Lesern von Bücher und Zeitungen bleibt unverzichtbar vor allem für die Jugend

Damit Kinder den Inhalt von Texten begreifen, brauchen sie gedruckte Medien. Diese Ansicht vertritt der Hirnforscher Hans-Georg Häusel (Zürich) im Branchendienst für Medienmacher, turi2. 0016

Beim Gebrauch einer Zeitung, einer Zeitschrift oder eines Buches schalte das Gehirn auf den sog. „Flanier-Modus“: „Es ist entspannter und nimmt Inhalte anders auf.“

Die Nutzung digitaler Medien verursache dagegen Stress, weil es hier nur darum geht, möglichst schnell an Informationen zu kommen. Ein häufiger Gebrauch des Internets führe dazu, dass es immer schwerer falle, längere Texte durchzuarbeiten und Zusammenhänge zu verstehen.

Häusel kritisiert von daher Eltern, die ihren Sprösslingen nicht mehr Bücher oder Zeitschriften geben, sondern nur noch einen Tabletcomputer: „Mit dem Tablet werden keine vertiefenden Informationen aufgenommen, es dient nur zur schnellen Bedürfnisbefriedigung.“

Wo Bücher zu Hause seien, herrsche ein ganz anderer Anspruch, über die Welt nachzudenken, so der Wissenschaftler. Allerdings seien für Kinder trotzdem alle Medien wichtig. Häusel empfiehlt Eltern daher, ihre Kinder bei der Mediennutzung sorgsam zu begleiten und gebraucht dazu einen Vergleich mit dem Essen: „Wenn ich Kinder sich selbst überlasse, werden sie Hamburger und Süßkram in sich reinfressen und davon irgendwann krank werden.“

Eltern sollten ihre Kinder zu einer gesunden Kost anhalten, und das bedeute im Blick auf die Medien, ihnen vor allem Bücher und andere gedruckte Medien anzubieten.

Quelle: http://www.idea.de


Deutsche sitzen trotz „neuer Medien“ immer länger vor der Mattscheibe

Vor allem Fernsehzuschauer sind Objekte der Meinungsmacher

In der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift „Factum“ schreibt Redaktionsleiter Thomas Lachenmaier: „Das Fernsehen informiert nicht, sondern macht Zuschauer häufig zu Opfern politisch und kommerziell motivierter Meinungsmache.“

Fernsehzuschauer meinten zwar, gut Bescheid zu wissen, doch wenn man sie zu aktuellen Themen befrage, bekomme man kaum Fakten  –  aber jede Menge Gefühle der Empörung, der Sympathie und der Antipathie.

„Wir leben in einer Gesellschaft, in der   – überspitzt formuliert  –  jeder zu allem eine Meinung hat und starke Gefühle für oder gegen etwas hegt  –  aber keiner mehr Bescheid weiss“, so Lachenmaier. 0022

Er beruft sich auf den Direktor der Psychiatrischen Uniklinik in Ulm, Prof. Manfred Spitzer, der einen Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und Fernsehen sieht.

Laut Spitzer bedroht der massiv gestiegene Fernsehkonsum die wirtschaftliche Zukunft, weil die Menschen immer weniger Wissen zur Bewältigung des Alltags und der beruflichen Anforderungen hätten.

Lachenmaier sieht im Fernsehen ein „Breitband-Psychopharmakum“, das die eigentlichen Anliegen und die tieferen Bedürfnisse der Bürger nur scheinbar aufnehme. Tatsächlich würden sie durch die gleichförmige Flut von richtigen und falschen, wichtigen und unwichtigen Informationen neutralisiert.

Dabei verbringen die Deutschen immer mehr Zeit vor dem Fernseher, hören Radio oder nutzen das Internet. Bei den 14- bis 49-Jährigen betrage die tägliche Mediennutzung fast zehn Stunden, stellt der „Navigator Mediennutzung 2012“ des Mediendienstleisters Seven-One Media fest. Dies seien 16 Prozent mehr als vor zehn Jahren.

Mit durchschnittlich 205 Minuten nehme das Fernsehen den Spitzenplatz ein. An zweiter Stelle rangiere der Hörfunk mit 149 Minuten. Das Internet hole mit 107  Minuten immer mehr auf. Im Jahr 2002 habe die tägliche Nutzung erst bei 30 Minuten gelegen.

Dagegen nehme das Interesse an gedruckten Medien ab. Zeitungen würden nur noch 19 Minuten täglich gelesen, was einen Rückgang um 20 Prozent gegenüber 2002 bedeute   –  und die Beschäftigung mit Zeitschriften sei von 17 auf täglich acht Minuten gesunken.

Erstmals ermittelte Seven-One Media auch die Gewohnheiten der über 50-Jährigen: sie schauen täglich mehr als fünf Stunden fern, genau 328 Minuten. Im Internet halten sie sich nur 30 Minuten auf.

Quelle: http://www.idea.de