Prälat Imkamp kritisiert „vermerkelte“ Parteien

Von Felizitas Küble

Prälat Wilhelm Imkamp leitet seit Jahrzehnten die Wallfahrtsstätte Maria Vesperbild im Bistum Augsburg. In dem südbayerischen Pilgerort wird eine bodenständige, solide Marienverehrung gepflegt  –  also eine gediegene Frömmigkeit jenseits von Schwärmerei oder Wundersucht.

Direktor Imkamp (siehe Foto), der vor fünf Jahren vom Vatikan zum Apostolischen Protonotar ernannt wurde, geht zum Jahresende in den Ruhestand. 2013 wurde er zum ordentlichen Mitglied der päpstlichen Theologenakademie in Rom berufen. Der Geistliche gehört seit 2013 der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste an.

Er schreibt regelmäßig seine schlagfertigen Kolumnen in Tages- und Kirchenzeitungen, wobei er kein Blatt vor den Mund nimmt und bisweilen voll ins Schwarze trifft.

Auch in unserem CHRISTLICHEN FORUM haben wir seit Jahren mehrere Beiträge von ihm veröffentlicht.

Am 14. September erschien in der „Tagespost“ aus Würzburg ein aktueller Artikel Imkamps unter dem Titel „Katholiken vor der Wahl“. Darin heißt es:

„Gewissensfreiheit für Abgeordnete gibt es nur, wenn die oder der mehr oder weniger große Vorgesetzte es feierlich hervorholt, und das geschieht nur, wenn das Gewissensergebnis feststeht; das ist meistens der Fall, wenn ein moralischer Wert über Bord gehen soll.“

Damit spielt der Wallfahrtsdirektor wohl auf die kürzlich auf die Schnelle (auch mit Merkels Hilfe) durchgezogene Parlamensabstimmung zur „Ehe für alle“ an. 

Schon früher äußerte sich der Theologe skeptisch über eine wachsende „Entpersonalisierung des politischen Personals“:
„Politiker mit Ecken und Kanten sind selten  geworden“, beklagte er:Politiker müssen als Einzelpersönlichkeiten wahrgenommen werden und dürfen nicht in der Graugesichtigkeit einer politischen Klasse verschwimmen.“

Prälat Imkamp beschwert sich in seinem jüngsten Tagespost-Artikel zudem darüber, daß sittliche Zerfallserscheinungen bisweilen „von den Zeitgeist-Notaren in Karlsruhe abgesegnet“ werden, etwa als Abtreibung de facto zum Rechtsgut erklärt worden sei. Überdies erinnert er kritisch daran: „Soldaten dürfen Mörder genannt werden, Abtreibungsärzte nicht.“

Vor allem aber bemängelt der Geistliche eine zunehmende Arroganz sowie allzu geringe inhaltliche Unterschiede bei den etablierten, den „vermerkelten“ Parteien:

„Abtreibung, Homo-„Ehe“, Import von religiösen Konflikten, Schleichwege zur Euthanasie, vermerkelte Parteien, die sich fast nur noch durch die Gesichtsbehaarung ihres Spitzenpersonals unterscheiden, endlose Sonderzahlungen an die EU bilden die Grundlage für das Bewusstsein, moralische Großmacht zu sein.

Dieses neue, gemerkelte Selbstbewusstsein äußert sich in Belehrungen über Demokratie, Menschenrechte und unabhängige Justiz, ausgerechnet gegenüber Polen und Ungarn, gerne aber auch gegenüber dem amerikanischen oder russischen Präsidenten“.

Abschließend erinnert der Autor an die Aufrufe von Bischöfen in den USA, wonach Katholkiken die Befürworter von Abtreibung und/oder Homo-Ehe nicht wählen sollen.

Hier eine Auswahl der im CHRISTLICHEN FORUM veröffentlichten Beiträge von oder über Prälat Imkamp:
https://charismatismus.wordpress.com/2014/02/12/pralat-imkamp-erinnert-an-tapfere-geschiedene-die-auf-wiederheirat-verzichten/
https://charismatismus.wordpress.com/2013/03/27/wallfahrtsdirektor-imkamp-warnt-vor-personenkult-in-der-kirche-das-amt-ist-wichtiger-als-die-person/
https://charismatismus.wordpress.com/2011/10/31/pralat-wilhelm-imkamp-wir-brauchen-politiker-mit-ecken-und-kanten/

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Der TOD ist das TOR zum LEBEN

Mit freundlicher Genehmigung des katholischen Priesters und Dogmatikers Prof. Dr. Joseph Schumacher aus Freiburg (siehe Foto) dokumentieren wir seine Traueransprache anläßlich der Beerdigung von Ingeborg Zech am 5. Juli 2017 in Bad Oeynhausen.

Die katholische Apothekerin, Bioethik-Expertin und Vortragsrednerin gehörte zu unserem Freundeskreis und war eine Leserin dieses CHRISTLICHEN FORUM.  –  Hier folgt die Predigt von Prof. Schumacher im vollen Wortlaut:

Mors porta vitae. Der Tod ist das Tor zum Leben.  –  Das hat die Verstorbene, die wir heute zu Grabe tragen, gelebt, freilich gegen den Zeitgeist.

Der Zeitgeist verweigert das Denken. Da werden Widersprüche aufgehoben und subjektive Meinungen werden da unumstößlich, während man gleichzeitig behauptet: Es gibt nichts Unumstößliches, es gibt nichts Bleibendes.

Wir verzichten auf das logische Denken, wenn wir behaupten, dass es nur diese eine Wirklichkeit gibt, in der wir leben.

Der griechische Philosoph Platon – er lebte im 5. und 4. vorchristlichen Jahrhundert – erklärt: Der Mensch kann Ewiges denken, also muss etwas Ewiges in ihm sein. Das aber ist die unsterbliche Geistseele, die nicht sterben kann.

Die Religionen der Menschheit sind ein lebendiger Beweis dafür, dass der Mensch in der Gestalt seiner Seele den Tod überdauert, ja, dass der Tod des Menschen gar gegen allen äußeren Anschein die Geburt für ein neues Leben ist.

Der Glaube an das Leben jenseits der Todesschwelle ist nicht erst das Ergebnis der alttestamentlichen und der neutestamentlichen Offenbarung. Immer schon hat die Ahnung von einem Leben jenseits der Todesschwelle das Leben der Menschen verklärt.  Das bezeugen nicht nur die  Religionen der Menschheit, davon reden auch nicht wenige Philo-sophen in der Geschichte der Menschheit. Unbewusst hat der Mensch schon immer damit gerechnet, dass der Tod nicht das Ende schlechthin ist.

Der Physiker Albert Einstein († 1955) erklärt nach dem Besuch eines Konzertes von Yehudi Menuhin († 1999): „Jetzt weiß ich, dass es die Transzendenz, dass es einen Gott im Himmel gibt“.

Nicht nur die Philosophie, auch die Kunst, vor allem auch die Musik, führt uns also zu jener Welt, die nicht der Vergänglichkeit unterworfen ist, die aber nichtsde-stoweniger eine Wirklichkeit ist.

Der Biologe  Joachim Illies († 1882) vergleicht das Sterben eines Menschen mit dem Geburtsvorgang und nennt den Tod den schmerzlichen Hinübergang des Menschen in eine neue Daseinsweise.

Er betont dabei, dass der Übergang in eine neue Daseinsweise immer schmerzlich, immer mit Schmerzen verbunden ist. Ihm, dem Biologen,  ist das schon vor mehr als drei Jahrzehnten zu einer existentiellen Erfahrung geworden.

Geboren werden wir in eine Welt der Geheimnisse, die Welt aber, in die wir hineinsterben, sie birgt weit größere Geheimnisse. Denn diese Welt ist sichtbar, jene aber ist un-sichtbar.

„Occido cum sole”, so lautet die Inschrift eines Grabsteins auf einem Friedhof in Genua: „Ich gehe unter gleich wie die Sonne”. Das ist ein schönes Bild für das Sterben. Denn die Sonne, die untergeht, verliert nicht ihre Existenz, sie wird vielmehr nur unsichtbar. So ist es, wenn ein Mensch stirbt.

Die Seele lebt weiter in jener unsichtbaren Welt, welche die Bedingung ist für die Existenz dieser unserer sichtbaren Welt ist, und wartet auf die Auferstehung der Toten, wie wir im Credo bekennen. So weit ist das Bild von der untergehenden Sonne auf den Tod des Menschen anwendbar, aber nur so weit.

Nicht anwendbar ist es auf den Tod des Menschen, wenn wir daran denken, dass jedem Abend und jeder Nacht wieder eine neuer Tag folgt, der in einem neuen Abend und in einer neuen Nacht seine Bestimmung hat. Anders ist das nämlich beim Sterben eines Menschen. Auch ihm folgt ein neuer Tag. Aber dieser unterscheidet sich wesentlich von dem zu En-de gegangenen. Denn dieser Tag kennt keinen Abend mehr. Er mündet in die Ewigkeit. 

Die Auffassung, dass der Tod das absolute Ende ist, diese Auffassung  ist eine zweifelhafte Errungenschaft erst unserer jüngsten Vergangenheit und unserer Gegenwart. Im-merhin gibt es heute für mehr als 50% unserer Zeitgenossen mitnichten ein Weiterleben nach dem Tod. Für so viele ist der Tod das definitive Ende. Von Dreien ist es vielleicht einer, der noch von dem Weiterleben nach dem Tod überzeugt ist.

Die einen sagen: Sterben heißt vergehen, und die anderen: Wir wissen nichts über den Tod und werden nie etwas erfahren über ihn – ignoramus et ignorabimus.

Die Vernunft hingegen sagt, und der christliche Glaube bestätigt es: Es folgt ein neues Leben. Denn nur das Sterbliche stirbt am Menschen. Der Mensch aber ist mehr als seine Leiblichkeit. In dieser seiner Leiblichkeit wohnt der Geist. Der aber kann nicht sterben, weil er immateriell ist. Diese Erkenntnis ist im Grunde die Geburtsstunde der Religion, die eigentlich zum Menschsein des Menschen gehört.

Was die Menschen immer gewusst haben, dass der Tod nicht das definitive Ende ist, dass es weitergeht, dass der Mensch eine unsterbliche Seele hat, das wird heute immer mehr zur Frage, obwohl wir diese Wirklichkeit schon mit unserem Denken erreichen können. Allein, das Vertrauen auf die Vernunft schwindet dahin.

Darüber klagt der Philosoph Jacques Maritain († 1973) mit eindrucksvollen Worten, über das schwindende Vertrauen auf die Vernunft, über die metaphysische Skepsis, die im Wachsen begriffen ist. Die metaphysische Skepsis wächst und breitet sich aus im Schatten unserer Gedankenlosigkeit und Oberflächlichkeit, im Schatten vor allem auch der gigantischen Manipulation der modernen Medien, wodurch wir auf das Vordergründige fixiert werden.

Bedenken wir noch ein Weiteres: Immer stirbt der Mensch allein, ganz allein, in letzter Einsamkeit. „On mourra seul” sagt der fromme Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal. Er starb im Jahre 1662.

Den Hinübergang in die Ewigkeit müssen will alle allein vollziehen. Kein Mensch kann uns da begleiten. Nur einer, der Gottmensch, er kann mit uns gehen. Denn er ist schon drüben, und dennoch ist er, gemäß seiner Verheißung, bei uns.

„Nur einer gibt Geleite“, so singen wir in dem Lied „Wir sind nur Gast auf Erden”. Er geht mit uns, und seine heiligen Engel begleiten uns, wenn wir uns ihm und ihnen anvertrauen.

Pilger sind wir und Fremdlinge in dieser Welt, unser Ziel ist die himmlische Heimat. Dass wir sie erreichen möchten, darauf muss unser Mühen und Kämpfen ausgerichtet sein. Der Tod ist die Bilanz des Lebens, dem Tod folgt das Gericht. Auch das wissen die Religionen der Menschheit allgemein.

In der Geheimen Offenbarung, dem letzten Buch des Neuen Testamentes lesen wir: „Selig sind die Toten, die im Herrn sterben“ (Apk 13,14) und im Alten Testament, im Buch des Predigers: „Wie der Baum fällt, so bleibt er liegen (Pred 11,3).

Es gilt, dass wir in Treue und Gewissenhaftigkeit den Willen Gottes erfüllen, ein Leben lang. Gottes Gnade tritt in der Regel nicht an die Stelle unseres Bemühens. Die Gemeinschaft mit Christus muss in einem Leben des Gebetes und in der täglichen Nachfolge Christi geübt und eingeübt werden. In der Gemeinschaft mit Christus gehen wir nicht dem Dunkel, son-dern dem Licht entgegen, und zwar einem unbeschreiblichen Licht.

Wenn wir zu leben verstehen, ist der Tod nicht Ende, sondern Vollendung. Wir tun gut daran, diese Vollendung stets vor Augen zu haben. Gott erweist sich uns als ein treuer Gott, wenn wir ihm die Treue halten. Wenn wir nicht von ihm lassen in den Fährnissen des Lebens, wenn wir auf ihn vertrauen und sein Wort annehmen, dann erweist er sich uns als ein treuer Gott auch über die rätselhafte Schwelle des Todes hinaus.

Gott ist ein Gott der Lebenden, weil er das Leben schlechthin ist, weil alles Leben aus ihm hervorgeht. Er hat nie begonnen, immer ist er gewesen, und immer wird er sein.

Wir brauchen den Tod nicht zu fürchten, wenn wir wachsam sind, wenn wir beharrlich sind in der Treue, wenn wir die Zeit nutzen für die Ewigkeit, die Zeit, die kurz ist.

„Denke immer an das Ende und daran, dass die verlorene Zeit nicht wiederkehrt“, heißt es in der „Nachfolge Christi“ des Thomas von Kempen (1, 25, 11).

Demgemäß erinnert uns Bischof Johann Michael Sailer († 1832) daran, dass Todesgedanken fast immer unsere beste Philosophie und unsere treuesten Freunde sind, deshalb, weil sie uns die unangenehmste Wahrheit sagen. Angenehm wird sie, wenn wir wissen, dass dann dem Karfreitag das Osterfest folgt, wenn wir ihn, den Karfreitag, in der Gemeinschaft mit Christus bestanden haben.

Das Weizenkorn wird gemäß einem zentralen Jesus-Wort in die Erde gelegt, damit es dem Erntetag entgegenreift (Joh 12, 24). Amen.

Weitere Ansprachen, Artikel, Vorträge, Vorlesungen von Prof. Schumacher gibt es hier: http://www.theologie-heute.de/


AfD soll auf unseriöse Wahlplakate verzichten

Von Felizitas Küble

Die „Alternative für Deutschland“ ist eine relativ junge Partei  –  und wohl auch deshalb nicht frei von einer gewissen Unausgegorenheit, wovon auch die immer wieder aufflammenden Personalquerelen zeugen. Die Zukunft wird zeigen, ob die politische und parteiinterne Reife der AfD zunimmt.

Die Partei versteht sich als liberal-konservativ und patriotisch; sie verlangt eine „Willkommenskultur“ für Ungeborene und Neugeborene. Das ist ebenso positiv zu werten wie die Ablehnung der „Homo-Ehe“ und der Gender-Ideologie. Auch die Forderung nach einer Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht ist aus meiner Sicht begrüßenswert.

Gerade weil die AfD sich familienpolitisch wertkonservativ präsentiert, darf man erwarten, daß sich hieran auch ihre Wahlwerbung orientiert. Dies ist aber gewiß nicht der Fall bei dem folgendem Plakat:

Dort heißt es: „Burkas? Wir stehn auf Bikinis“ – Darunter (wie bei den meisten AfD-Postern): „Trau Dich, Deutschland.“ – Mag der „Gag“ samt Wortspiel auch zunächst witzig klingen: Das Riesenbild zeigt zwei halbnackte Mädels im Wasser, mit einem knappen Bikini mehr ausgezogen als angezogen – und von hinten fotografiert. (Wir drucken solche  Bilder grundsätzlich nicht ab –  wer will, kann es hier sehen: http://www.pi-news.net/afd-plakate-qual-der-wahl/)

Wohlgemerkt: Bikinis am Badestrand sind „an sich“ nicht das Problem, aber wenn sich eine bürgerlich-konservative Partei auf solch ein schwaches Niveau in Wort und Bild herabläßt, erweckt dies einen unsoliden und geradezu unglaubwürdigen Eindruck. Immerhin wird eine solche Wahlwerbung auf den Großflächen auch von kleinen Kindern gesehen.

Zudem besteht die Alternative zu Burkas (deren Verbot wir hier im CHRISTLICHEN FORUM mehrfach gefordert haben) durchaus nicht in fast hüllenloser Freizügigkeit, weil dies das andere Extrem zur muslimischen Verhüllung wäre. Es gibt da auch noch eine gesunde und gediegene Mitte!

Man sollte nicht einerseits das „christliche Abendland“ gegen den Islam beschwören und sich andererseits oberflächlich dem Zeitgeist anbiedern.

Noch befremdlicher wirkt auf uns ein weiteres AfD-Plakat:

Der Titel „Kinder! Machen! Spaß!“ ist zunächst positiv zu werten, allerdings zeigt der Zusammenhang sodann, daß es um das sexuelle „Kindermachen“ geht. Da es sich um ein Wortspiel handelt, könnte man noch darüber hinwegesehen. Immerhin steht in kleiner Schrift darüber: „Für familienfreundliche Politik!“ 

Aber das Foto auf diesem Poster zeigt rechts oben, wie sich ein junges Pärchen auf dem Boden wälzt (offenbar kurz vor dem „Kindermachen“?!), beide „oben ohne“, das Mädchen in superknappen „heißen Höschen“. Was hat dieser Jugendsex mit „Familienpolitik“ zu tun? Sollen etwa uneheliche Schwangerschaften gefördert werden? (Das flotte Pärchen wirkt beileibe nicht wie ein Ehepaar!)

(Wir drucken auch dieses Bild nicht ab –  wer will, kann es hier sehen: http://www.pi-news.net/afd-plakate-qual-der-wahl/)

Zumindest sprachlich und bildlich gewöhnungsbedürftig (siehe Foto) erscheint uns die AfD-Werbung „Neue Deutsche? – Machen wir selber!“ –  Grundsätzlich gut im Sinne von lebensbejahend, werden hier schon wieder Kinder „gemacht“. Der Nachwuchs ist aber kein „Machwerk“, sondern ein Kunstwerk des Ewigen. Wir sind Geschöpfe Gottes. Selbst Nichtchristen mit Niveau sprechen in der Regel nicht vom „Kinder machen“.  

Dazu sieht man eine junge Schwangere mit halbnacktem Bauch auf einer Blumenwiese liegend, das Gesicht ist nur zur Hälfte erkennbar. Auch dieses Plakat erscheint uns grenzwertig, aber wohl noch hinnehmbar, weshalb wir es hier abdrucken.

Denkbar unangebracht finden wir es allerdings, daß AfD-Sprecherin Dr. Frauke Petry in einem Großplakat mit ihrem zwei Monate alten Sohn abgebildet ist. Die Werbekampagne wurde zwar inzwischen gestoppt bzw. nicht weiterbetrieben, doch die Partei hätte von vornherein wissen müssen, daß Politiker ihre Kinder  – erst recht Neugeborene  – nicht für Wahlkampfzwecke vereinnahmen.

Das gilt erst recht in diesem Falle, hat Dr. Petry doch ihren Mann (einen evangelischen Pastor) mit vier Kindern verlassen; danach zog sie wie ein verliebtes junges Pärchen mit dem nordrhein-westfälischen AfD-Politiker Marcus Pretzel durch die Lande, wurde schwanger und hat ihn geheiratet; auch ihr neuer Partner lebt von seiner Frau und vier Kindern getrennt. Als wäre das nicht schon unerfreulich genug, wird die neue Partnerschaft und ihr „Ergebnis“ auch noch in die Bundestagswahlwerbung einbezogen.

Abgesehen also von der Stillosigkeit des plakativen Unterfangens: Was mögen wohl die Kinder der beiden Politiker aus erster Ehe empfinden, wenn sie das fünfte Kind ihrer Mutter bzw. ihres Vaters in Großaufnahme sehen? 

Die erwähnten Plakate sind innerhalb der AfD freilich mehr oder weniger umstritten; vor allem Prof. Dr. Jörg Meuthen gehört zu den Kritikern zumindest eines Teils der hier beanstandeten Poster.

Die Partei wäre gut beraten, auf derartige Zeitgeistmätzchen in Zukunft komplett zu verzichten.


Warum akzeptierte Kardinal Woelki eine unwürdige „Modenschau“ in der Kirche?

Dass unter dem Nachfolger des jüngst verstorbenen Kardinal Meisner ein anderer Wind im Erzbistum Köln weht, dürfte auch der letzte am kirchlichen Leben der Diözese interessierte Gläubige erkannt haben. 

Dieser „andere Wind“ in Gestalt von Kardinal Woelki zeigte sich z.B. in medienwirksam bekannten Ereignissen eines von ihm initiierten „bistumsweiten Geläutes“, einer politisch motivierten „Lichter-Aus-Aktion“, eines durch halb Europa transportierten und zur Verehrung vor dem „Kölner Dom“ ausgestellten Holzbootes an Fronleichnam und eines Roboters, der sich im altehrwürdigen Kölner Dom parallel zur Computerspielmesse „Gamescom“ im Laserlicht zum Rhythmus elektronischer Musik bewegen durfte.

Dazu kommt ein besonderes Event in der Kölner Kirche „St.Michael“: http://www.stgereon.de/st-michael-73.html

Wie in kirchlichen Hierarchien hoffentlich noch üblich (?), sollte vor wichtigen Entscheidungen der rechte Geist erbetet werden, damit sich der intensiv betriebene Aufwand nicht als geistige Eintagsfliege bzw. schlichte Huldigung an den Zeitgeist entpuppt.

So entschied man sich in Köln unter Einbindung erzbischöflicher Personalressourcen und der Akzeptanz seiner Eminenz, den Antrag des zuständigen Pfarrers Andreas Brocke von der Pfarrei St. Michael zu prüfen, der in seiner Kirche eine „Modenschau“ veranstalten wollte.

Nach Auskunft der „Abteilung Information und Öffentlichkeit“ vom Juli 2017 hatte Pfarrer Brocke sein Konzept zur geplanten Veranstaltung „umfassend“ zur Genehmigung vorgestellt.

Nachdem die privaten und öffentlich-rechtlichen Sender auf dem „Feld der figurbetonten Mode“ bereits mächtig um Quote buhlend konkurrieren, entschied sich das Erzbistum Köln, an diesem Wettlauf teilzunehmen und stimmte der „Modenschau“ für Mai 2017 zu.

Die Quelle zu der unwürdigen Klamottenshow im Gotteshaus (Beginn ab der 2. Minute) ist mit nachfolgenden Stichworten in einem bekannten Videoportal zu finden: „le bloc 2017 (Langfassung in 4K)“

Die Modenschau fand unter Begleitung eines „experimentellen Chores“ statt. Damit die zwischen den Kirchenbänken präsentierenden „Models“ nicht aus dem Takt kamen, spielte die zweckentfremdete Orgel u.a. „Das Model“ der Gruppe „Kraftwerk“. (Quelle: https://www.lebloc.de/le-bloc/modenschau/)

Da derartige Veranstaltungen bei Gläubigen zu Irritationen führen, entgegnet das Erzbistum Köln folgendes in einer Stellungnahme vom Juli 2017:

„Das mag auf den ersten Blick ungewöhnlich, ja vielleicht sogar irritierend erscheinen, schließlich handelt es sich bei einer Kirche ja um ein Gotteshaus. Doch es ist durchaus nicht unüblich Kirchen nicht nur für Gottesdienste, sondern gelegentlich auch für kulturelle Veranstaltungen – wie etwa Kunstausstellungen oder Konzerte – zu nutzen. In diesem Kontext  ist auch die Modenschau einzuordnen. Durch die Modenschau sollte deutlich werden, dass jeder Mensch von Gott anerkannt und geliebt ist, egal ob groß, klein, dünn oder kurvig und diese Botschaft wurde sehr gut deutlich. Zahlreiche Rückmeldungen  von Besucherinnen und Besucher haben dies unterstrichen.“

Hinter solchen Formulierungen, die wie scheinfrommes verbales Yoga wirken, fehlt nur noch ein abschließendes „Amen“ und die weltliche Bitte, dass der Letzte das Licht ausmachen möge.

So wird es zwangsläufig enden, wenn die Verantwortlichen auf diesem Weg weiter machen und sich derart verbiegen (lassen), dass sie ihren Kopf bald zwischen den Füssen tragen können, wenn sie nicht willens sind, solchem Unsinn die Stirn zu bieten, der sich hüftschwingend, bauchnabelfrei (Videoquelle 3:40 Min.) und ohne Ehrfurcht im geweihten Raum breit macht.

Wenn es sich weiterhin um ein „Gotteshaus“ handelt, steht die Frage im Raum, ob sich der „liebe Gott“ das Kleiderspektakel mit elektronischer Untermalung nebst Lasershow ebenfalls angesehen hätte. Im Evangelium ist eine andere Reaktionsweise Christi auf eine Zweckentfremdung des Tempels überliefert.

Diese Klamottenshow erscheint als weiterer fataler Schritt in Richtung nachkonziliare „Experimentierkirche“.

Somit muss auch ein Kardinal mit Widerspruch und erheblichen Bedenken leben. Da nützt es nichts, wenn er sich öffentlich darüber beschwert, dass ihm die „die ewigen Besserwisser und Bedenkenträger zum Hals raus hängen“. (Quelle: https://www.domradio.de/radio/sendungen/wort-des-bischofs/wort-des-bischofs-97)

Meine Freude am „Erlösungswerk des HERRN“ kann jedenfalls kein Bischof trüben, egal wie unverständlich seine Entscheidungen sein mögen   –  und widersprüchlich noch hinzu; siehe diese Klarstellungen aus dem Amtsblatt des Erzbistums Köln vom 1. Juni 2016:

Kirchengebäude sind Räume der Gottesbegegnung. Deshalb sind musikalische Veranstaltungen, die keinen geistlichen Charakter oder gottesdienstlichen Bezug haben, aus ihnen grundsätzlich fernzuhalten.

Musikalische Aufführungen können nur dann in einem Kirchengebäude stattfinden, wenn der Charakter der Werke die Aufführung in einer Kirche ratsam erscheinen lässt. Bei Unklarheiten kann das Erzbischöfliche Generalvikariat beratend unterstützen. Im Übrigen wird auf die Arbeitshilfe 194 der Deutschen Bischofskonferenz zur „Musik im Kirchenraum außerhalb der Liturgie“ und ggf. diözesane Richtlinien verwiesen.“ (Quelle: https://www.erzbistum-koeln.de/erzbistum/generalvikariat/amtsblatt/2016/2016-06-01-amtsblatt-erzbistum-koeln.pdf)

Der Autor dieses Artikels ist katholischer Familienvater aus dem Erzbistum Köln und unserer Redaktion persönlich bekannt

Fotos: Dr. Bernd F. Pelz, Archiv


Fulda: Feierliches Jahresgedächtnis für Erzbischof Johannes Dyba am 23. Juli 2017

Von Gaby Kaudel

Nun ist es wieder soweit: Am Sonntag, dem 23. Juli 2017, gedenken wir unseres verehrten Erzbischofs Dr. Johannes Dyba zum 17. Mal im Dom zu Fulda. Um 10 Uhr beginnt das feierliche Pontifikalamt mit Bischof Algermissen.

Und wie an allen Gedächtnistagen reißen die Wunden des plötzlichen Todes unseres einstigen Fuldaer Oberhirten wieder auf. Manchmal erscheint es mir, als wäre es erst gestern geschehen  –  und doch sind viele Jahre vergangen.

Gerade in unserer Zeit, in der es derart turbulent zugeht, was das Aufweichen des Wortes Gottes betrifft  –  oder Fehlverhalten von Hirten, die unseren Herrn Jesus Christus verleugnen  –  gerade da fehlen solche Getreuen wie Erzbischof Johannes, der sich bis zum Ende vom Mainstream in Medien und Welt nicht beugen ließ.

Seine Begeisterung für Christus, sein Vorangehen und glaubensstarkes Vorbild  –  genau das bräuchten wir heute mehr denn je.

Offenbar von allen Seiten versucht man, praktizierende und konsequente Christen an den Rand zu drücken oder quasi mundtot zu machen. Der Zeitgeist  –  so Erzbischof Dyba – reibt sich bis zur Empörung an einer ganzen Reihe von Glaubensthemen.

Wie wahr hat er das formuliert und wie real sind so viele Dinge geschehen, die er vorausgesagt hat.

Damals konnten wir es kaum glauben – und jetzt stecken wir in einem Dilemma, daß man manchmal zerbrechen und verzweifeln könnte.

Ich wünsche allen Christen, daß wir gerade aus diesem Grund Dybas gedenken   –  und aus der Erinnerung heraus uns wieder anstecken lassen vom Feuer des Glaubens.

Das wollte der Erzbischof: daß sich der Glaube an Christus und seine Botschaft in uns verbreitet „wie ein afrikanisches Buschfeuer“.

Die letzten Worte des Erzbischofs sind ein bleibendes Vermächtnis an uns: ,,Das Bekenntnis unseres Glaubens wollen wir jetzt vom Domplatz zu Fulda emporschallen lassen, daß man es hört im Himmel und auf Erden: CREDO CREDO CREDO. Amen“


Papst Franziskus: Schwimmt gegen den Strom – aber nicht so wie Kardinal Müller ?

Von Felizitas Küble

Bei der Generalaudienz vom vergangenen Mittwoch hat Papst Franziskus lautet einem CNA-Bericht erläutert, daß Verfolgung zum Christstein gehört, daß Jesus selber einst verfolgt wurde und daß die christliche Hoffnung die Stärke der Märtyrer sei.

Er sagte: „Im Evangelium spricht der Herr davon, dass die Verkündigung des Reiches Gottes auf Widerstand und Feindschaft stößt.“

Christsein heiße, gegen den Strom zu schwimmen, erklärte der Papst weiter  – und zwar „aus Treue zur Botschaft Christi“. Daher sei der Gläubige gesandt wie „Schafe mitten unter die Wölfe“ (Mt 10,16).

Das sind zweifellos klare und erfreuliche Worte.

Nun hätten wir gerne gewußt, warum Papst Franziskus die Amtszeit von Kardinal Gerhard Müller als Präfekt der Glaubenskongregation nicht verlängert hat, obwohl dieser theologisch konservative Würdenträger erst 69 Jahre alt ist (für leitende kirchliche  – zumal kuriale –  Hierarchie-Verhältnisse ist das jung)  –  und obgleich es bislang üblich war, die Amtszeit von Glaubenspräfekten zu verlängern (auch Kardinal Joseph Ratzinger versah jahrzehntelang dieses Aufgabe).

In einem Artikel auf ZEIT-online vom 1. Juli wird der katholische Theologie-Professor Wolfgang Beinert zitiert. Der bekannte Autor, der eher dem liberalen Spektrum angehört, stellt fest, die päpstliche Ablösung Müllers sei eine „Strafe“: „Das ist eine Entlassung ins Nichts.“

Tatsächlich hat Kardinal Müller, der weiter im Vatikan bleiben möchte, kein anderes Amt erhalten.

Freilich wäre jede Ersatzlösung gleichsam ein Abstieg, denn das Amt des Glaubenspräfekten ist theologisch nach dem Papst das zweithöchste in der katholischen Weltkirche. Wer es verliert, kann die Hierarchie-Treppe nur noch herunterfallen (es sei denn, er wird Papst – wie bei Ratzinger-Benedikt).

Allerdings hat Franziskus die Stellung dieses Amtes nunmehr indirekt geschmälert, insofern er einen – bislang zudem unbekannten –  Mann aus der zweiten Reihe (nämlich Müllers Sekretär Luis Ladaria Ferrer) zum neuen Präfekten dieser Kongregation ernannte.

Wollte der Papst damit möglicherweise zu verstehen geben, daß sich die theologische und kirchliche Bedeutung dieses „Wächteramtes“ ab jetzt im Sinkflug befindet?

Dies umso mehr, als Franziskus entsprechende Signale bereits früher setzte. KNA-Chefredakteur Ludwig Ring-Eifel erinnert daran:

„Schon im ersten Jahr seines Pontifikats hatte Papst Franziskus in einem offiziell nie bestätigten Gespräch mit lateinamerikanischen Ordensleuten gesagt, was er von der dogmatisch reglementierenden Rolle der Glaubenskongregation hielt: Wenn man von der Behörde wegen unkonventioneller Seelsorgemethoden einen mahnenden Brief erhalte, sollte man den höflich beantworten, dann aber weitermachen wie bisher, so seine damalige Empfehlung.“

Übrigens hat Kardinal Müller in einem Interview mit der „Allgemeinen Zeitung“ selber eingeräumt, daß er seine Amtsentlassung nicht erwartet habe; zudem habe der Papst ihm keine Gründe vorgelegt –  wenn man von dem rein formalen Gesichtspunkt absieht, er wolle angeblich in Zukunft allgemein die Laufzeiten für Leitungsämter in der Kurie auf fünf Jahre eingrenzen.

Als der Papst vor einigen Wochen drei Mitarbeiter der Glaubenskongregation feuerte, geschah auch dies zur Überraschung Müllers – und ohne Angabe von Gründen.

Was nun aber den Aufruf von Franziskus an die Gläubigen, gegen den Strom zu schwimmen und der Botschaft Christi unbeirrbar treu zu bleiben, betrifft:

Genau dies hat Kardinal Müller getan – wie der Papst darauf reagierte, ist bekannt. Und wo bleibt die Auflösung dieses Widerspruchs? Weshalb diese offensichtliche Kluft zwischen Theorie und Praxis?

 


Losung und Lösung für die Kirchenkrise: Nicht Anpassung, sondern Umkehr

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Das Stück, das auf der Weltbühne gespielt wird, trägt den Titel „Gott oder der Widersacher“. Man könnte das Thema ebenso gut „Wahrheit oder Lüge“ nennen. Dass Gott für das eine, der Widersacher für das andere steht, wird in der Antwort Jesu an Pilatus unterstrichen: Dazu bin ich auf die Welt gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen (Joh 18,37).

In diesem Theater spielen jene, die in Politik, Wirtschaft oder in den Medien für „mächtig“ ausgegeben werden oder sich dafür halten, die Rolle von Komparsen. Sie sind aber nicht unwichtig, wenn sie sich von der einen oder der anderen Seite in Dienst nehmen lassen.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“ und den Kongreß  „Freude am Glauben“

Gibt es die Wahrheit und kann man sie erkennen?

„Die Tragödie der neuzeitlichen Philosophie besteht“, so der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer „in der sukzessiven Fesselung der Vernunft und der Depotenzierung ihrer Wahrheitsfähigkeit“ (Tagespost v. 15.4.17) .

Joseph Ratzinger hat sein Leben lang für die Entfesselung der menschlichen Vernunft und für die Wahrheitsfähigkeit der Vernunft gekämpft und auf die „Diktatur des Relativismus“ hingewiesen. In seiner viel beachteten Rede an der Sorbonne 1988 sagte er: „Im Christentum ist Aufklärung Religion geworden“: „Die biblische Botschaft ist die Kraft der Entmytologisierung und Entdivinisierung (Entgöttlichung) aller vorletzten Wirklichkeiten“.  – Die moderne Philosophie, die in der Wahrheitsfrage abgedankt hat, lässt den Menschen im Stich.

Der Relativismus, wonach alle Aussagen gleichen Rang haben, schafft Verwirrung. Chaos ruft aber nach Ordnung. Diese geschieht durch die „Sprachpolizei“. Sie legt fest, was gesagt werden darf und was nicht  (vgl. Tagespost v. 11.4.17).

Der „große Bruder“, der die Auslegung und die Umdeutung der Wirklichkeit festlegt, existiert. Im Kampf um das Interpretationsmonopol sind hart erkämpfte bürgerliche Grundfreiheiten, wie die Meinungs-, Rede-, Religionsfreiheit und das Recht auf friedliche Demonstration in Gefahr. Wer aus seinem Elfenbeinturm heraustritt und sie praktiziert, bekommt das zu spüren.

Hierzu einige Beispiele:

Wer gegen die Genderideologie auftritt und sie, wie der Evolutionsbiologe Prof. Dr. Ulrich Kutschera, der an der Universität Kassel und Stanford (USA) lehrt, als „universitäre Pseudowissenschaft“ bezeichnete, bekam deswegen an der Uni Marburg Redeverbot. Gegner der „Frau-Gleich-Mann-Irrlehre“ werden mangels Gegenargumente als „Frauenfeind“, „rechtsradikale Unmenschen“ etc. diskreditiert.

Das geschieht heute an Unis, die sich immer die Freiheit des Denkens und Sprechens auf ihr Panier geheftet hatten. Prof. Kutschera formulierte seine Erkenntnisse folgendermaßen: „Eine Meinungsfreiheit, wie sie im Grundgesetz verankert ist, kann ich derzeit in Deutschland kaum mehr erkennen“ und weiter: „Leider sind inzwischen nahezu alle deutschen Leitmedien ideologisch gleichgeschaltet.“ (Kath.net im April 2017)

Die Genderideologie wird mit mehr „substantielle Gleichheit“ zwischen Männern und Frauen verkauft und bereits in Kindergärten und staatlichen Pflichtschulen unter dem Etikett „Sozialerziehung“ Kindern eingeimpft. Wer dagegen friedlich demonstriert, kann das nur unter massivem Polizeischutz tun. Medien werden nicht darüber berichten.

In der Genderideologie geht es nicht um die Beseitigung der Diskriminierung von Frauen. Tatsächlich geht es um Selbstbestimmung des Geschlechts entgegen der Schöpfungsordnung, wo es heißt: „Als Mann und Frau schuf er sie“ (Genesis 1,26).

Papst Paul VI. hat in der Generalaudienz vom 15. September 1972 erklärt: „Das Böse ist nicht nur ein Mangel, sondern es ist eine wirkende Macht, ein lebendiges, geistiges Wesen… Wir werden sein unheilvolles Wirken überall dort vermuten können, wo die Leugnung Gottes radikale, scharfe und absurde Formen annimmt, wo die Lüge sich heuchlerisch und mächtig gegen die offenkundige Wahrheit behauptet.“ (Vgl. Schweizerisches katholisches Sonntagsblatt, 9/2017, S. 4)

In Selbstzensur berichten die „Qualitätsmedien“ sowie der öffentlich-rechtliche Rundfunk und das Fernsehen nicht darüber, wenn tausende für das Lebensrecht ungeborener Kinder auf die Straße gehen, selbst wenn es 7500 Teilnehmer wie 2016 in Berlin sind.

Durch die Möglichkeit zur Abtreibung werden Frauen vom Gebärzwang befreit, heißt die Parole. Das ist eine Lüge: Tatsächlich tragen viele Frauen psychische Schäden und ein Leben lang Selbstvorwürfe nach der Abtreibung mit sich herum. Der Gesellschaft aber fehlen durch die praktizierte Massenabtreibung Lehrer, Facharbeiter, Ärzte, Krankenpfleger, aber auch Priester und Seelsorger…

Unwahrheit, verkleidet in humanitäre Worthülsen, findet sich auch bei den Bestrebungen, die Leihmutterschaft zu legalisieren. In Deutschland wird zur Zeit eine Lockerung des Verbots der Leihmutterschaft diskutiert. Die Forderung wird mit ungewollter Kinderlosigkeit bei Ehepaaren und auch bei lesbischen und homosexuellen Paaren begründet. Das Kind wird zu einem „Objekt des Rechtsgeschäftes“.

Der Druck steigt, weil alles medizintechnisch Machbare in einer säkularen Gesellschaft ethisch nicht mehr nachgefragt wird. Wie die Frau, die ein Kind für andere austrägt, damit zurechtkommt oder das Kind, das evtl. nie seine wahre Identität erfährt, damit fertig wird, interessiert nicht. Eine „uneigennützige“ Leihmutterschaft ist in Wahrheit die Ausbeutung einer Frau und eine neue Form moderner Sklaverei, die aber auch von Feministinnen toleriert wird.

In einer moralisch geschwächten Gesellschaft, die Selbstverwirklichung und das Vergnügen zum obersten Ziel erhebt, ist auch die Widerstandskraft gegen Gefahren von außen geschwächt. Das lässt sich an der Bedrohung durch den Islam deutlich machen. Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq schildert in seinem 2015 erschienenen Buch „Unterwerfung“ (Soumission) die Selbstaufgabe der westlichen Gesellschaft vor dem Islam.

Das Nachrichtenportal Kath.net macht dies an einem Beispiel aus unseren Tagen deutlich (13. April 2017):

Eine saudische Frau mit Namen Dina Ali Lasloom versuchte, über die Philippinen nach Australien zu fliehen und dort Asyl zu beantragen. Darauf steht in Saudi Arabien die Todesstrafe. Dina Ali wollte aus einem Land fliehen, das für Frauen einem Gefängnis gleicht, wie sie es selber auf Twitter formulierte. Mit einem Video richtete sie Hilferufe an die Öffentlichkeit, weil Gefahr bestand, dass sie in Manila/Philippinen den saudi-arabischen Behörden überstellt wird. Trotz ihrer Hilferufe kam es zu keinem Protest von Politiker/innen oder zu Appellen von Menschenrechtsorganisationen oder zu einem Aufschrei der Feministinnen.

Ein weiteres Beispiel für die Selbstunterwerfung unter den Islam liefert der ägyptische Politologe Hamed Abdel-Samad. Er hat an der Uni Augsburg studiert und wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Als er einen islamkritischen Vortrag an der Universität Augsburg und der Ludwig-Maximilians-Universität in München halten wollte, wurde ihm das verwehrt: „Wenn ein Islamkritiker an Unis unerwünscht ist“ (Augsburger Allgemeine Zeitung, 27.10.2016).

Günther Klempnauer hat in seinem Artikel „Das ist die Dekadenz des Denkens“ (Tagespost v. 31.12.2016) über die Bedrohung durch die Islamisten geschrieben: „Hätten wir von Anfang an klare Regeln gezeigt und den Islamisten den Riegel vorgeschoben, wäre es anders. Abe wir haben geglaubt, die ganze Welt bestehe aus Humanisten. Wir haben zugelassen, dass im Namen der Toleranz die Intoleranten ihre Strukturen aufbauen konnten. Das war unsere Schwäche“.

Wenn die Würde des Menschen und sein Leben bedroht sind, wird auch nach der mahnenden Stimme der Kirche gerufen. Die Menschen erwarten, dass sie ihre Stimme erhebt, wenn sittliche Fragen, Gerechtigkeit, die Familie als Grundlage der Gesellschaft gefährdet sind.

Die katholische Kirche in Deutschland ist aber vor allem mit dem strukturellen Umbau beschäftigt. Es werden Großraumpfarreien geschaffen. Den Anfang machte das Erzbistum Berlin. Der Vorwand für die neuen Verwaltungseinheiten ist der Priestermangel. Das ist ein vorgeschobener Grund. Denn lt. der Statistik der Deutschen Bischofskonferenz kamen „1990 auf einen aktiven Priester 316 aktive Gläubige, im Jahr 2014 nur noch 181“.

Tatsächlich liegt der Umstrukturierung ein neues Kirchengemeindebild zugrunde. Pfarrer Michael Theuerl hat es unter die Lupe genommen (Kath.net v. 11.4.2017). Die Großpfarreien werden von Pastoralausschüssen mit einem Leiter/Moderator vorbereitet. In den anderen Gremien, „bestehend aus wenigen Priestern und vielen Laien, hat jeder eine gleichberechtigte Stimme“.

Dieser Auffassung liegt die Ideologie zugrunde, „dass in der Kirche alle gleich sind und folglich alle das Gleiche zu sagen haben“. Der Unterschied zwischen allgemeinem und Weihepriestertum wird verwischt. Es ist die Absage an die Hierarchie und die Anpassung an die Forderung „mehr Demokratie in der Kirche“.

Dieser Demokratisierung wird sprachlich der Weg geebnet mit Forderungen wie „Wertschätzung aller“ und nach „angstfrei“, „Ergebnis offener Diskussion auf Augenhöhe“ und „ohne Denkverbote“.

Der Berliner Pastoralplan „Wo Glaube Raum gewinnt“ hat nach Pfarrer Theuerl zu einer „Dezimierung und Marginalisierung der Priester“ geführt. Ob die neue Großraumpastoral zu mehr Priesterberufungen führt und zu einer Beheimatung der Gläubigen in der Pfarrei, kann bezweifelt werden.

In der Diözese Trier werden z.Zt. ebenfalls neue Pfarreinheiten eingeführt. Aus 887 Pfarreien, die in 172 Pfarreiengemeinschaften zusammengefasst sind, werden nach der beschlossenen Umstrukturierung 35 Großpfarreien übrig bleiben. In diesen „Pfarreien der Zukunft“ haben die Laien mehr „Mitbestimmungsrechte“ mit „Verkündigung und Predigt in unterschiedlichen Gottesdienstformen“.

Die „weitreichende Öffnung“ der Kirche von Trier hat Bischof Stephan Ackermann akzeptiert, in dem er schon früher ankündigte, sich an die Trierer Synodenbschlüsse zu halten. (SWR-Beitrag, 24.März 2017)

Anstatt nach den Ursachen des Rückgangs von Priesteramtskandidaten an den theologischen Fakultäten zu fragen oder allgemein die Ursachen des Glaubensschwundes unter die Lupe zu nehmen, schafft man neue Leitungsgremien für Superstrukturen.

Die Vertreter der „Kirche von unten“ und des Kirchenvolksbegehrens von 1995 haben ihre Sympathisanten auch in den neuen Strukturen. Sie können ihre Ziele jetzt ganz demokratisch per Abstimmung erreichen.

Wie wird es weitergehen?

Der Erzbischof der Diözese München und Freising, Kardinal Marx, hat für seine Diözese ein Zukunftsmodell angekündigt, das Parallelen zu Berlin und Trier aufweist. Auch bei dieser Konzeption soll den Laien mehr Rechte eingeräumt werden.

Wenn die Kirche in Deutschland Zukunft haben soll, kommt tatsächlich auf die Laien eine größere Verantwortung zu. Wir sollten sie nicht vom Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) und den ihm angeschlossenen Verbänden, wie dem BDKJ oder den katholischen Frauenverbänden, erwarten.

Ein Neubeginn setzt voraus, die Worte Jesu zu Beginn seines öffentlichen Wirkens wieder ernst zu nehmen: Kehrt um und glaubt an das Evangelium.

Zu diesem notwendigen Umdenken gehört die Bekehrung, konkret die Wiedergewinnung des Bußsakramentes. Mit ihm steht und fällt eine Neuevangelisierung.

Prof. Dr. Thomas Sternberg, der Vorsitzende des ZdK, sieht das ganz anders. In einem Interview mit der slowakischen Internetzeitung „Postoj“ erklärte Prof. Sternberg auf die Frage: „In Ihrem ZdK kennen sie keinen Menschen, der zur Beichte gehen würde?“ –  Sternberg: „Nein, ich kenne niemanden.“

Der ZdK-Chef sagte weiter: „Deutschland ist darin wirklich ganz anders. Das Bußsakrament ist eigentlich verschwunden. In Deutschland beichten nicht mal die frömmsten Katholiken“.  – Auf die Frage von „Postoj“: „Aber wie dürfen die Leute, die nicht mehr beichten gehen, die Eucharistie empfangen?“ Darauf Sternberg: „Wir sehen den Zusammenhang zwischen und Beichte und Eucharistie nicht mehr so“. (Kath.net vom 13. April 2017)

Die erste Antwort Sternbergs ist leider eine Tatsachenfeststellung; die zweite beinhaltet eine neue Theologie.

Eine Neuevangelisierung braucht tatsächlich die „kleine Herde“, die den Mut hat, zum Glauben der Kirche zu stehen, ihn wieder zu verkünden und vorzuleben.