräfte, die eine andere Kirche wollen, ihre Politik weiter beinhart verfolgen?

Bei der Instrumentalisierung der sexuellen Missbrauchsfälle geht es um die Zukunft der katholischen Kirche.

Der amerikanische Publizist George Weigl hat in seinem Offenen Brief an Kardinal Marx nach der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischofskonferenz, die den „synodalen Weg“ für die Kirche beschlossen hat, festgestellt: “Die deutsche Kirche – der Katholizismus meiner Vorfahren – stirbt. Er wird nicht durch ein Abziehbild des sterbenden liberalen Protestantismus wiederbelebt“ (Kath.net vom 28. März 2019).

Wie sollte der Brückenbauer aussehen? Kardinal Woelki geht den aktuellen Fragen nach: „Was wollen die Menschen? Was wird von der Kirche erwartet? …Wo muss sie sich anpassen, weil sie sonst keine Akzeptanz mehr findet?“

Woelki beantwortet diese Fragen damit: Für die Kirche „ergeben sich schnell Forderungen, die Kirche müsse aufgeben, was ‚überholt‘ ist, sie müsse ‚zeitgemäß‘ werden und habe ohne Zugeständnisse an die Forderung von Menschen und Medien schlicht keine Zukunft mehr. Weiter: die Kirche müsse die ‚Lebenswirklichkeit‘ anerkennen, sich ‚neu erfinden‘.“

Der Kölner Erzbischof antwortet darauf: “Wie groß der mediale Handlungsdruck und die öffentlichen Erwartungen auch sein mögen, die Kirche könne sich keine Veränderungen ihrer Lehre abtrotzen lassen, wenn diese dem Geist des Evangeliums widersprechen“.

Woelki weiter: „Das gilt nicht nur für die … Dogmen, wie die Dreifaltigkeit oder die Gottessohnschaft Christi, sondern auch für andere grundlegende Fragen… die Schöpfungsordnung, gegenseitige Hinordnung von Mann und Frau, ihrer grundsätzlich auf neues Leben hin offene Liebe und Treue…“

Woelki nennt in diesem Zusammenhang die übrigen aktuellen Forderungen in Bezug auf Zölibat, Homosexualität, Sex vor der Ehe. Schließlich: Die Kirche „muss nicht erfunden, sondern wieder aufgefunden werden, von neuem gesucht werden“. (Die Tagespost vom 28.3.2019)

Der Kern des Problems bei den sexuellen Missbrauchsfällen und dem beschlossenen „synodalen Weg“ liegt in der Weigerung, den Forderungen Jesu am Beginn seiner Mission nachzukommen: „Denkt um, kehrt um und glaubt an das Evangelium.“

Als nun Benedikt XVI. emeritus, was er „aus der Rückschau heraus zu einem neuen Aufbruch beitragen könne“, geäußert hat – nach Kardinal Müller „Die tiefgründigste Analyse der Genese der Glaubwürdigkeitskrise der Kirche in Fragen der Sexualmoral und intelligenter als alle Beiträge beim Gipfel der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen zusammen“ (Info@eurient.de, 13.4.2019) – setzte in profanen Medien, aber auch innerkirchlich, ein Sturm der Entrüstung ein.

Kardinal Müller merkt dazu an: „Es ist ein Skandal, dass katholische Bischöfe Plattformen finanzieren und so die Kirchensteuern zweckentfremden, die eindeutig Positionen vertreten, die mit der katholischen Glaubens- und Sittenlehre in Widerspruch stehen“.

Wie Benedikt XVI. konstatiert Kardinal Müller: „Wir kommen nur aus der Krise, wenn das Übel beim Namen genannt wird“.

Jene „Katholiken, die der heiligen Schrift, der apostolischen Tradition und dem Lehramt treu sind“, werden als „konservative Katholiken“ kaltgestellt oder mundtot gemacht. Dazu – so Kardinal Müller – ist ihnen „jedes Mittel, auch das der Verleumdung und Ehrabschneidung recht“. (Info@eurient.de 13.4.2019)

Wie können da Brücken gebaut werden?


Parlamentarier Münz übt Kritik an seiner evangelischen Kirche: Zu wenig Bibeltreue!

Die zentrale Forderung „Deutschland und Europa sollen christlich bleiben“ steht im Mittelpunkt eines Interviews, das der kirchenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Volker Münz (siehe Foto), zum Jahreswechsel mit der österreichischen Vierteljahreszeitschrift „Neue Ordnung“ geführt hat.

Der Göppinger Bundestagsabgeordnete äußert auch massive Kritik an seiner evangelischen Kirchenleitung: „An meiner Kirche stört mich vor allem, dass die bibeltreue Verkündigung zu einem großen Teil einer dem Zeitgeist angepassten Auslegung der Bibel gewichen ist.“

Die AfD sieht der amtskirchen-kritische Christ als parteipolitische Alternative für konservative Bürger. So kämen insbesondere die Bewahrung des vom Grundgesetz geschützten Leitbildes der Ehe und der traditionellen Familie, der Schutz ungeborener Kinder und der Widerstand gegen alle Bestrebungen, die Abtreibungen zu einem Menschenrecht zu erklären, seinen christlich-konservativen Vorstellungen entgegen.

Darüber hinaus erwähnte Münz als begrüßenswerte Ziele die Ablehnung der Gender-Ideologie sowie die Begrenzung der Zuwanderung.

Münz, der Mitherausgeber eines kürzlich im Ares-Verlag erschienenen Buches (Titel: Rechtes Christentum? – Der Glaube im Spannungsfeld von nationaler Identität, Populismus und Humanitätsgedanken“, Ares-Verlag Graz 2018) ist, positioniert sich auch gegenüber den Gefahren einer zunehmenden Islamisierung in Deutschland und Europa.

Dazu Münz in der „Neuen Ordnung“:

„Im Gegensatz zum christlichen Verständnis, dass alle Menschen Ebenbilder Gottes sind, hat sich im Islam der Mensch Gott zu unterwerfen. Außerdem hat ein Nichtmuslim weniger Rechte als ein Muslim. Aufgrund der unterschiedlichen Menschenbilder wird die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 mit ihrem zentralen Begriff der Menschenwürde von den islamischen Staaten abgelehnt.

In der von islamischer Seite 1990 verfassten ‚Kairoer Erklärung der Menschenrechte’ werden die Menschenrechte unter dem Vorbehalt der Scharia, des islamischen Gesetzes, gestellt.“

Quellenhinweis: Das Interview ist in der Ausgabe IV/2018 der österreichischen Vierteljahreszeitschrift „Neue Ordnung“ erschienen. Ares-Verlag, Postfach 438, Hofgasse 5, A-8010 Graz. Tel.: 0043(0)316 82 16 36, Fax: 0043(0)316 836 56 12, neue-ordnung@ares-verlag.com, www.neue-ordnung.at.

Foto: Felizitas Küble